Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 3 ° Regenschauer

Navigation:
Von Schienen, Zügen und Gebühren

Odeg-Chef im Rathenower Wirtschaftsausschuss Von Schienen, Zügen und Gebühren

Arnulf Schuchmann ist Geschäftsführer der Ostdeutschen Eisenbahngesellschaft (Odeg). Am Donnerstagabend stellte er im Rathenower Wirtschaftsausschuss sein Unternehmen vor. Und präsentierte den Abgeordneten die ein oder andere überraschende Zahl.

Voriger Artikel
Radikaler Baumschnitt: „Eine Kastration“
Nächster Artikel
Falkenseer Stadthalle feierlich eröffnet

Hat öfter in Rathenow zu tun: Odeg-Chef Arnulf Schuchmann (re.) im vergangenen Jahr bei einer Zugtaufe mit Bürgermeister Ronald Seeger (li.) und Pfarrer Wolf Schöne.

Quelle: Markus Kniebeler

Rathenow. Man könnte es, wenn man den Wirtschaftsjargon mag, eine schleichende Übernahme nennen. Nach und nach hat die Ostdeutsche Eisenbahngesellschaft (Odeg) die Strecken übernommen, die für Rathenower von Belang sind. Es fing im Dezember 2011 an, als die Odeg den Betrieb der Regionalbahnlinie RB 51 von Rathenow nach Brandenburg Havel übernahm. Ein Jahr später löste die Odeg die Deutsche Bahn auf der wichtigsten Strecke, der Regionalexpresslinie RE 4 von Rathenow über Berlin nach Jüterbog ab. Und seit dem letzten Fahrplanwechsel im Dezember 2015 ist das Unternehmen mit Hauptsitz in Berlin auch auf der Linie RB 34 zwischen Rathenow und Stendal unterwegs. „Wir haben den Rathenower Bahnhof von Rot (DB) auf Grün-weiß-gelb (Odeg) umgefärbt“, flachste Odeg-Chef Arnulf Schuchmann am Donnerstagabend im Rathenower Wirtschaftsausschuss.

Der hatten den Eisenbahner eingeladen, um aus erster Hand zu erfahren, wie die Odeg im Allgemeinen aufgestellt ist und wie im Speziellen der Bahnverkehr im Westhavelland so läuft. Schuchmann begann mit eine kurzen Firmeneinführung und unterfütterte den Vortrag mit Zahlen. Gegründet worden sei das Unternehmen im Sommer 2002, berichtetet er. Derzeit betreibe man im Auftrag der Bundesländer Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt elf Linien mit einer Streckenlänge von rund 1200 Kilometern. Über 400 Mitarbeiter gebe es, damit sei Odeg die größte private Eisenbahn im Osten Deutschlands. „Aber im Vergleich mit der Deutschen sind wir immer noch ein ganz, ganz kleiner Fisch“, sagte Schuchmann.

Die Hälfte des Jahresumsatzes geht an die Deutsche Bahn

Was man an einer Zahl besonders gut ablesen kann. Von den 140 Millionen Umsatz pro Jahr geht die Hälfte gleich auf das Konto der Deutschen Bahn. Denn sowohl die Schienen, auf der die gelb-grün-weißen Züge unterwegs sind, als auch die 157 Bahnhöfe, die von der Odeg angefahren werden, sind Eigentum der Deutschen Bahn. Und die lässt sich die Nutzung natürlich bezahlen.

Wenn die Odeg den Betrieb im Westhavelland fast allein organisiere, wäre es dann nicht möglich, den Fahrplan zu optimieren, wollten gleich mehrere Abgeordnete wissen. Die Dörfer Buschow und Nennhausen etwa würden sich sehr freuen, wenn der RE 4 dort nicht nur alle zwei Stunden hielte, sondern stündlich. „Ich bin da leider der falsche Ansprechpartner“, sagte Schuchmann. Technisch sei die Taktverkürzung kein Problem. Aber ohne Auftrag könne die Odeg gar nichts machen. Das Land Brandenburg bestelle den Bahnverkehr und lege dabei fest welche Strecken in welcher Frequenz befahren werden.

Dass dies am Ende eine Frage des Geldes ist, machte Schuchmann anhand einer konkreten Zahl deutlich. Pro Halt an einer Station wie Nennhausen verlange die Deutsche Bahn 1,70 Euro. Hört sich nicht viel an. Aber 20 zusätzliche Halte am Tag in Nennhausen schlügen, auf das Jahr hochgerechnet, mit fast 12 500 Euro zu Buche – für einen einzigen Bahnhof. Wenn das Land sich entschließe, dieses Geld auszugeben und die Odeg den Auftrag erhalte, stündlich in Nennhausen zu halten, dann sei das überhaupt kein Problem.

Nach gut einer Stunde bedankte sich der Ausschussvorsitzende Gerd Wollenzien für die interessanten Ausführungen und wünschte dem Vortragenden eine gute Heimreise. „Und wie ist Arnulf Schuchmann zurück nach Berlin gekommen?“, mag sich der ein oder andere fragen. „Etwa mit einer dicken Firmenlimousine?“ Mitnichten. Schuchmann ging zu Fuß zum Bahnhof und setzte sich in den eigenen Zug. Wenn das kein gutes Zeichen ist.

Die Odeg in Zahlen

Die Odeg wurde am 6. Juni 2002 gegründet. Das Unternehmen betreibt in Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt elf Strecken mit einer Gesamtlänge von 1200 Kilometren.

Pro Jahr werden knapp 18 Millionen Passagiere befördert. Über 400 Mitarbeiter sind im Einsatz, rund 180 davon sind Triebfahrzeugführer.

In Brandenburg betreibt die Odeg neben einigen kleineren Regionalbahnlinien die beiden stark frequentieren Regionalexpresslinien RE 2 (Wismar – Cottbus) und RE 4 (Stendal – Jüterbog). Die RE 2 ist mit über 350 Kilometern die mit Abstand längste Strecke im Odeg-Portfolio.

Von Markus Kniebeler

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Havelland
57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg