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Pediküre für edle Rösser

Dallgow-Döberitz Pediküre für edle Rösser

Pavel Sinka aus Dallgow-Döberitz ist Hufschmied und in einer Pferderegion wie dem Havelland sehr gefragt. Das alte Handwerk fasziniert die Menschen nach wie vor. Allerdings wollen immer wenige junge Leute den Beruf erlernen – ein hausgemachtes Problem.

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Die Hufeisen werden vor dem Beschlag auf bis zu 1300 Grad erhitzt.

Quelle: Philip Häfner

Dallgow-Döberitz. Die eine Frage kommt immer: Tut das den Pferden nicht weh? Vor allem Kinder seien sehr besorgt um die Gesundheit der Tiere, wenn sie ihm bei der Arbeit zuschauten, erzählt Pavel Sinka. Doch er kann sie beruhigen: „Das einzige, was manchmal schmerzt, ist mein Rücken, sonst gar nichts.“

Pavel Sinka ist Hufschmied. Sein Job: Pediküre fürs Pferd. Was beim Menschen mit Knipser und Nagelfeile erledigt wird, passiert bei den Vierbeinern mit Hufzange und Raspel. Es ist ein traditionsreicher Beruf, der jedoch in einer Pferderegion wie dem Havelland nach wie vor sehr gefragt ist. „Allein bei uns im Ort gibt es sechs Hufschmiede“, sagt Sinka. Der 44-Jährige lebt in Dallgow-Döberitz, reist für seine Arbeit aber durch ganz Westbrandenburg. „Früher gingen die Leute mit den Pferden zum örtlichen Hufschmied. Heute kommt der Schmied zu den Pferden“, sagt er.

Im Sieben-Wochen-Rhythmus besucht Sinka die Höfe, um die Tiere neu zu beschlagen. Nicht, weil die Hufeisen schon abgenutzt wären. Sondern, weil der Huf darunter in der Zwischenzeit zu lang gewachsen ist und drückt, „wie ein Schuh, der nicht richtig passt.“ An diesem Tag ist Pavel Sinka beim Jagdhaus Paaren zu Besuch. Im Stall steht Landiamo, ein prächtiges Turnierpferd. Sinka beginnt mit den Vorderbeinen. Als der Schmied das heiße Eisen auf den Hufen drückt, streckt Landiamo bloß neugierig den Kopf vor und schnuppert, bleibt ansonsten aber ganz ruhig. „Das Tier merkt davon fast nichts. Horn ist ein schlechter Wärmeleiter“, erklärt Pavel Sinka. Die meisten Pferde seien so gelassen, „und wenn nicht, dann liegt das eher am Besitzer.“ Anders war es, als er bei der Sielmann-Stiftung in der Döberitzer Heide einmal ein Przewalski-Pferd beschlagen musste, ein Wildpferd. Ohne vorherige Betäubung durch den Tierarzt war dort nichts zu machen.

Mit Pferden groß geworden

Pavel Sinka hat selbst auch Pferde, seine Frau besitzt im Berliner Grunewald eine Reitschule. Die Faszination an den Tieren wurde ihm sozusagen in die Wiege gelegt. Schon sein Vater, der Ende der Sechzigerjahre als Gastarbeiter aus dem ehemaligen Jugoslawien nach Berlin gekommen war, hatte als Hufschmied gearbeitet, zunächst in der Trabrennbahn Mariendorf, später selbstständig. Pavel Sinka war 15 Jahre alt, als er sein erstes Pferd beschlug. „Es ist ein schöner Beruf“, sagt er. Und einer, der die Menschen fasziniert: Als der Dallgower einmal auf dem Schulfest seiner Tochter auftrat, um sein Handwerk vorzuführen, da musste er 300 Hufeisen schmieden, bis auch wirklich jeder mit seinem eigenen Exemplar nach Hause gehen konnte.

Auch bei Reitturnieren ist Sinka ein gern gesehener Gast, denn ohne die Anwesenheit eines Hufschmieds und eines Tierarzt dürfte die Veranstaltung gar nicht stattfinden. „Ein wenig Gefühl für Pferde braucht es schon“, sagt der 44-Jährige über seinen Job. Nur so könne man erkennen, ob alles in Ordnung ist oder das Tier womöglich unter Stress steht – was für alle Beteiligten gefährlich werden könnte. Pavel Sinka hat bislang Glück gehabt, nur äußerst selten bekommt er von einem Pferd eine gewischt. Dafür wurde er schon einmal von einem Tier an die Wand gedrückt, bis er keine Luft mehr bekam. Gelegentlich äppele ein Pferd auch, wenn er gerade dahinter steht, doch auch das sei nicht schlimm, meint Sinka: „Beim Menschen stinkt es mehr.“

Ausbildung dauert sechs Jahre

Anderthalb bis zwei Stunden braucht Sinka , um ein Pferd neu zu beschlagen. Stets bearbeitet er alle vier Hufen auf einmal, denn: „Bei einem Auto wechselt man ja auch nicht bloß einen Reifen.“ Die nötige Ausrüstung hat er in seinem eigens umgebauten Transporter immer dabei: einen Ambos, Schleifbock, Bohrmaschine und ein bis zu 1300 Grad heißer mobiler Ofen, der die Hufeisen binnen weniger Minuten zum Glühen bringt.

Pavel Sinka brennt für seinen Beruf. „Es ist eine Leidenschaft“, sagt er. Doch so wie er denken immer weniger: Den Hufschmieden in Brandenburg fehlt es an Nachwuchs, was auch an der komplizierten Ausbildung liegt. Sie dauert knapp sechs Jahre und damit fast doppelt so lang wie andere Ausbildungen – das schreckt ab. Interessenten müssen zunächst eine andere Lehre absolvieren, meist Metallbauer oder Pferdewirt, und danach zwei Jahre bei einem Schmied mitfahren, erst dann können sie sich zur Prüfung anmelden. Der Lehrgang dauert noch einmal vier Monate – nach erfolgreichem Bestehen darf man sich staatlich geprüfter Hufschmied nennen.

„Es müsste zu einem ganz normalen Lehrberuf werden, dessen Ausbildung nicht so lange dauert“, meint Pavel Sinka. Landiamo schnaubt zustimmend. Schließlich will er auch in Zukunft nicht auf seine Pediküre verzichten.

Von Philip Häfner

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