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Panzer rollen durch Brandenburg

Anwohner am frühen Morgen aus dem Schlaf gerissen Panzer rollen durch Brandenburg

Ein ohrenbetäubender Lärm, ein undefinierbares Grollen, die Erde bebt und dann sind sie da: Schwere Panzerfahrzeuge der Bundeswehr rollen am frühen Freitagmorgen durch Lietzow, Berge und Ribbeck in Richtung Friesack im Havelland. Bei der letzten derartigen Aktion hinterließ die Bundeswehr eine Spur der Verwüstung.

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Panzer rollen durch Lietzow.

Quelle: Christian Pörschmann

Nauen. Am frühen Freitagmorgen um kurz vor 6 Uhr wurden die Anwohner in Nauen, Ortsteil Lietzow, unliebsam aus dem Schlaf gerissen. Die Erde bebte und ein lautes Dröhnen und Brummen beendete abrupt die Nachtruhe. „Erst dachte ich, da kommen Mähdrescher durchgefahren. Aber dann sahen die Fahrzeuge doch etwas anders aus“, sagte einer Anwohner der Hamburger Straße.

Bis zum Nachmittag rollten mehr als 100 Fahrzeuge, darunter diverse Leopard-Panzer, durchs Havelland. Sie sind im Rahmen einer Übung der Bundeswehr von Beelitz in Richtung eines Bundeswehr-Übungsplatzes in Sachsen-Anhalt unterwegs. Insgesamt werden bis Sonnabend 14 Uhr etwa 180 Militärfahrzeuge die Orte Lietzow, Berge, Ribbeck, Selbelang, Pessin und Friesack im Osthavelland sowie durch Kleßen, Hohennauen und Rhinow im Westhavelland passieren.

Anwohner an der Strecke müssen aufgrund des Manövers mit einem höheren Lärmpegel rechnen.

Eine erste grobe Schadensbilanz lag am Freitagmittag bei Frank Schmidt von Landesbetrieb Straßenwesen vor. „Offenbar haben die Panzer das Osthavelland mehr verschont als das Westhavelland. Unsere Straßenmeister erfassen alles, was an den Straßen, Borden und Mittelinseln kaputt gefahren wurde und gleichen das mit dem Schadensbericht der Bundeswehr ab.“ Das Prozedere läuft ähnlich ab, wie beim dem Manöver im November vergangenen Jahres. Die Kosten übernimmt die Bundeswehr, aber “wir haben den Ärger und die Arbeit“, so Frank Schmidt.

 

Spur der Verwüstung im November 2014

Mitte November 2014 hatte ein ähnliches Manöver, ein sogenannter Verlegungsmarsch, mit den tonnenschweren Panzern (Typ Leopard II mit je rund 60 Tonnen Gewicht) eine Spur der Verwüstung hinterlassen. gegeben.

Laut Innenministerium verursachte die Bundeswehr damals Schäden an den Fahrbahnrändern und Mittelinseln der Bundes- und Landesstraßen L 88, L 96, B 188, B 5 und B 115. Betroffen seien die Ortsdurchfahrten-Heilstätten, Steckelsdorf, Lietzow, Berge und Döbern. Zudem sei auf der A10 zwischen dem Autobahndreieck Potsdam und der Raststätte Michendorf Süd der neu eingebrachte Fugenverguss auf einer Länge von über zwei Kilometern herausgefahren. Kostenpunkt: rund 100.000 Euro.

Nauens Bürgermeister Detlef Fleischmann lagen bis zum Freitagmittag folgende Schäden vor: „Die Mittelinseln sind wohl in Ordnung. Aber in Lietzow wurden 64 Straßenborde zerstört, in Berge 15 und in Ribbeck 14.“ Von der Stadtverwaltung Nauen sei jemand zur Kontrolle rausgefahren, weil „die Kommune für die Gehwege verantwortlich ist und wir diese Schäden aufnehmen müssen, um das Geld für die Reparaturen zu bekommen“, sagte der Bürgermeister.

Etwas entspannter gab sich Friesacks Amtsdirektor Christian Pust. Die Panzer sind zwar auf der B 5 bis Friesack reingefahren und dann in Richtung Kleßen abgebogen, haben aber an den Kreisverkehren nicht viel kaputt gemacht. „Wer mit solchen großen Kisten bei so engen Inseln und Kreisverkehren so wenig Schäden hinterlässt, hat eigentlich Respekt und nicht Kritik verdient.“

Wesentlich schlimmer sieht es im Westhavelland aus. Zertrümmerte Bordsteine und herausgerissene Pflastersteine säumten den Weg der Kolonne. Selbst auf gerader Strecke rissen die Kettenfahrzeuge Asphaltteile aus der Oberfläche. Karsten Ziehm, Leiter der Rathenower Straßenmeisterei, war regelrecht entsetzt, als er am Vormittag die Bilanz einer ersten Inspektionsfahrt zog – da hatte gerade mal ein Drittel der Militärfahrzeuge die Strecke passiert. „Es gibt kaum eine Verkehrsinsel auf der Strecke, die nicht erheblich beschädigt worden ist“, sagte er. Besonders in Mitleidenschaft gezogen worden seien die Anlagen in Hohennauen und Rhinow, so Ziehm. Allein den Schaden an der Verkehrsinsel am nördlichen Ortseingang von Rhinow bezifferte Ziehm mit gut 10.000 Euro. Besonders ärgerlich: Die Anlage ist noch nicht einmal ein halbes Jahr alt.

Im Vorfeld der Übung hatte Ziehm die Verantwortlichen der Bundeswehr inständig gebeten, von der gewählten Route Abstand zu nehmen – ohne Erfolg. „Den Mitarbeitern der Straßenmeisterei war klar, dass die Panzer die Engstellen nicht schadlos passieren können“, sagte er. Und auch die Bundeswehr sei nicht naiv. Aber offenbar seien Beschädigungen bei einer solchen Übung einkalkuliert.

Von Jens Wegener, Markus Kniebeler

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