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Paradies für Eisenbahnfreunde

Großes Fest in Elstal Paradies für Eisenbahnfreunde

Mehr als 2000 Besucher zählte das 14. Eisenbahnfest, das der Verein Historia Elstal am Sonntag ausrichtete. Dabei bestand Gelegenheit, den Führerstand einer Elektro-Lok zu besichtigen, sich das alte Stellwerk anzusehen oder den Modellbahnfreunden über die Schulter zu schauen. Wegen Waldbrandgefahr durfte die angekündigte Dampflok nicht kommen.

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Schlange stehen zur Besichtigung des Führerstandes der Drehstromlok.

Quelle: Wolfgang Balzer

Elstal. „Etwa 2500 Eisenbahnfreunde, darunter viele Familien mit Kindern, haben unser 14. Eisenbahnfest besucht“, bilanzierte Ingrid Schönefeld am Sonntag. Die Vorsitzende des veranstaltenden Vereins Historia Elstal ist recht zufrieden. Weniger zufrieden war Ortsvorsteher Matthias Kunze. Am Vortag wurde er informiert, dass die Dampflok der Baureihe 35 aus Cottbus nicht wie geplant zur Festeröffnung auf dem Bahnhof einfahren darf – wegen Waldbrandgefahr.

Schade, meinte auch Holger Schwering und setzte Söhnchen Paul ersatzweise auf den großen Sitz einer E-Lok, der sonst dem Lokführer vorbehalten ist. Er war mit seiner Gattin und den drei Kindern hauptsächlich wegen einer Fahrt mit dem fauchenden Ungetüm zum Fest gekommen. Paul fand die vielen Hebel und Knöpfe spannend und staunte, als dann auch noch eine Stimme Anweisungen gab. Die Baureihe 145, als eine der ersten Drehstromloks mit gut 4000 KW in den neunziger Jahren gebaut, ist noch immer zuverlässig auf dem Schienennetz unterwegs, erläuterte Thomas Fischer geduldig an seinem Arbeitsplatz. Ab 1980 lernte er in Wustermark zwei Jahre lang Lokführer.

Unterdessen riss der Besucherstrom zum Stellwerk RsIV nicht ab. In der oberen Etage war das Reich von Monika Rogge. Von 1989 bis 2001 hat sie hier die Knöpfe gedrückt. Am Sonntag stellte Finn (10) von der Parkeisenbahn Wuhlheide die Signale im inzwischen nicht mehr genutzten Stellwerk. „Im 24 Stunden-Betrieb wurden damals die Loks zur Drehscheibe dirigiert und täglich 50 bis 60 Züge getrennt, neu zusammengefügt und zum neuen Zielbahnhof geschickt, erzählte Monika Rogge den Besuchern und merkte an, dass Elstal vor dem Zweiten Weltkrieg der größte Rangierbahnhof Deutschlands gewesen sei. Er war um 1909 speziell für die Versorgung Berlins gebaut worden.

2008 schien das Schicksal des Bahnhofs besiegelt zu sein. Er sollte stillgelegt und abgebaut werden, erzählte Winfried Bauer, Geschäftsführer des Rail & Logistik Center Wustermark, ein Tochterunternehmen der Havelländischen Eisenbahn (HVLE). 2008 kaufte die HVLE die rund 22 Hektar Bahnanlagen. Mit 3,5 Millionen Euro versetzte sie die gesamte Anlage in den früheren Zustand und vermarktet heute 70 Gleise mit 31 Kilometer Gleisanlage. „So stehen wir heute auf dem größten privat geführten Bahnhof für den Güterverkehr in Deutschland.“

In einem viel zu kleinen Raum des Stellwerks zeigte der Elstaler Bastian Schulze in schmucker Uniform der Deutschen Reichsbahn der ehemaligen DDR seine unübersehbare Anzahl originaler aber inzwischen historischer Stellwerkstechnik. „Ich war nie bei der Eisenbahn“, lachte Schulze, der seit seiner frühesten Jugend Eisenbahnutensilien sammelt. „Man kann dann nicht mehr aufhören“, scherzte er. Allein 60 verschiedene Signallaternen nennt er sein eigen, die ersten mit Petroleum, später mit Gas und dann elektrisch betrieben. Weil immer was Neues dazu kommt, zeigte er am Sonntag stolz eine Sammlung bei der Bahn genutzter Telefone.

Im ehemaligen Bahnhofsgebäude standen Groß und Klein vor der Modelleisenbahn des Rathenower Vereins. Wolfgang Römer, seit 50 Jahren Modelleisenbahner, betreute die Anlage mit rund 40 Meter Gleisen. Etwas größer die Anlage nebenan. Dort stellte gerade Henri (3) aus Tremmen die Weichen. „Eisenbahnverrückt“, scherzte Papa Sebastian Paasch. Am liebsten wolle der Junior Lokführer werden: auf dem ICE, in der U- und auch bei der Straßenbahn.

Von Wolfang Balzer

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