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Pferdepension im Niemandsland

Alt Brieselang Pferdepension im Niemandsland

40 Pferde und Ponys versorgt Nicole Hofmann auf ihrem Hof in Alt Brieselang. Schon ihr ganzes Leben fühlt sich die 32-Jährige, die den Familienbetrieb 2007 übernommen hat, als Falkenseerin. Hier ist sie gemeldet, hier zahlt sie ihre Steuern und geht wählen. Auch ihr Betrieb ist in Falkensee angemeldet. Damit könnte es jedoch schon bald vorbei sein.

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Nicole Hofmann wird von King Frost Olena und Shana umringt.

Quelle: Laura Sander

Alt Brieselang. Sanft stupst King Frost Olena Besitzerin Nicole Hofmann in die Seite. Als Antwort erhält das wenige Wochen alte Fohlen eine ausgiebige Streicheleinheit. Aufgeregt wuselt auch Shawna dazwischen und fordert die Aufmerksamkeit der 32-Jährigen ein. Geronimo – der Dritte im Bunde – hingegen wälzt sich faul auf der Wiese und zeigt sich völlig unbeeindruckt vom menschlichen Besuch. „Es ist so schön Fohlen auf dem Hof zu haben. Ich hätte am liebsten noch viel mehr“, lacht Hofmann und klopft Shana liebevoll den Rücken.

Ehemalige LPG

Das ehemalige LPG-Gelände in Alt Brieselang auf dem die drei Fohlen, ihre Mütter, sowie über 30 weitere Ponys und Pferde stehen, betreibt Hofmanns Familie bereits seit vier Generationen. „Früher wurden hier Nutztiere gehalten und ein kleines Stück Land beackert. Nach der Wende hat mein Vater die ersten Pferde angeschafft – zwei Haflinger.“ Und da mit der Wende auch viele Pferdebesitzer nach Falkensee und Umgebung kamen, eröffnete auf dem Hofmann’schen Hof schon bald die erste Pferdepension in Alt Brieselang. „Es begann alles mit der Anfrage einer kleinen Familie, ihr Pony bei uns unterzustellen. Mein Vater erkannte den Bedarf an Stellplätzen“, so Hofmann, die schon als Kleinkind das erste Mal auf dem Rücken eines Pferdes gesessen hat. „Ich durfte jedoch nie ein eigenes Pferd haben. Mein Vater meinte immer, es seien ja genug da“, lacht die 32-Jährige. Heute besitzt die gelernte Buchbinderin gleich elf der majestätischen Tiere. Das erste kaufte sie sich 2007 mit der Übernahme des elterlichen Hofes.

Tag der offenen Tür

Seither kümmert sich Nicole Hofmann um die Versorgung der Tiere, mistet täglich Boxen aus und steht mit den Einstellern in Kontakt. Die kommen aus Berlin, Falkensee, Nauen oder Dallgow.„Wir haben hier immer Tag der offenen Tür. Jeder kann sein Pferd sehen und reiten, wann und solange er will“, so die 32-Jährige, die zwar einen Sachkundenachweis in Pferdehaltung hat, derzeit jedoch zusätzlich eine Weiterbildung zur Pferdewirtin macht. „Außerdem habe vor kurzem weitere 19 Einstellerboxen in einem Pausiner Springstall übernommen. Vor Ort habe ich glücklicherweise jemanden, der die Pferde versorgt, sonst wäre das nicht zu schaffen“, sagt die Selbstständige, deren Mann Maik Hofmann einen eigenen Dachdeckermeisteretrieb auf dem Alt Brieselanger Gelände hat. „Im Betrieb meines Mannes, mit 55-jährigem bestehen einer der ältesten Betriebe in Falkensee, mache ich noch den Bürokram, dafür hilft er mir in seiner Freizeit auf dem Hof. In diesem Moment erntet er zum Beispiel Heu, das wir auf einem gepachteten Stück Land selber angebaut haben.“

Falkenseer oder doch Brieselanger?

Bereits 2012 wurde während einer Überprüfung durch die Brieselanger Steuerabteilung festgestellt, dass die Flurstücke, die sich nördlich der L201 befinden, unrechtmäßig von Falkensee verwaltet werden.

Seit den 1990er Jahren zahlen die dort lebenden vermeintlichen Einwohner Falkensees in der Stadt ihre Grundsteuern, Hundesteuern, werden bei der Bemessung von Schlüsselzuweisungen mit herangezogen und wählen dort auch. Außerdem sind sie in Falkensee gemeldet.

Selbst das Nauener Finanzamt hat die Rechtmäßigkeit des Brieselanger Anspruchs bereits vor zwei Jahren in einem Schreiben bestätigt und die Bürgermeister dazu aufgefordert, eine Einigung zu erzielen.

Der Termin für die endgültige Klärung und Gebietsbereinigung fällt auf den 31. Dezember 2016. Anfang des Jahres habe die Falkenseer Stadtverwaltung bereits die 16 Bürger in Alt Brieselang über den beabsichtigten Gebietsaustausch informiert und um Stellungnahmen gebeten.

Gebietsaustausch

Als Falkenseerin habe sich Nicole Hofmann schon immer gefühlt. Hier ist sie gemeldet, hier zahlt sie ihre Steuern und geht wählen. Auch die beiden Betriebe sind in Falkensee angemeldet. Damit könnte es jedoch schon bald vorbei sein. Brieselang drängt auf einen Gebietsaustausch mit Falkensee. Wie sich herausgestellt hat, verwaltet Falkensee seit den 1990er Jahren einige Grundstücke nördlich der L201 zwischen Bahnübergang und Havelkanal völlig zu unrecht, da sie sich eigentlich in Brieselanger Gemarkung befinden. Wie viele Einwohner es tatsächlich betrifft ist bislang unklar. „Das Stück Land auf dem sich das Wohnhaus und der Geschäftssitz der Dachdeckerei befinden, gehört zu Brieselang. Die Wiesen dahinter sind wiederum Falkenseer Gemarkung – es ist kompliziert“, erklärt Hofmann.

Geht es nach Brieselang sollten alle Grundstücke, die sich im Bereich Alt Brieselang befinden, der Gemeinde zugeordnet werden. Im Gegenzug sollen Falkensee die Brieselanger Grundstücke nördlich der L 201 zwischen Bahnschranke und Alt Brieselang, die die Stadt jetzt schon verwaltet, übertragen werden. Nicole Hofmann wäre von einer Eingemeindung durch Brieselang nicht begeistert. Die würde einen erheblichen Aufwand und zusätzliche Kosten bedeuten. „Es geht um nicht einmal zehn Menschen, die dann ihre Steuern in Brieselang zahlen würden. Ich müsste nicht nur beide Firmen ummelden, sondern auch so alltägliche Dinge, wie die Müllabholung bedenken.“ Bis zum 31. Dezember dieses Jahres soll eine Einigung her.

Von Laura Sander

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