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Oberschüler schnuppern weiter Praxisluft

Bildung Oberschüler schnuppern weiter Praxisluft

In diesem Schuljahr, das nun bald endet, setzt die Duncker-Oberschule in Rathenow ein neues Konzept fürs Praxislernen um. Die 8. Klassen haben das ganze Jahr lang einen Praktikumstag pro Woche in einem Betrieb, die 9. Klassen sogar zwei Praktikumstage. Für die Schule, die mittlerweile mit 74 Betrieben kooperiert, ist ihr neues Konzept nach einem Jahr ein Erfolg.

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Die Schüler Elza Bitieva (vorn), Sebastian Novakovic (Mitte) und Marlon Brankow (hinten) beim Sport mit Demenzkranken.

Quelle: Bernd Geske

Rathenow. Vor einem Jahr hat sich die Duncker-Oberschule Rathenow mit einem neuen Konzept fürs Praxislernen auf unbekanntes Terrain vorgewagt. Weiterführende Schulen schicken ihre Mädchen und Jungen üblicherweise pro Schuljahr zu einer oder zwei Praktikumswochen in die Betriebe. Die Rathenower Oberschule hat zu Beginn des nun zu Ende gehenden Schuljahres aber festgelegt, dass ihre 8. Klassen jeden Mittwoch und die 9. Klassen jeden Donnerstag und Freitag am Arbeitsleben teilnehmen sollen. Das ganze Jahr lang, keine Schule sonst macht das so. „Es hat gut funktioniert“, resümiert Schulleiter Thomas Winterfeldt jetzt. „Wir werden das Konzept weiterführen. Viele Verträge fürs nächste Schuljahr sind schon unterschrieben.“

Zwei neue Kooperationsverträge in dieser Woche

In dieser Woche hat die Oberschule Kooperationsverträge mit dem Wohn- und Pflegezentrum (WPZ) Havelland und dem Seniorenhilfezentrum der Volkssolidarität Rathenow abgeschlossen. „Wir arbeiten jetzt mit 74 Betrieben und Einrichtungen zusammen“, berichtet Projektleiterin Jana Brandstäter, „vom Baumarkt über die Kfz-Werkstatt, Baubetriebe und Gaststätten ist bis zur Sozialstation alles dabei.“ In nicht wenigen Fällen würden für die Mädchen und Jungen besondere Arbeitszeiten vereinbart, damit sie in das Profil ihrer Firmen passen.

Gegenwärtig hätten bereits acht der 43 Neuntklässler von ihren Praktikumsbetrieben die Zusage, dass sie dort eine Ausbildung bekommen, wenn sie die 10. Klasse entsprechend abschließen. Grundsätzlich wünsche die Schule, erklärt Jana Brandstäter, dass die Mädchen und Jungen in Klasse 8 und 9 unterschiedliche Firmen wählen. Es zeige sich aber ein hoher Anteil derer, die in Klasse 9 bei ihrer Firma von Klasse 8 bleiben wollen. Das werde man beachten.

Das Konzept von Klasse 7 bis 10

Der wichtigste Bestandteil des neuen Konzeptes der Duncker-Oberschule Rathenow sind die wöchentlichen Tage der Schüler in den Betrieben. Für die 8. Klassen ist es jeder Mittwoch, für die 9. Klassen jeder Donnerstag und Freitag.

Die 7. Klassen werden vorbereitet durch ihren wöchentlichen Praxistag in der Schule, an dem sie fünf verschiedene Berufsfelder kennen lernen. Außerdem haben sie bei einem Bildungsträger eine zweitägige Stärken-Schwächen-Analyse und zwei Wochen Berufsorientierung in zehn Bereichen.

Die 10. Klassen, die sonst immer zweimal zwei Wochen im Jahr Betriebspraktikum hatten, bleiben nun in der Schule. Sie sollen sich ganz auf einen guten Schulanschluss konzentrieren können.

„Bei unserem Fachkräftemangel ist das der richtige Ansatz“, sagt Thomas Briest, Geschäftsführer der Volkssolidarität. Nicht einmal mehr Pflegehilfskräfte seien zu finden. Seine Pflegedienstleiterin Doreen Ibe sagt über ihre vier Duncker-Praktikanten viel Gutes. Sie werden angeleitet von je einer erfahrenen Betreuungskraft des Seniorenhilfezentrums, helfen den demenzkranken Bewohnern bei alltäglichen Verrichtungen und arbeiten zeitweise selbstständig. Allein machen sie mittlerweile mit den Kranken Sport – hier im Sitzen.

Ein Junge blühe regelrecht auf, wenn er mit den älteren Leuten arbeite, berichtet Doreen Ibe. Selbst beim Umgang mit schweren Fällen sehe man ihn lächeln. Manche Demenzkranke, die normal viel vergessen, hätten sich Namen der Schüler gemerkt. Eine Bewohnerin, mit der es oft nicht einfach sei, habe sogar eine Art Freundschaft zu einem Jungen geknüpft. Sie lebe auf, wenn er in ihre Nähe komme, berichtet die Pflegedienstleiterin. Ein Mädchen dagegen scheint in diesem Beruf nicht richtig anzukommen. Es will in der 9. Klasse etwas mit Tieren versuchen.

Schulleiter Thomas Winterfeldt hat festgestellt, dass die Schüler in den Betrieben oft erfreuliche Kompetenzen zeigen, die sie im Schulunterricht nicht immer so abrufen können. „Ich war richtig gerührt“, hat er erzählt, „als ich erfahren habe, dass Marlon im Seniorenpflegezentrum mit einer älteren Dame so umgeht, dass sie wieder Freude am Leben hat.“ Das sei toll, stellte er fest und zeigte auf seinem Unterarm die Gänsehaut, die sich allein bei dem Gedanken eingestellt hat.

Von Bernd Geske

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