Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Premnitz Ein Abend mit Peer Steinbrück
Lokales Havelland Premnitz Ein Abend mit Peer Steinbrück
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:51 31.05.2018
Peer Steinbrück sprach in der ausverkauften Villa am See in Premnitz über das "Elend der Sozialdemokratie" und die große Politik. Quelle: Christin Schmidt
Premnitz

Klare Worte, präzise Analysen und Lösungsvorschläge – die Erwartungen, die Stefan Behrens am Mittwochabend an seinen prominenten Gast stellte, waren hoch. Das durften sie auch sein.

Immerhin hatte er mit Peer Steinbrück einen Politiker in die Villa am See eingeladen, der fünf Jahre als Finanzminister die Geschicke des Landes entscheidend mitbestimmte und sich 2013 um das Amt des Bundeskanzlers bewarb.

Nun hat Steinbrück mit „Das Elend der Sozialdemokratie“ ein Buch vorgelegt, in dem er die eigene Partei quasi von der Seitenlinie aus kritisch betrachtet. Anlass genug, mit ihm darüber zu plaudern.

„Ja, ich weiß, der Verlierer von 2013 sollte sich zurückhalten“, erklärte Steinbrück gleich zu Beginn des Gesprächs mit dem langjährigen Chefredakteur der Märkischen Allgemeinen Zeitung, Klaus Rost.

Natürlich hielt er sich nicht zurück, was ihm das Publikum mit uneingeschränkter Aufmerksamkeit, Applaus und zustimmendem Lachen dankte.

Schlange stehen für eine Signatur von Peer Steinbrück. Zahlreiche Gäste kauften nach der Lesung das aktuelle Buch des Politikers. Quelle: Christin Schmidt

„Die Partei gibt zu erkennen, dass sie sich nicht vertraut, warum sollten ihr dann die Bürger vertrauen?“, stellte Steinbrück fest und verordnete der SPD eine „deutliche Frischblutzufuhr“. Die Partei müsse endlich auf die Lebensrealität der Mehrheitsgesellschaft eingehen. Der erfahrene Politiker hielt sich aber nicht nur am Zustand der SPD auf.

Der Abend gehörte vor allem den großen Themen: Europa, Globalisierung, Integration, Regulierung der Banken, Sicherheitspolitik und immer wieder thematisierte er die Macht der Internetgiganten: „Den Behörden wollen einige nicht mal ihr Alter verraten, Facebook aber geben sie sämtliche Daten freiwillig und kostenlos.“

Viele Probleme von Umwelt- und Datenschutz, über Terrorismus und innere Sicherheit könnten nicht mehr allein auf nationaler Ebene gelöst werden. „Populisten, die sich auf die eigene Scholle zurückziehen wollen, werden am Ende weniger Sicherheit bekommen“, machte Steinbrück deutlich.

Für ihn ist Europa nicht das Problem, sondern die Lösung. Mit Vehemenz sprach er sich für die Revitalisierung Europas aus und beklagte, dass die gesamte deutsche Politik diese verschlafe. Dem stimmte auch der größte Teil des Publikums nickend zu.

Auch Hartmut Rubach (l.), Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Rathenow, ließ sich den Diskussionsabend mit Peer Steinbrück nicht entgehen. Quelle: Christin Schmidt

Unter den rund 200 Gästen waren auch Parteigenossen – der Premnitzer Bürgermeister Ralf Tebling, Hartmut Rubach, Vorsitzender der SPD Rathenow, oder Katja Poschmann, SPD-Vorsitzende aus dem Milower Land/Premnitz. Sie und andere Gäste nutzten die Gelegenheit, dem gebürtigem Hamburger Fragen zu stellen.

Sie brachten Themen wie das Rentensystem, Lobbyismus oder das Verhältnis zu Russland aufs Tapet und bekamen darauf direkte, aber nicht immer bequeme Antworten.

Es dürfte nicht überraschen, dass die Veranstaltung, die in Zusammenarbeit mit dem Brandenburgischen Literaturbüro organisiert wurde, schon vor gut einer Woche ausverkauft war. Das Interesse war groß und lockte neben dem Stammpublikum der Villa, dass größtenteils der Generation Steinbrücks angehört, auch neue und einige jüngere Gäste an.

Der Beweis, dass die Havelländer sich durchaus für politische Diskussionen begeistern lassen. Das dürfte insbesondere die Gastgeber Stefan und Ulrike Behrens freuen, die nun verstärkt zu Gesprächsrunden mit Politikgrößen einladen wollen. Darunter Gesine Schwan am 22. Juni und Joschka Fischer im September.

Was die Erwartungen des Gastgebers betrifft: Klare Worte hat Stefan Behrens bekommen. Auch präzise Analysen bot Steinbrück dem Publikum. In Sachen Lösungsvorschläge, hatte sich der eine oder andere Gast sicher mehr erhofft.

Von Christin Schmidt

Die Arbeitsförderungsgesellschaft und die Stadtwerke Premnitz feiern am 2. Juni gemeinsam ihr 25-jähriges Bestehen. Vor dem Industrieparkzentrum, Sitz der AFP, gibt es ein „Prem Rock“-Festival mit drei Bands.

30.05.2018

Seit dem 1. Mai ist der 24-jährige Vahid Rahmani aus dem Iran in der Nachwuchsabteilung des TSV Chemie Premnitz als Trainer-Assistent tätig. Er macht das über ein Bufdi-Programm des Landessportbundes.

28.05.2018

Die Bewegung „Pulse of Europe“, die Deutsch Französische Gesellschaft und die Villa am See in Premnitz wollen die Menschen im Westhavelland für Europa begeistern und machen nun gemeinsame Sache.

24.05.2018