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Havelland Wissenswertes rund ums Korn
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18:14 02.06.2014
Optikpark-Chefhostess Christina Otto vor dem Aspirateur. Quelle: M. Kniebeler
Rathenow

Die meisten Menschen, die das Wort Mühle hören, werden an Windmühlen denken, oder vielleicht an Wassermühlen. Diese Mühlen sind es auch, die am Pfingstmontag, dem Deutschen Mühlentag, im Mittelpunkt stehen. Im Westhavelland etwa kann an diesem Tag die Bockwindmühle Bamme besichtigt werden.
Doch es gibt hierzulande einen Ort, der, obwohl er die klassischen Mühlenflügel nie besaß, eine lange Mühlentradition vorzuweisen hat. Die Rede ist von der Konsummühle am Schwedendamm. Gemahlen wird dort seit über 20 Jahren nicht mehr, aber Zeugnisse der über 150-jährigen Mühlengeschichte gibt es in dem Gebäudeensemble, das heute die Optikparkverwaltung und die Musikschule beherbergt, zuhauf. Und weil dies so ist, wird Besuchern am kommenden Montag die Historie der Schwedendamm-Mühle besonders nahe gebracht. Christina Otto, Chefhostess des Optikparks und mit der Rathenower Mühlen-Geschichte bestens vertraut, führt Interessierte durch das Gebäude.

Im Rahmen ihrer Führung wird Christina Otto bis an die Ursprünge der Mühle am Schwedendamm zurückgehen. Diese liegen im Jahr 1848. Denn am 30. Juni vor 166 Jahren wurde am Havelufer der Grundstein für einen Gebäudekomplex gelegt, der bis heute das Rathenower Stadtbild prägt.

Wobei das Ensemble in seiner heutigen Gestalt nicht binnen weniger Jahre entstand. Vielmehr wurde die Mühle im Lauf der Zeit kontinuierlich erweitert. 1889 etwa kam es zum Bau eines neuen Maschinen- und Kesselhauses mit einem 36 Meter hohen Dampfschornstein – untrügliches Zeichen dafür, dass die Industrialisierung auch das Mühlenhandwerk erfasst hatte: immer mehr Getreide konnte in immer weniger Zeit verarbeitet werden. Deshalb mussten Lagerräume her. Für den ersten massiven Zellenspeicher wurde 1893 der Grundstein gelegt. 1940 wurde neben den alten Speicher ein neuer Betonsilo gesetzt, wodurch sich die Lagerkapazität für Getreide auf 4500 Tonnen erhöhte. In den Spitzenzeiten wurden am Schwedendamm 50 Tonnen Getreide pro Tag verarbeitet, davon 30 Tonnen zu Haferflocken, die bis zum Ende der DDR ein Exportschlager waren. Als nach der Wiedervereinigung die Absatzmärkte wegbrachen, war der Komplex nicht mehr zu retten. Mit der Schließung der Mühle im Jahr 1991 ging ein bedeutendes Kapitel der Rathenower Industriegeschichte zu Ende.

Und auch das Gebäudeensemble stünde heute wohl nicht mehr, wenn nicht die Landesgartenschau 2006 nach Rathenow vergeben worden wäre. Damals wurde das Gelände auf der gegenüberliegenden Seite zum Gartenschau areal herausgeputzt. Und glücklicherweise kamen die Laga-Macher auf die Idee, den Mühlenkomplex in das Großereignis einzubinden.
Während die eigentliche Mühle, in der heute die Musikschule untergebracht ist, kaum noch Industriemobiliar birgt, stolpert man im neuen Zellenspeicher von einer denkmalwürdigen Apparatur zur anderen. Am eindrucksvollsten ist der Aspirateur: eine überdimensionale Rüttelsiebanlage, in der Getreidekörner von Fremdbestandteilen – Steinchen, Wildblumen, Holzstücken – getrennt wurden. Wer heute seinen Blick in den Bauch der Anlage richtet, der entdeckt tatsächlich noch Getreidekörner – obwohl hier seit mehr als zwei Jahrzehnten kein Körnchen mehr gesiebt wurde.

Von Markus Kniebeler

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