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Perwenitz ist das Dorf der Zwerge und Riesen

MAZ-Serie „Zuhause in...“ Perwenitz ist das Dorf der Zwerge und Riesen

Für Ortsvorsteher Jörg Meyer ist klar: „Perwenitz ist die erste und die schönste Ansiedlung im Glien.“ Schon 1248 wurde das Dorf erwähnt, früher als andere Schönwalder Ortsteile. Mit 474 Einwohnern ist Perwenitz zugleich eines der kleinsten Dörfer der Gemeinde. Übersehen kann man den Ort aber nicht, dafür sorgt der Fernsehturm, mit 135 Metern das höchste Gebäude im Kreis.

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Vor dieser Kulisse macht das Tanzen doppelt Spaß: Kita-Kinder spielen neben dem Gutshaus, im Hintergrund die Kirche.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Perwenitz. Nein, es war wirklich keine Liebe auf den ersten Blick. Als Elvira Breuer-Solbach Anfang der Neunzigerjahre zum ersten Mal nach Perwenitz kam, an einem trüben November-Nachmittag, da war sie zunächst nicht sonderlich beeindruckt. „Es war ziemlich grau, überall gab es Schlaglöcher“, erinnert sich die gebürtige Rheinländerin, die mittlerweile im Ortsbeirat sitzt. Zugleich aber spürte sie einen starken Zusammenhalt unter den Bewohnern, der Perwenitz bis heute auszeichnet. „Alle waren bemüht etwas zu verändern. Es herrschte regelrechte Aufbruchstimmung“, sagt sie.

Gemeinsam packten die Perwenitzer mit an und schufen binnen weniger Jahre einen Ort, der sich inzwischen sehen lassen kann. Für Ortsvorsteher Jörg Meyer (SPD) ist die Sache deshalb eindeutig: „Perwenitz ist die erste und die schönste Ansiedlung im Glien.“

1248 wurde das Dorf erstmals erwähnt, früher als alle anderen Schönwalder Ortsteile. Mit 474 Einwohnern ist Perwenitz zugleich eines der kleinsten Dörfer in der Gemeinde – nur in Grünefeld leben noch weniger Menschen.

Übersehen kann man Perwenitz trotzdem nicht, dafür sorgt schon allein der Fernsehturm, mit 135 Metern das höchste Gebäude im Landkreis Havelland. Zum Wahrzeichen wurde der Turm nie – das sind bis heute eher die Kirche oder das Gutshaus. Doch missen möchten sie den Riesen auch nicht mehr. „Wenn ich ihn sehe, dann weiß ich, dass ich zuhause bin“, sagt Jörg Meyer. Als vor ein paar Jahren eine Gruppe angehender Landschaftsarchitekten Perwenitz besuchte, um dessen Eigenheiten zu erforschen, da wählten die Studenten aus Hannover den Fernsehturm sogar als Motiv für ein neues Logo für das Dorf aus. „Es ist eine Landmarke“, sagt Doris Düring, die Ortschronistin.

1959 war der Turm eröffnet worden, um das Fernsehprogramm der DDR auszustrahlen. Mittlerweile geht über die Antenne nur noch der Mobilfunk, Betreiber ist die Telekom. Der Turm ist nicht öffentlich zugänglich, doch zu bestimmten Anlässen wird er ausnahmsweise geöffnet.

Viele der Turmbauleute blieben im Ort, auch Bauleiter Siegfried Jeschke. Er verliebte sich in eine Perwenitzerin und wurde sesshaft. Es war nicht das erste Mal, dass der Ort einen Bevölkerungszuwachs durch Zuzug von außerhalb erlebte. Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden dort hunderte Flüchtlinge aus Ostpreußen eine neue Heimat. Bis heute würden Neuankömmlinge im Dorf offen aufgenommen, sagt Elvira Breuer-Solbach, die selbst zugezogen ist. Dafür sorgen die Vereine im Ort, wie die Feuerwehr, die in diesem Jahr ihr 105-jähriges Bestehen feiert, die Volkssolidarität oder der örtliche Sportverein. „Es gibt vielleicht nicht jedes Wochenende ein Fest, aber wenn es darauf ankommt, stehen die Perwenitzer zusammen“, meint Ortsvorsteher Meyer. Beim Landeserntefest vergangenes Jahr in Paaren etwa stellte das Dorf allein zwölf Erntewagen für den Umzug. Zu Weihnachten 2015 wurde erstmals kollektiv ein Weihnachtsbaum am Anger aufgestellt.

Natürlich ist auch in Perwenitz nicht alles rosig. Es fehlt an Wohnraum, auch die Verkehrsanbindung könnte besser sein. „Ein Ausflug nach Berlin ist eine Tagesaufgabe“, sagt Doris Düring. Gerne hätten sie im Ort auch wieder eine Gaststätte oder einen kleinen Supermarkt, doch außer einem Blumenladen ist nicht mehr viel geblieben. „Wir haben unsere Geschäfte leider in der Vergangenheit etwas vernachlässigt“, meint Matthias Hecht, der ebenfalls im Ortsbeirat sitzt.

Dafür sind sie im Ort sehr glücklich darüber, dass eine der beiden Schönwalder Grundschulen in Perwenitz angesiedelt ist. „Das bringt Leben ins Dorf“, sagt Doris Düring. Auch das Gewerbegebiet will inzwischen niemand mehr missen. „Wir hatten im Ort früher hauptsächlich landwirtschaftliche Betriebe. Nach der Wende war absehbar, dass viele von ihnen dicht machen müssen“, sagt Jörg Meyer. Stattdessen bieten nun Coca-Cola und das Fleischwerk Beschäftigung. „Zeitweise gab es in Perwenitz mehr Arbeitsplätze als Einwohner“, so Meyer.

Das Zentrum des Orts aber bildet das Gutshaus. Das alte war 1975 abgerissen worden, wie überhaupt große Teile der Anlage nicht mehr existieren. Das jetzige Gebäude stammt aus dem Jahr 1935, gebaut wurde es von Fritz Harney, dem auch die Zuckerfabrik in Nauen gehörte. Später zog dort die Schule ein. Heute befinden sich dort der Jugendklub, der Gemeinderaum, die Bibliothek und die Kita „Schloss Fröhlichhausen“ mit ihrem weitläufigen Gartengelände. „Schöner kann man Kinder nicht unterbringen“, findet Jörg Meyer.

Einige Räume des Hauses stehen allerdings zurzeit leer, weshalb überlegt wird, wie die Nutzung optimiert werden kann. Zeitweise war sogar über einen Verkauf des Gebäudes nachgedacht worden, „aber das kommt für die Perwenitzer überhaupt nicht in Frage“, sagt Jörg Meyer: „Das Gutshaus ist das Herz der Gemeinde.“

Von Philip Häfner

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