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Havelland Ortsgeschichte mit Hellebarde
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17:28 22.10.2017
Wolfgang Wiech kennt Nauen ziemlich genau. Quelle: Ralf Stork
Nauen

OK. Einen großen Vorteil hat das Kostüm von Wolfgang Wiech schon mal. Mit einem bunten Regenschirm oder Fähnchen muss der Nauener Stadtführer nicht herumwedeln, um besser von seiner Touristengruppe gesehen zu werden. Er läuft als Nachtwächter durch die Stadt und hat seine Hellebarde dabei. Die ist deutlich über zwei Meter groß und weithin sichtbar. Überhaupt ist die Verkleidung gut gewählt: Die richtigen Nachtwächter sind ja selbst viel in den Straßen unterwegs gewesen. Einen genauen Blick auf ihre Stadt und die Menschen, die darin leben, haben sie als Randständige der Gesellschaft wohl auch gehabt.

Wiech macht seit rund 20 Jahren Stadtführungen, seit mindestens zwölf Jahren vor allem als Nachtwächter. Das historische Interesse an seiner Heimatstadt wurde aber schon viel früher gelegt: „Als ich ein Kind war, habe ich wie mein Vater Briefmarken gesammelt, obwohl ich das eigentlich langweilig fand. Eines Tages war eine alte Postkarte mit einer Stadtansicht von Nauen dabei. Die fand ich viel spannender als die Briefmarke auf der anderen Seite“, erzählt Wiech. Die Karte aus den 30er-Jahren war der Anfang einer beeindruckenden Sammlung, die mittlerweile mehrere tausend Bilder umfasst. „Auf der Suche nach Fotos oder Postkarten kam ich dann in Kontakt mit den alten Nauenern, die mir Geschichten und Anekdoten von früher erzählten“, sagt Wiech bei einem kurzem Rundgang durch die Stadt. Zum Beispiel, dass das nördlichste Ende der Goethestraße „An der Noppe“ genannt wurde. Eine Noppe ist eine kleine Unregelmäßigkeit in einem Stück Stoff. Und am Ende der Goethestraße haben früher die Tuchmacher gewohnt. Der Nachtwächter weiß auch, wo der Alte Fritz für zweieinhalb Monate gewohnt hat, als er noch ein junger Fritz war und angeblich ein Verhältnis mit der Pfarrerstochter gehabt haben soll.

Erst kürzlich hat er eine Erklärung für einen Spruch gefunden, den man früher in den Nachbargemeinden kannte: „Die echten Nauener haben rote Haare.“ Angeblich hat es vor langer Zeit einen Schrankenwärter gegeben, der in einem Schrankenwärterhäuschen direkt an der Straße und an den Gleisen wohnte. Der Mann soll rote Haare gehabt haben, vor allem aber fünf bildhübsche Töchter mit flammend roten Haaren. Wenn also ein Zug langsam am Bahnübergang in Nauen vorbeirumpelte und die Reisenden aus dem Fenster blickten, standen die Chancen gut, dass sie eine der hübschen Töchter erblickten und von ihr auf das Aussehen der übrigen Nauener schlossen. Selbst wenn sich die Geschichte nicht einwandfrei belegen lassen sollte, eine schöne Anekdote ist sie in jedem Fall.

Auf dem Weg durch die Stadt grüßt Wolfgang Wiech oft vorübergehende Passanten. Man kennt sich. Schließlich war er schon viele Jahre auf den Straßen von Nauen unterwegs, bevor er Nachtwächter wurde. „Ich war 21 Jahre lang ABV (Abschnittsbevollmächtigter) bei der Volkspolizei in Nauen und dann noch die 21 Jahre nach der Wende Revierpolizist und Kripobeamter. Wenn man am Abend unterwegs war, war das der Arbeit des Nachtwächters gar nicht so unähnlich.“

Mit den regelmäßigen Führungen hat Wiech zu einer Zeit angefangen, als Nauen noch gar nicht besonders präsentabel war. „Ich sag heute noch zu den Gruppen, schön dass sie erst jetzt gekommen sind und nicht vor 15 Jahren“, sagt Wiech. Viele Häuser und Hinterhöfe in der Altstadt sind inzwischen zu Schmuckstücken geworden. Hinter den Torbögen erwartet den Besucher oft eine abgeschiedene, überraschend grüne Welt. Ohne Stadtführer würden sich die Touristen wahrscheinlich gar nicht in die Höfe wagen, ist ja Privateigentum. Aber Wiech hat von vielen Eigentümer die Erlaubnis, einen kurzen Blick hinter die Häuser zu werfen.

Der Rundgang geht weiter durch die schmale Rosengasse, die Wiech als Kind mit dem Tretroller runtergebrettert ist. Der schmale Durchgang wurde nicht etwa nach den edlen Blumen benannt. Röschen nannte man früher arg beschönigend die Exkremente, die die Menschen einfach aus dem Fenster auf die Straße geworfen haben. In der schmalen Gasse war es wohl besonders arg.

Der Nachtwächter könnte stundenlang weitererzählen, von Partykönig Jürgen Drews, der zufällig in Nauen geboren wurde. Von Harald Juhnke, der in den 90er-Jahren, als die Altstadt noch arg heruntergekommen war, für vier Tage hier gedreht hat.

„Es ist schon wirklich toll, wie sich die Stadt entwickelt hat“, sagt Wolfgang Wiech. Das einzige was noch fehlt, um am Abend etwas mehr Leben in die Stadt zu bringen, sind ein oder zwei Kneipen.

Von Ralf Stork

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