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Pro und Contra formieren sich

Zwischen Falkensee und Friesack werden immer mehr Asylbewerber untergebracht Pro und Contra formieren sich

Im Osthavelland entstehen immer mehr Asylbewerber-Unterkünfte. Befürworter und Gegner formieren sich. In Falkensee arbeitet eine aktive Willkommensgruppe. In Brieselang, Dallgow-Döberitz und Wustermark ist sind solche Initiativen im Aufbau. Nicht jeder findet das gut.

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Junge Muslime und Havelländer beim Willkommensfest in der Kreisstadt Rathenow im April.

Quelle: Foto: Christin Schmidt

Havelland. Amphibienzäune durchziehen das Areal südlich der Falkenseer Fliedner-Werkstätten. Am Ende der Panzerstraße soll ein Asylbewerberheim entstehen, das zweite in Falkensee. Die grünen Zäune umschließen das künftige Baufeld, in Eimern sollen sich die vermuteten Zauneidechsen sammeln. Sie werden umgesiedelt, also an anderer Stelle wieder ausgesetzt.

Während die Fachleute hier vorsichtig die geschützten Tiere einsammeln, geht es an anderer Stelle weiter. Im Juni soll der Antrag für den Bau des Heimes gestellt werden, in dem künftig 165 Asylbewerber Unterkunft finden können. Das soll im Frühjahr nächsten Jahres soweit sein.

So lange wird es am ersten Asylbewerberheim von Falkensee nicht dauern. Das Heim in der Kremmener Straße ist bezugsfertig. Weiß geflieste Bäder, petrolfarbene Küchenecken, zwei Personen pro Zimmer - so der Standard des Hauses, das für 62 Personen ausgerichtet ist das Gebäude besteht aus zwei verbundene, freundlich gelbe Häuser. Wegen seiner ansprechenden Architektur schon mal „Villa Asyl“ genannt.

„So aufwendig werden wir künftig nicht mehr bauen“, hatte Landrat Burkhard Schröder bei der Eröffnung gesagt. Das Falkenseer Haus war zu einer Zeit geplant worden, als man auch eine spätere Nachnutzung für andere Personen im Hinterkopf hatte. Aber vor einem Jahr war nicht klar, dass die Flüchtlingszahlen so schnell in die Höhe schnellen. Mehr als 1200 Flüchtlinge werden in diesem Jahr ins Havelland kommen.

Da muss schnell und viel gebaut werden. Das heißt Container und Modulbauweisen. Das heißt auch größere Objekte: mehr als 400 Plätze in Schönwalde, 250 Plätze in Nauen, 200 Plätze in Dallgow-Döberitz, 150 in Wustermark.

Während der Landkreis in Falkensee noch eigene Grundstücke nutzt, muss er in den anderen Gemeinden erst die nötigen Flächen erwerben oder pachten. Dabei gibt es unterschiedliche Modelle, in Nauen soll gekauft werden, in Wustermark und Dallgow gepachtet werden. All das geschieht öffentlich und nicht ohne Gegenwehr.

Am meisten schlagen die Wogen der Empörung in Nauen hoch. Regelmäßige Demonstrationen von Gegnern und Befürwortern halten die Diskussion am Kochen.

Proteste hatte es auch in Falkensee gegeben. Eine Bürgerinitiative mit dem irreführenden Namen „Pro Asyl“ hatte sich im vergangenen Jahr gegen das Asylbewerberheim in der Kremmener Straße stark gemacht, mit Plakaten und Diskussionen wurde vor allem gegen den Standort vorgegangen. Vergeblich, inzwischen ist es ruhig um die BI geworden. Nicht so bei der damals ebenfalls aktiv gewordenen Willkommensinitiative. In ihr haben nicht nur Menschen ihre guten Absichten verkündet, sondern sie sind aktiv geworden. Ganz konkret. So gab es in der vergangenen Woche in Falkensee einen Informationsabend für medizinisches Personal. 50 Ärzte, Arzthelferinnen, Psychologen, Sozialarbeiter und Hebammen waren gekommen, um sich unter dem Thema „Helfende Berufe und Flucht“ zu informieren.

In Brieselang nehmen Pro und Contra langsam Konturen an. Einen konkreten Standort gibt es noch nicht, aber der Landkreis sucht auch hier nach geeigneten Flächen, hatte Sozialdezernent Wolfgang Gall mehrfach betont. In der vergangenen Woche hat der NPD-Kreisverband Havelland in Brieselang einen sogenannten Stützpunkt gebildet und als Vorsitzenden Frank Kittler gewählt, er will nach eigenen Angaben die Bevölkerung über „die ausufernde Zuwanderung aufklären“. Kittler sitzt als Abgeordneter in der Brieselanger Gemeindevertretersitzung. Die anderen Brieselanger Abgeordneten sehen die Sache anders, die Fraktionen von Bürger für Brieselang, CDU, SPD, IBB-Initiative für Bürgerinteresse und Bürgerbeteiligung, die Grünen und die Linke sowie der Bürgermeister haben beschlossen, eine Willkommensinitiative zu gründen. Willkommensgruppen sind auch in Dallgow-Döberitz und Wustermark im Aufbau. Eine heftige Diskussion über das Verhältnis von Asylbewerbern zu Einwohnern ist dabei mit kritischem Blick auf Falkensee eingeschlossen.

Derweil ist für die Friesacker das Thema schon Alltag. Hier sind - wie auch in Premnitz und Rathenow – seit fast anderthalb Jahren Asylbewerber aus mehreren Nationen untergebracht. Hier singt mal ein Asylbewerber im Chor, da rettet ein syrischer Arzt die Herzsportgruppe, eine Abiturientin gibt zusätzlichen Deutschunterricht. Alles ohne große Aufregung.

Von Marlies Schnaibel

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