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Havelland Osterspaziergang über den Friedhof
Lokales Havelland Osterspaziergang über den Friedhof
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19:30 28.03.2016
Christa Eißer (links) mit ihrer Gruppe an den zwei so genannten „Zigeunergräbern“. Quelle: Uwe Hoffmann
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Rathenow

„Ursprünglich hatte ich die Führung schon für Karfreitag geplant“, sagt Christa Eißer. „Heute haben wir ja richtig Glück mit dem Wetter.“ Bei 15 Grad und strahlender Sonne war der Karsamstag der erste milde Frühlingstag. So kamen auch ein Dutzend Rathenower zur ersten Führung über den evangelischen Friedhof. „Ich bin als Kind quasi auf dem Friedhof aufgewachsen“, so die Steinmetzmeisterin. „Trotzdem erhalte ich bei Führungen immer wieder Hinweise von Teilnehmern über Grabstellen, die ich gern aufnehme.“ So erfährt man bei jeder Führung immer etwas Neues. Ein Rundgang über den 1732 angelegten und 18 Hektar großen Friedhof mit seinen noch sieben genutzten Abteilungen ist – gerade im Jubiläumsjahr der Stadt – ein besonderer Rundgang durch drei Jahrhunderte Stadtgeschichte.

Begonnen wurde an den Gräbern der Familie Meuß/Schönermarck nahe des Torhauses. Es ist eine der ältesten noch erhaltenen Familiengrabstätte. Sie wurde 1764 angelegt und vor einigen Jahren durch Nachfahren liebevoll restauriert. Insgesamt 140 Ziegeleien in der Umgebung und die optische Industrie brachten Rathenow in den letzten Jahrhunderten Wohlstand. Davon zeugen noch heute erhaltene beeindruckende Grabstätten. Die Optiker-Gräber stehen unter Denkmalschutz. Im „Offiziersbogen“ findet man einige Gräber, der seit 1867 rund 70 Jahre in Rathenow stationierten Zietenhusaren. Auch die Grabsteine einiger Künstler, wie des impressionistischen Malers Ernst Kolbe, und Naturforscher, wie Ernst Dreblow, Mitarbeiter des Feuerlanderkunders Gunther Plüschow, kann man entdecken.

Christa Eißer (rechts) hat bei ihren Friedhofsführungen immer alter Abbildungen dabei Quelle: Uwe Hoffmann

Restaurierung verschiedener Grabsteine

Passend zum Osterfest fand Christa Eißer am Tag vor der Führung ein Gedicht Friedrich Wilhelm Eigendorfs, der 1827 als junger Grundschullehrer nach Rathenow kam. „Kikrikihahn! alter Schreier! / Morgen gibt es Ostereier! / Kannst mit deinen fetten Hennen / Ungestört sein auf den Tennen! / Osterhäschen leget morgen / In den Garten ganz verborgen / Rote, blaue, marmorierte / Und mit Bildern schön verzierte / Zuckersüße Eier / Uns zur Osterfeier.“ Dem Dichter setzten der Steinmetzmeister Gnotte und der Schriftsteller K.G. Hoffmann 1920 einen neuen Grabstein, der durch Spenden restauriert im Jahr 2014 neu aufgestellt wurde.

So konnten in den vergangenen Jahren mehrere historische Grabsteine wieder errichtet werden. Der noch konfessionsoffen genutzte historische Friedhof zeigt auch die Entwicklung der Friedhofskultur. Gerade auf den Urnenflächen sieht man, gerade zu Feiertagen wie Ostern, am eigentlich nicht gestatteten Blumenschmuck, dass die Menschen einen Ort zum Trauern brauchen.

Menschen brauchen Trauerrituale, doch auf den Urnenwiesen ist eigentlich kein Grabschmuck erlaubt. Quelle: Uwe Hoffmann

Weitere Führung im Frühjahr geplant

1933 gründete der 1982 verstorbene Steinmetzmeister Oskar Neils am Friedhofsweg 4 seinen Handwerksbetrieb. Tochter Christa Eißer legte 1959, sieben Jahre nach Ausbildungsbeginn, ihre Meisterprüfung ab und übernahm 1972 den väterlichen Betrieb. Vor elf Jahren gab sie die Leitung der Firma an ihre Söhne Christian und Rolf weiter. Seitdem sich zur Sanierung des 1759 als Friedhofskapelle gebauten Torhauses in Vorbereitung der Landesgartenschau 2006 in Rathenow der Verein der evangelischen Gemeinde gründete, führt Christa Eißer regelmäßig kompetent und mit manch Anekdote Gäste über den Friedhof. „Um alte Grabsteine zu erhalten, können Rathenower mit ihrer Beerdigung die Patenschaft über eine historische Grabstätte übernehmen“, so Christa Eißer. „Das wird auch gut angenommen.“

„So einen schönen Osterspaziergang hatte ich schon lange nicht mehr gemacht“, freute sich eine Teilnehmerin nach der zweistündigen Führung. „Wir haben es bisher nie geschafft, an einer Führung teilzunehmen“, so zwei weitere Rathenowerinnen. „Für heute hatten wir uns es fest vorgenommen. Die Führung war sehr interessant.“ Im Frühjahr ist noch eine weitere Friedhofsführung mit Christa Eißer geplant.

Von Uwe Hoffmann

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