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Premnitz: Safranski liest in der „Villa am See“

Gedanken zum Thema „Zeit“ Premnitz: Safranski liest in der „Villa am See“

Der Philosoph und Autor Rüdiger Safranski hat am Freitagabend in der Premnitzer „Villa am See“ die diesjährige Reihe der Literaturgespräche eröffnet. Er widmete sich dem Thema „Zeit“, über das er vor kurzem ein Buch veröffentlicht hat, und diskutierte mit den rund 90 Besuchern darüber.

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Rüdiger Safranski diskutierte in Premnitz über die Zeit.

Quelle: Foto: Uwe Hoffmann

Premnitz. „Wenn die Zeit nur das wäre, was die Uhren messen, dann wäre man mit der Antwort auf die Frage nach der Zeit schnell fertig. Sie wäre eben nichts weiter als die messbare Dauer von Ereignissen“, beginnt das vor einigen Monaten erschienene Buch „Zeit“ des Philosophen und Autors Rüdiger Safranski. Er eröffnete mit seiner Lesung in der „Villa am See“ am Freitagabend die diesjährigen Premnitzer und Rathenower Literaturgespräche des Brandenburgischen Literaturbüros in Potsdam, moderiert durch dessen Vertreter und Schriftsteller Peter Walther.

„Für mich ist es ein großes Vergnügen gewesen, über die letzten 30 Jahre seine Bücher zu lesen“, so Gastgeber Stefan Behrens. „Was sein Werk besonders auszeichnet: er arbeitet seine zentralen Inhalte jeweils in verschiedenen Themen aus.“ Nahezu 90 Gäste aus nah und fern folgten der Einladung.

Mit der Technik kam die raumentfernte Kommunikation in Echtzeit

„Zeit. Was sie mit uns macht und was wir aus ihr machen“, lautet der vollständige Titel des Buches, in dem sich Safranski mit der Vielschichtigkeit der individuellen und vergesellschafteten Zeit auf eine durchaus kurzweilige Weise beschäftigt, die aber immer auch verblüffend simple Gegebenheiten faszinierend neu beleuchtet. „Mit der Uhr wurde Zeit als unser Taktgeber vergesellschaftet. Mit der Entwicklung des Transportsystems, vor allem der Eisenbahn Ende des 19. Jahrhunderts, erfolgte die Koordinierung der Zeit“, so Rüdiger Safranski. „Mit der Entwicklung der Technik wie Telegraf und Internet erlebten wir erstmals das Phänomen raumentfernter Kommunikation in Echtzeit.“ Für den Philosophen steht aber die Möglichkeit des Individuums zur Reaktion im krassen Missverhältnis zum durch die Technik extrem vergrößerten Wahrnehmungskreis. Begonnen hatte Rüdiger Safranski mit seinem ersten Kapitel „Zeit der Langeweile“.

Rüdiger Safranski: „Ich kann Langeweile bewusst genießen“

Der 90-minütige Abend indes war keinesfalls langweilig. Denn der Autor kann der Langeweile einiges Positives abgewinnen. „Ich kann Langeweile bewusst genießen, im Café sitzen, Leuten zuschauen. Ein wohltuender Aspekt“, sagt Rüdiger Safranski. „Im deutschen Begriff Langeweile steckt auch der tolle Begriff des Verweilens.“ Nichts desto trotz plädiert der Philosoph dafür, „die befristete Zeit unseres Lebens zu genießen, nicht zu verschenken.“ So verschenkt er auch selbst nicht mehr Zeit als nötig mit technischen „Errungenschaften“ wie E-Mail und Internet. „Ich nutze dies, aber sehr eingeschränkt“, sagt Rüdiger Safranski. „Um mich diesbezüglich zu entlasten, kann ich aber auch mal zwei, drei Tage nicht nach meinen Mails schauen.“

Der 1945 geborene Rüdiger Safranski ist durch seine Biografien wie über Friedrich Nietzsche und Arthur Schopenhauer bekannt. Im Fernsehen moderierte er bis 2012 zehn Jahre lang gemeinsam mit Peter Sloterdijk das „Philosophische Quartett“. Sein letztes Buch „Zeit“ erschien im 2015 im Carl Hanser Verlag München.

Von Uwe Hoffmann

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