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Pfeilwerfer nehmen die 180 ins Visier

Rathenow Pfeilwerfer nehmen die 180 ins Visier

Der Dartsport ist in den vergangenen Jahren immer populärer geworden. Auch an Rathenow ist dieser Trend nicht spurlos vorbeigegangen. Seit dem April 2016 trainieren Fans des Pfeilwerfens in einem eigenen Raum in der Schleusenstraße gleich neben der Stadtbibliothek.

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Martin Skowronek (li.) und André Neidt haben den Dartsport in Rathenow salonfähig gemacht

Quelle: Kniebeler, Markus

Rathenow. Wer vor zehn Jahren für Darts schwärmte, der wurde in der Regel verständnislos angeblickt. Das Werfen mit den kleinen Pfeilen auf eine in Zahlen-Sektoren unterteilte Scheibe war alles andere als eine ernst zu nehmende Freizeitbeschäftigung. Und von professionellem Sport so weit entfernt wie das Dreiradfahren von der Tour de France.

Die Zeiten haben sich geändert. Darts erfreut sich stetig wachsender Beliebtheit. Die Fernsehübertragungen der Darts-WM, die alljährlich im Londoner Alexandra Palace, kurz Ally Pally, stattfindet, erzielen Rekord-Einschaltquoten. Echte Fans kommen zwischen den Jahren aus dem Fernsehsessel kaum noch hoch, weil sie keines der Präzisionsduelle mit den Wurfpfeilen verpassen wollen.

Auch der Rathenower André Neidt wurde Ende 2015 vom Darts-Virus infiziert. Hockte bis weit in die Nacht vor der Glotze und war fasziniert von der Genauigkeit, mit der die Stars die Pfeile in nur wenige Zentimeter kleine Felder warfen. Irgendwann war ihm das Zuschauen nicht mehr genug. Neidt kaufte sich Pfeile und eine Scheibe und hängte die in seinem Wohnzimmer auf. Von diesem Zeitpunkt an war es vorbei mit den ruhigen Abenden im eigenen Zuhause. Jeden Tag kamen Freunde vorbei, um sich im Pfeilewerfen zu messen.

Und weil die Begeisterung wuchs, hatte Neidt die Idee, aus dem Wohnzimmerspaß etwas Größeres zu machen. Ein eigener Trainingsraum sollte her, und als er Martin Skowronek, seinem Arbeitskollegen beim Kreissportbund, von den Plänen erzählte, wurde die Idee konkret. Beim Basketballverein Red Eagles, dessen Vize-Vorsitzender Skowronek ist, richtet man eine eigene Darts-Abteilung ein: Seit dem 1. April 2016 gibt es die Red Eagles Darts.

In dem großen Raum neben der Stadtbibliothek, in dem einst die Künstler des offenen Ateliers ihr Domizil hatten und den die Stadt den Dartssportlern zu guten Konditionen überlässt, hängen seitdem sechs Wettkampfscheiben. An zwei Abenden in der Woche wird hier trainiert. Zwölf Mitglieder hat der Verein. Neugierige, die mal ausprobieren wollen, was es mit der Pfeilwerferei auf sich hat, sind herzlich willkommen.

Volle Konzentration

Volle Konzentration: André Neidt beim Werfen auf die Scheibe.

Quelle: Kniebeler, Markus

Wer die WM-Übertragungen aus London verfolgt, der könnte den Eindruck gewinnen, dass Darts und Party zusammengehören. Doch der Eindruck täuscht. Während das Publikum singt und grölt und säuft, sind die Spieler hochkonzentriert. Die Zeiten, als die Teilnehmer nach einem Turnier von der Bühne wankten, sind längst vorbei. „Darts ist ein extremer Konzentrationssport“, sagt André Neidt. Da müsse man einen kühlen Kopf bewahren. Es sei nicht verboten, beim Training ein Bier zu trinken. Aber damit sei es auch gut. In Sauferei soll das Ganze jedenfalls nicht ausarten.

Das ist einer der Unterschiede zwischen Steel-Darts und E-Darts. Beim in Rathenow praktizierten Steel-Darts wird mit stählernen Pfeilen auf eine Sisalscheibe geworfen. Beim E-Darts hingegen sind es ausschließlich Kunststoffpfeile, mit denen auf eine elektronische Scheibe gezielt wird, die den Wert automatisch berechnet. Weil die Automaten oft in Gaststätten stehen, hält sich beim E-Darts das Image vom Kneipensport. Obwohl die E-Darts-Cracks längst genauso konzentriert und nüchtern zu Werke gehen wie die Steel-Darts-Puristen, die nach jedem Wurf im Kopf ausrechnen müssen, wie viele Punkte sie erzielt haben – und welche Felder sie anwerfen müssen, um das Spiel zu beenden.

André Neidt ist von dem Sport noch genauso fasziniert wie am ersten Tag. „Das Schöne ist, dass jeder gegen jeden antreten kann“, sagt er. Weder Alter noch Athletik seien entscheidend. Was zähle, sei die Fähigkeit, sich zu konzentrieren. Natürlich müsse man, um besser zu werden, daran arbeiten, die Bewegungsabläufe zu automatisieren.

„Aber man verbessert sich schnell“, sagt er. Am Anfang komme es schon mal vor, dass man einen Pfeil neben die Scheibe setze. Um so größer sei die Freude, wenn man nach ein paar Übungsstunden den Dartspfeil in jene schmalen Ringfelder dirigieren könne, in denen der Zahlenwert sich verdoppelt oder verdreifacht.

Zwei bis drei Mal im Jahr veranstalten die Red Eagles ein offenes Turnier, an dem jeder teilnehmen kann. Wie in London haben die Rathenower Dartsspieler das Haupt-Turnier in die ruhige Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr gelegt.

Die 36 Teilnehmerplätze waren im vergangenen Jahr im Nu vergeben. Und weil zur selben Zeit die Profis in London ihren Weltmeister ermittelten, konnte man das Geschehen gemeinsam am Fernseher verfolgen, der im Turnierraum in der Schleusenstraße aufgestellt war. Die meisten aber konzentrierten sich auf die eigenen Würfe. Und freuten sich über jeden gelungenen Treffer – wie die Profis.

Trainingsraum in der Schleusenstraße

Die Dart-Abteilung des Vereins Red Eagles hat einen eigenen Trainingsraum in der Schleusenstraße, gleich neben der Stadtbibliothek.

Trainiert wird montags und donnerstags von 19 bis 22 Uhr. Noch gibt es keinen professionellen Trainer, aber die erfahrenen Spieler können jede Menge Tipps geben.

Der Mitgliedsbeitrag beträgt 10 Euro pro Monat, Jugendliche zahlen 5 Euro.

Gäste, die mal in den Dartsport hineinschnuppern wollen, können für 3 Euro eine Tageskarte erwerben. Eine Zehnekarte gibt es für 25 Euro.

Kontakt: Red Eagles, Lars Gottschalk, 0176/99 99 89 65.

Von Markus Kniebeler

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