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Havelland Pflanzenfresser halten die Landschaft offen
Lokales Havelland Pflanzenfresser halten die Landschaft offen
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12:35 28.10.2017
Die Tiere mit dem schwer auszusprechenden Namen: Przewalski-Pferde sind in der Döberitzer Heide angesiedelt worden. Quelle: Ralf Stork
Elstal

Ziemlich genau zehn Jahre ist es her, dass die Eingewöhnungszone in der Döberitzer Heide fertig gestellt wurde. Auf der 50 Hektar großen eingezäunten Fläche sollten sich Wisente, Przewalskipferde und Rothirsche an ein Leben in Freiheit gewöhnen. Ein Jahr später wurde dann die Wildniskernzone eröffnet. Ein knapp 20 Quadratkilometer großes Gebiet, über das früher die Panzer bretterten und die Granaten flogen.

„Seit 2008 haben wir rund 45 Wisente, 27 Przewalskipferde und etwa 20 Rothirsche freigelassen“, sagt Peter Nitschke, der das Projekt der Sielmann-Stiftung von Anfang an betreut. Der Auftrag an die Tiere war klar: Mit ihrem Appetit sollten sie die Flächen auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz offen halten, die früher von Panzern und Granaten offen gehalten worden waren. „Unsere Hypothese war schon immer, dass die Tiere dazu in der Lage sind. Und meiner Überzeugung nach ist der Einsatz von großen Pflanzenfressern auch noch die günstigste Variante, um die wertvollen Lebensräume auf ehemaligen Truppenübungsplätzen dauerhaft zu erhalten“, sagt Nitschke.

Die Pflege solcher Offenlandschaften ist kompliziert: Wegen der hohen Munitionsbelastung können keine großen Maschinen zum Einsatz kommen. Auch Brandrodungen als Mittel gegen die sogenannte Verbuschung verbietet sich. Bleibt eigentlich nur der Einsatz von Tieren – Wildtieren in diesem Fall: „Haustiere müssten wir regelmäßig kontrollieren und tierärztlich untersuchen lassen. Das ist auf einer so großen Fläche nur sehr schwer umsetzbar, praktisch nicht möglich“, sagt Nitschke.

Wisente, Przewalskipferde und Rothirsche können sich vom Menschen unbeeinflusst frei in der Kernzone bewegen. Beobachtet, gezählt und analysiert werden sie natürlich trotzdem. Schließlich wollen Nitschke und seine Kollegen beweisen, dass es den Tieren gut geht und dass sie mit ihrer Theorie richtig liegen.

Die Zahl der Wisente ist dank vieler Geburten auf 75 bis 80 angewachsen. Bei den Rothirschen hat sich der Bestand auf ungefähr 90 vervielfacht. Nur die Zahl der Wildpferde ist konstant, weil neben Stuten bisher nur Wallache ausgewildert wurden.

Seit Anfang 2016 läuft eine groß angelegte Untersuchung in der Kernzone. Für ihre Doktorarbeit untersucht die Ökologin Luisa Zielke die Fressgewohnheiten, den Gesundheitszustand, den Kot und das allgemeine Verhalten der Tiere. Analysiert wird unter anderem der Nährwert verschiedener Pflanzen und was Wisente und Co davon tatsächlich verwerten.

Die Untersuchung ist für die Sielmann-Stiftung wichtig, weil sie wissenschaftlich absichert, was auch mit bloßem Auge schon an vielen Stellen in der Kernzone zu sehen ist: „Man kann den Einfluss der Tiere auf ihre Umgebung fast überall erkennen“, sagt Peter Nitschke. Mit ihren mächtigen Körpern knicken die Wisente regelmäßig bis zu 20 Zentimeter dicke Bäume um, damit sie dann die saftigen Triebe fressen können. Auch die Rinde von Bäumen wird regelmäßig geschält. Auf lange Sicht schädigt das die Bäume so sehr, dass sie früher oder später eingehen. Dass die bestehenden Wälder irgendwann verschwinden, muss trotzdem niemand befürchten. Die Wisente bearbeiten bevorzugt die Übergänge zwischen Wald und Offenland. Dort gelingt es ihnen dann ziemlich gut, die Wiederbewaldung zu unterbinden und für strukturreiche Waldränder zu sorgen.

Der Langzeitversuch in der Kernzone hat auch gezeigt, dass vor allem Wisente sich gern über Pflanzen hermachen, die die meisten anderen Arten verschmähen. „Ein tolles Ergebnis ist, dass die Spätblühende Traubenkirsche und die Robinie besonders gut von den Tieren angenommen werden“, so Peter Nitschke. Gerade in der Nähe von mageren, trockenen Standorten wie Teilen der Döberitzer Heide besteht die Gefahr, dass Robinien sich in die wertvollen Flächen hinein ausbreiten und die natürliche Vegetation verdrängen. Die Spätblühende Traubenkirsche ist eine andere giftige invasive Art, die sich in weiten Flächen Deutschlands ungehindert ausbreitet.

„Ich bin mir sicher, dass unser Projekt und die Forschungsarbeit Schule machen werden“, sagt Nitschke. Andere praktikable Lösungen zum Erhalt des Offenlandes auf ehemaligen militärischen Flächen sind bislang noch nicht gefunden worden. Das heißt im Klartext: Wo es vor mehr als 20 Jahren noch Offenlandschaften gab, die als Naturschutzgebiet ausgewiesen wurden, wächst vielerorts längst dichter Wald. Dabei haben sich die Länder der EU gegenüber verpflichtet, das Zuwuchern der Gebiete zu verhindern. Deshalb ist es gut möglich, dass der Modellversuch der Döberitzer Heide in ein paar Jahren in Deutschland oder anderen Ländern Nachahmer findet.

Von Ralf Stork

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