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Pfarrer sind zur Homo-Ehe zwiegespalten

Kirche im Havelland Pfarrer sind zur Homo-Ehe zwiegespalten

Homosexuelle Paare im können sich ab Juli 2016 auch kirchlich trauen lassen. Das hat die Synode der evangelischen Landeskirche kürzlich mit großer Mehrheit entschieden. Wir haben uns exemplarisch bei den Pfarrern umgehört, was sie von der Entscheidung halten – und erfahren, dass die Meinungen darüber auseinander gehen.

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Hochzeiten mit zwei Bräuten: Im Havelland bald auch mit kirchlichem Segen.

Quelle: imago stock&people

Havelland. Homosexuelle Paare können sich ab dem 1. Juli 2016 auch kirchlich trauen lassen. Das hat die Synode der evangelischen Landeskirche kürzlich mit großer Mehrheit entschieden. Im Havelland gehen die Meinungen darüber auseinander. „Ich finde das absolut richtig“, sagt die Wustermarker Pfarrerin Heike Benzin, die als Mitglied der Landessynode selbst mit abgestimmt hatte.

Aus ihrer Sicht ändert sich ohnehin nicht allzu viel. Schon jetzt können sich schwule und lesbische Paare anlässlich ihrer Eheschließung in Form einer Andacht oder eines Gottesdienstes segnen lassen, im Unterschied zu einer Trauung heterosexueller Paare allerdings ohne Ringwechsel und Eintragung ins Kirchenbuch. Eine ähnliche Regelung wird auch bei heterosexuellen Paaren praktiziert, wenn einer der beiden nicht in der Kirche ist. „Künftig sind homosexuelle Paare nun auch liturgisch vollständig gleichgestellt“, erklärt Pfarrerin Heike Benzin.

In der „Gesellschaft ist Homosexualität längst akzeptiert“

„Das sind dann vor allem Unterschiede in der Formulierung“, sagt ihre Kollegin Katharina Plume vom Pfarrsprengel Paaren im Glien. Auch sie begrüßt die Entscheidung der Landeskirche. „Die Kirche kann sich nicht erlauben außerhalb der Gesellschaft zu stehen“, sagt sie – und dort sei Homosexualität eben längst akzeptiert. „ Wenn sich zwei Menschen gefunden haben, müssen wir sie darin unterstützen, auch wenn sie schwul oder lesbisch sind. Die Hauptsache ist doch, dass sie glücklich miteinander sind.“

Die Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz ist nach Hessen-Nassau und dem Rheinland die dritte der bundesweit 20 EKD-Mitgliedskirchen, die eine solche Gleichstellung mit klassischen Ehepaaren zulässt. Voraussetzung für eine kirchliche Trauung ist jedoch, dass das Paar auf staatlicher Seite schon eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingegangen ist. Dies ist in Deutschland seit August 2001 möglich.

Konservative Pfarrer sehen Ehe gefährdet

Mit ihrer Entscheidung gehe die evangelische Landeskirche mit der Zeit, so Heike Benzin. Homosexualität gebe es auch innerhalb der Kirche, sagt sie; einige Pfarrer würden sogar mit ihrem Partner zusammen im Pfarrhaus leben. Heike Benzin weiß aber auch von einigen konservativen Kollegen, die darin die Ehe gefährdet sehen.

„Für mich hat die Ehe zwischen Mann und Frau immer noch eine besondere Qualität, weil nur diese Ehe zur Fortpflanzung fähig ist“, sagt Bernhard Schmidt, der Vorsitzende der kollegialen Leitung des Kirchenkreises Falkensee. Die Kirche trage auch eine Verantwortung für die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland. Schmidt begrüßte es jedoch, dass homosexuelle Paare auch verlässlich zusammen leben wollen.

„Ich hätte auch damit leben können, wenn alles so bleibt, wie es ist“, sagt Superintendent Thomas Tutzschke vom Kirchenkreis Nauen-Rathenow, der zugleich betont, er stehe hinter der Entscheidung der Landeskirche.

Pfarrer dürfen Trauung in Einzelfällen ablehnen

In begründeten Einzelfällen dürfen Pfarrer auch künftig die Trauung homosexueller Paare ablehnen. In solchen Situation wird dann eine andere Kirche gesucht, in der die Zeremonie möglich ist. Allzu häufig wird das wohl nicht passieren, denn gleichgeschlechtliche Paare haben sich im Havelland auch bisher nur sehr selten segnen lassen. „Ich hatte in 17 Jahren nur ein einziges homosexuelles Paar“, sagt Heike Benzin.

Von Philip Häfner

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