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Plötzlich zieht die Jugend durch die Straßen

Rathenow Plötzlich zieht die Jugend durch die Straßen

Vor der Kirchenmauer in Rathenow springt ein Pikachu auf und ab, da treibt sich ein Traumato rum und vor der Sporthalle wartet ein Bisasam. Der Hype um das Spiel mit den kleinen Taschenmonstern hat längst auch die Optikstadt erfasst – und zwar nicht nur die Jugend. Seither ist der Platz an der Kirche ein Pokémon-Treffpunkt. Das hat auch negative Folgen.

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Besonders beliebt bei Pokémon Go Spielern ist der Kirchberg in Rathenow, der sich dadurch zum Treffpunkt der Jugend entwickelt hat

Quelle: Ch. Schmidt

Rathenow. 19 Uhr am Kirchberg in Rathenow: Noch scheint die Sonne, gerade ist das Läuten der Glocken verstummt. Auf den Bänken ringsum die Kirche sitzen junge Menschen. Einige laufen auf und ab, andere hocken auf ihrem Fahrrad oder im Auto auf Lauerstellung. Sie sind nicht hier, um sich das alte Gotteshaus anzuschauen oder einen lauen Sommerabend zu genießen. Sie sind gekommen, um Monster zu fangen.

Mit gesenktem Kopf starren Mädchen und Jungen, Männer und Frauen konzentriert auf ihr Smartphone, tippen, wischen und dann, im nächsten Augenblick macht sich ein breites, seliges Lächeln auf einigen Gesichtern breit. „Ich habe ein Sterndu!“, teilt jemand der Spielgemeinde mit. Auch die anderen gehen nun auf die Suche, denn alle haben die Chance ein Sterndu zu fangen. Es ist eines von unzähligen Pokémon, die in der sogenannten „augmented reality“, der erweiterten Realität zu finden sind.

Ein globaler Hype

Kreiert hat diese teils virtuelle, teils reale Welt das US-amerikanische Softwareunternehmen Niantic, das mit der Veröffentlichung des Spiels Pokémon Go einen wahren Hype rund um den Glosbus auslöste. Mehr als 100 Millionen Mal wurde das Spiel inzwischen heruntergeladen. Ziel des Ganzen ist es, die Pokémon (zusammengesetzt aus Pocket Monster, Taschenmonster), zu finden und zu sammeln. „Also zieh dir die Schuhe an, geh nach draußen und erkunde die Welt“, so die Botschaft des Spiels.

Vor dem Kulturzentrum springt ein Traumato herum

Vor dem Kulturzentrum springt ein Traumato herum.

Quelle: Ch. Schmidt

Längst hat dieser Hype auch die havelländische Kreisstadt erfasst. Etwa zwei Drittel der Jugendlichen in Rathenow spielen mehr oder weniger aktiv, schätzt Streetworkerin Kathrin Wittek. Am Platz der Freiheit, vor der Post und an vielen anderen Stellen kann man die Pokémon-Jäger beobachten. Die Taschenmonster dagegen sind nicht mit bloßen Auge zu erkennen. Erst der Blick auf das Smartphone macht sie sichtbar.

Das Spiel lockt Stubenhocker auf die Straße

Plötzlich springt vor der Kirchenmauer ein Pikachu, am Märkischen Platz treibt sich ein Traumato rum und vor der Havellandhalle wartet ein Bisasam. Sich mit dem Pokémon-Fieber zu infizieren ist leicht. Alles was mandazu braucht ist ein Smartphone und die App, die man kostenlos herunterladen kann. Auf Facebook haben sich zudem eigene Pokémon Go Gruppen für Rathenow gegründet.

Am Kirchberg, am Märkischen Platz, am Jugendhaus „Oase“ und vielen weiteren Stellen gibt es sogenannte PokéStops. Hier bekommen die Spieler kostenlos wichtige Utensilien für die Jagd. So lässt sich also ganz einfach erklären, warum der Platz an der Kirche plötzlich zum Treffpunkt der Jugend wurde. Doch was macht die Faszination dieses Spiels aus? Es ist wohl die Verbindung der realen mit der virtuellen Welt, die dazu führt, dass selbst notorische Stubenhocker plötzlich rausgehen.

Die Kehrseite: Müll am Kirchberg

Es sind aber nicht nur Jugendliche, die sich auf die Monsterjagd begeben. „Fünfjährige spielen ebenso wie 55-Jährige“, sagt Kathrin Wittek. Und wie viel Zeit verbringen die Pokémon-Jünger mit dem Spiel? Diese Frage beantworten zwei junge Männer, die mit dem Auto zum Kirchberg gekommen sind, mit einem Grinsen. „Na den ganzen Tag, wenn wir frei haben“, erklären sie einhellig. Positiv wertet die Streetworkerin, dass es ein friedliches Spiel ist.

„Es gehe nicht ums Töten und nicht um unmittelbare Konkurrenz. Zudem lernen einige so endlich ihre Stadt kennen“, sagt Wittek. Natürlich müsse jedem bewusst sein, dass man beim Spielen viele Daten preisgibt, was generell für die Verwendung von Apps auf dem Smartphone gelte. Auf eine negative Sache muss sie dennoch hinweisen: „Leider hinterlassen die Jugendlichen Spuren in Form von Müll, was insbesondere die Anwohner am Kirchberg zurecht beklagen.“

Der typische Blick  aufs Smartphone

Der typische Blick aufs Smartphone: Auch in Rathenow sieht man zahlreiche Pokémon Go Spieler.

Quelle: Ch. Schmidt

Von Christin Schmidt

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