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Gurtmuffel im Visier

Polizei kontrollierte am Freitag in Falkensee, ob die Autofahrer den Sicherheitsgurtangelegt haben Gurtmuffel im Visier

An einer Kontrollstelle in Falkensee hat die Polizei am Freitag vor allem überprüft, ob die Kraftfahrer den Sicherheitsgurt angelegt haben. Denn wie eine Tiefenanalyse zu tödlichen Verkehrsunfällen in den Jahren 2013 und 2014 ergab, könnten viele Verkehrsteilnehmer noch leben, wenn sie den Gurt angelegt hätten.

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Polizeikommissar Frank Kmitta spricht den Fahrern ins Gewissen.

Quelle: Andreas Kaatz

Falkensee. „Ich möchte nicht zu Ihnen nach Hause fahren müssen, um Ihrer Frau zu sagen, dass Sie tödlich verunglückt sind. Das macht mir keinen Spaß“, sagt Polizeikommissar Frank Kmitta zu einem Lkw-Fahrer, den die Beamten an einer Kontrollstelle in der Straße der Einheit erwischt haben. Der Mann ist ohne angelegten Gurt unterwegs, aber nur teilweise einsichtig. „Es gibt viele Dinge, die dafür, aber auch welche, die dagegen sprechen“, meint er. Wenn er nämlich einen Unfall habe, sich das Auto überschlägt, komme er eventuell nicht mehr aus dem Fahrzeug heraus.

30 Euro muss der Mann zahlen, dann geht’s für ihn weiter – nicht ohne die mahnenden Worte von Frank Kmitta.„Denken Sie nicht drüber nach, tun Sie es einfach. Legen Sie den Gurt an. Das muss in Fleisch und Blut übergehen“, sagt er. Die Kontrolle erfolgte im Rahmen der laufenden Aktionswoche im Land.

Immer wieder zeigt sich, dass verunglückte Autofahrer noch leben könnten, wenn sie den Gurt angelegt hätten. Das geht aus einer entsprechenden Auswertung der Polizei hervor. Grundlage bildeten Verkehrsunfälle mit Todesfolge aus den Jahren 2013 und 2014 im gesamten Land Brandenburg.

„Das ist eigentlich ein Thema, bei dem wir dachten, dass es sich in der Mottenkiste befindet“, sagt Polizeioberrat Ingolf Niesler, Leiter der Verkehrspolizei des Polizeipräsidiums, am Rande der Kontrolle. So gäbe es zwar eine Untersuchung des Bundesamtes für Straßenwesen, dass die Anschnallquote bei 97 Prozent liegt, „wir haben jedoch eine andere Tendenz festgestellt“, meint er. Vor allem junge Erwachsene zwischen 25 und 35 Jahren seien ums Leben gekommen, weil sie auf den Gurt verzichtet haben. Allein bei Kontrollen im März habe es an drei Tagen landesweit 500 Verstöße gegen die Anschnallpflicht gegeben, so der oberste Verkehrspolizist. Dabei handelte es sich vor allem um Fahrer nicht mehr ganz so neuer Fahrzeuge, denn in modernen Autos nerven die Warnsignale, wenn man sich nicht anschnallt.

„Der Gurt bleibt das wichtigste Sicherheitselement“, wendet sich Niesler gegen Illusionen mancher Autofahrer, die denken, dass angesichts der Sicherheitsausstattung heutiger Autos der Gurt zweitrangig sei. Somit werde das Thema Anschnallpflicht auch in Zukunft bei Kontrollen auf der Tagesordnung stehen.

Derweil hält Frank Kmitta am Kontrollpunkt in Falkensee mit dem Fernglas weiter Ausschau nach Gurtmuffeln. „Man muss schon sehr genau hinschauen, um zu erkennen, dass der Gurt fehlt“, sagt er. Denn die Frontscheiben spiegeln häufig – vor allem bei Sonnenschein wie an diesem Tag. „Am besten ist es, wenn die Leute helle Sachen anhaben, dann sieht man es am besten“, meint er.

Dann werden die Beamten wieder fündig und winken einen roten Kleintransporter aus dem Verkehr. Diesmal ist es aber nicht der Fahrer, den sie im Visier haben, sondern der Beifahrer. „Ich bin ziemlich müde, da habe ich eben vergessen, mich anzuschnallen“, meint er.

„Meist ist es Bequemlichkeit, wenn die Leute den Gurt nicht anlegen“, sagt Norbert Urban. Der Polizeibeamte hat schon die unterschiedlichsten Ausreden gehört: „Meine Bewegungsfreiheit ist eingeschränkt“, „Ich hatte es eilig“, „Ich habe ihn schon abgemacht, weil ich da vorn anhalten will“ oder „Das stört mich“und „Mir ist so warm“. „Dass eine Frau als Grund angibt, dass sie hochschwanger ist, wie letztens im Fernsehen zu sehen, das hatte ich aber auch noch nicht.“

Von Andreas Kaatz

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