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Paaren ist die prämierte Perle im Glien

MAZ-Serie "Zuhause in..." Paaren ist die prämierte Perle im Glien

Paaren im Glien ist schön. Das haben die Menschen dort sogar schon von offizieller Seite bestätigt bekommen. Dreimal war der Ort bislang Kreissieger beim Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden.“ Und 1995 wurde Paaren gar zum schönsten Dorf in ganz Brandenburg gekürt. Doch der größte Trumpf des 632-Seelen-Ortes ist der riesige Zusammenhalt unter den Bewohnern.

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Sieglinde Bünger (r.) und Nicole Lukacs backen jeden Freitag frisches Brot im Stägehaus.
 

Quelle: Foto: Tanja M. Marotzke

Paaren im Glien.  An den 12. September 2015 denken sie in Paaren im Glien bis heute gern zurück. An diesem Tag wurde dort das Landeserntefest veranstaltet – 20 000 Besucher machten sich vor Ort ein Bild davon, wie schön es in Paaren ist. Der Dorfanger verwandelte sich in eine Festmeile mit Tieren und Traktoren: Im Kinderland wurde getobt und gebastelt, im Pfarrgarten grasten Schafe und Ziegen, und auf dem Technikhof durfte jeder, der wollte, selbst Traktor fahren.

„Das geht ganz sicher in die Geschichte des Dorfes ein“, sagt Erwin Bathe. Er hatte vergangenes Jahr den Ernteumzug organisiert. Früher war er mal Ortsbürgermeister gewesen, noch heute engagiert er sich sehr für Paaren, unter anderem bei den „Freunden des MAFZ“. Der Förderverein hat sich den Erhalt ländlichen Brauchtums auf die Fahnen geschrieben; er betreut unter anderem den Garten im MAFZ-Erlebnispark und die dortige Schaukäserei.

Viele der Mitglieder sind Paarener, aus alter Verbundenheit. Die damals noch eigenständige Gemeinde hatte sich 1994 bewusst gegen ein Industriegebiet und für die Ansiedlung des Märkischen Ausstellungs- und Freizeitzentrums, kurz MAFZ, entschieden. „Das MAFZ ist aus dem Dorf heraus entstanden“, sagt Erwin Bathe. „Es ist eine wunderbare Anlage, aber man könnte noch mehr daraus machen.“ Tatsächlich ist das Gelände außer bei großen Veranstaltungen wie der Brala (Brandenburgische Landwirtschaftsausstellung) oft verwaist.

Als einziger Schönwalder Ortsteil trägt Paaren das Ländchen Glien im Namen. Bereits die Kelten siedelten in der Region. 1992 wurde eine 2100 Jahre alte Goldmünze entdeckt – die älteste in Brandenburg. 1412 wurde Paaren erstmals urkundlich erwähnt, 1678 brannte fast das gesamte Dorf nieder, „außer der Kirche und des heiligen Mannes Haus“ (Pastorhaus). Die heutige Kirche entstand aber erst 1886; sie bildet das Herz des Angers. „Paaren ohne Kirche, das wäre wie ein Gesicht ohne Nase“, meint Pfarrerin Katherina Plume. In den 1980er Jahren waren dort zeitweise die beiden Statuen aus der Sacrower Heilandskirche untergebracht, die im Keller der Kirche im Mauerstreifen zu vermodern drohten. Mittlerweile sind sie nach Sacrow zurückgekehrt, in Paaren blieben Kopien.

Anpacken, wo es nötig ist: Diese Eigenschaft scheint den Menschen in Paaren ohnehin im Blut zu liegen. „Der Zusammenhalt im Ort ist unser größter Trumpf“, sagt Ortsvorsteher André Barkowski (SPD). Das war schon immer so gewesen: Als 1984 Panzer der Nationalen Volksarmee bei einem Manöver die Dorfstraße zerstörten, beteiligten sich die Bewohner nach Feierabend am Wiederaufbau; als 1997 kurz vor der Brala eine Windhose durch den Ort zog, schufteten sie bis in die Nacht, damit sich das Dorf zur Agrarmesse in einem ordentlichen Zustand präsentiert. Im Dezember 2015 spendeten etliche Paarener nach einem Brand in der Hauptstraße, um für die Kinder des zerstörten Hauses Weihnachtsgeschenke zu besorgen. „Das war eine starke Aktion“, so Barkowski.

Umso mehr sehnen sie sich in Paaren nach einem Ort, an dem sich die Dorfgemeinschaft trifft. Schon länger bemüht man sich deshalb um eine Reaktivierung des Dorfkonsums und hat mittlerweile die Agro-Glien GmbH und den Milchhof Paaren als Partner gewonnen. „Im Konsum könnten die Menschen wieder ins Gespräch kommen. Der Laden soll einen regionalen Charakter bekommen“, sagt dessen Geschäftsführer Jan Tempel. André Barkowski ist jedenfalls überzeugt: „Wir schaffen das!“

Auch der „Kegler“ steht aktuell leer. Das Restaurant mit Kegelbahn war 1987 von den Sportlern der SG Paaren in Eigenarbeit errichtet worden und über viele Jahre ein Treffpunkt im Ort gewesen. Aktuell sucht die Gemeinde nach einem neuen Betreiber. Erst vergangene Woche war wieder ein Interessent da, doch zugegriffen hat bislang niemand. „Wir müssen den ,Kegler’ bald wieder in Gang bringen, sonst können wir das Gebäude in ein paar Jahren abreißen“, sagt Erwin Bathe. Derweil bleibt das „Stägehaus“ die einzige Gastronomie im Ort. Das Museumscafé logiert im ältesten Haus des Dorfes, erbaut 1678. Jeden Freitag gibt es dort Brot aus dem Holzbackofen mit frischer Butter aus dem Stampfbutterfass. Als das Café 1998 eröffnete, war der frühere Ortsbürgermeister Bathe noch dagegen gewesen. „Wir hatten damals ganz andere Probleme im Ort“, sagt er. Doch der Pfarrer habe ihn überzeugt, „und heute bin ich sehr froh, dass es das ,Stägehaus’ gibt. Es passt hervorragend in unser Dorfidyll.“

Das haben die Paarener übrigens schon mehrfach von offizieller Seite bestätigt bekommen. Dreimal war der Ort bislang Kreissieger beim Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden.“ Und 1995 wurde Paaren gar zum schönsten Dorf in ganz Brandenburg gekürt.

Von Philip Häfner

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