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Havelland Prediger des Blues im Bürgerhaus
Lokales Havelland Prediger des Blues im Bürgerhaus
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20:00 21.02.2016
Guitar Crusher in Aktion. Neben ihm Freimuth Fischkal von den Mellow Tones. Quelle: Hans-Peter Theurich
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Falkensee

Was für ein tolles Konzert! Ein alter Herr, Jahrgang 1931, stellt sich mit seiner Band auf die Bühne im überfüllten Bürgerhaus Finkenkrug. Nach wenigen Takten trampelt und klatscht das Publikum den Rhythmus mit. Guitar Crusher nennt sich der Mann aus North Carolina, USA. Ein großer Künstler, der den Blues lebt und verkörpert. Alle, die ihn erleben durften am Sonnabend in Falkensee, gingen mit einem Lächeln im Gesicht durch die verregnete Nacht nach Hause. Und mit der Gewissheit, der legendäre Sänger und Musiker ist fit und kann seine Fans immer noch begeistern.

Kurz nach 20 Uhr. Die Mellow Tones beginnen: Klavierspieler Christian Rannenberg und Freimuth Fischkal, Gitarre, improvisieren einen Boogie-Woogie. Gleich wird der Star des Abends auftreten. Rita Sandrock aus Finkenkrug steht mit fünf, sechs Leuten vor dem Haus und ist am Rande der Verzweiflung. „Wir haben telefonisch Karten fürs Konzert bestellt. Alles ausverkauft. Dabei liebe ich Blues von Muddy Waters oder von DDR-Bands so sehr.“

Guitar Crusher schlängelt sich durchs Publikum zur Bühne, umklammert das Mikrofon mit seinen bunt-beringten Fingern. Das Trio legt los: „Yaw, Yaw“. Drei Akkorde im galoppierenden Rhythmus, bei dem jeder mit muss. Was für ein Sänger: Bariton bis kreischendes Geschluchze. Alles hat er drauf. An diesem Abend auch das flotte Lied „Hello Josephine“ von Fats Domino. Vieles hat er erlitten und erlebt, dieser Sidney Selby, wie er mit bürgerlichem Namen heißt. Als Kind Baumwolle gepflückt. Sonntags im Gospelchor gesungen. Mit 15 nach New York abgehauen. Später den weltberühmten Soulsänger Ben E. King, die Isley Brothers auf Tourneen begleitet. Da steht er nun in Finkenkrug, voller Stolz, und haut alles raus mit seiner rauen Stimme, der Mundharmonika und manchmal mit der Gitarre. Schmerz und Trotz besonders in dem Song „The Blues is alright.“ Im Flur vor dem Saal tänzeln Michael Fechner und Rita Sandrock zu der heißen Nummer: „Der Mann ist unglaublich gut, ich fasse es nicht“, sagt sie.

Die Pause. Garderobe im ersten Stock. Sidney Selby gönnt sich ein Gläschen Rotwein, wirkt ein wenig erschöpft. Kuschelt sich in ein elegantes Jackett. Immer noch den Hut auf. „Seit 1982 lebe ich in Berlin-Friedenau. Da fühle ich mich sehr wohl mit meiner Frau.“ Ein überaus höflicher Gentleman aus den Südstaaten. „Vor zwei Jahren war ich in den USA, dort wurde ein Dokumentarfilm über mich gedreht.“

Was mag in einem Mann vorgehen, der Mitte achtzig ist und über „Sugar Baby“ singt oder in einem anderen Song einer Frau rät, sie möge endlich abhauen? Kirsten Ramme, die ehrenamtlich im Bürgerhaus arbeitet, sagt: „Ich finde Guitar Crusher mitreißend, was der in seinem Alter rüberbringt, ist überwältigend.“ Zugabe. Das Klavier startet. Die Gitarre folgt: „What’d I say“ von Ray Charles. Es tänzelt herbei der Entertainer, Show-Man: der Guitar Crusher. Es geht ab wie in einem flotten Gottesdienst. Die Menge singt mit. Sidney Selby predigt den Blues.

Von Hans-Peter Theurich

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