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Pro und Contra zu Jan Böhmermann

Satirestreit in Oberhavel und im Havelland Pro und Contra zu Jan Böhmermann

Die Meinungen zur Satirediskussion rund um Jan Böhmermann reichen weit auseinander. Wir haben Jugendliche in Oberhavel und im Havelland gefragt, was sie davon halten. Die einen hätten sich ein deutlicheres Merkel-Statement gewünscht, andere fanden das Gedicht unter der Gürtellinie.

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Jan Böhmermann hat eine Fernseh- und Radiopause bis Mitte Mai angekündigt.

Quelle: ZDF/Ben Knabe

Oberhavel/Havelland. Was darf Satire? Was ist Satire überhaupt? Wo ist die Grenze der Pressefreiheit? Über diese Fragen diskutieren momentan sehr viele Leute.

Und was für ein Wirbel! Jan Böhmermann als Top-Meldung in der „Tagesschau“, das hat sich der Satiker in seinen kühnsten Alpträumen nicht ausmalen können. Nachdem er am 31. März in seiner Show „Neo Magazin Royale“ auf ZDFneo im Zuge der „Extra 3“-Satire-Diskussion und der Beschwerde des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan mit seinem Kollegen Ralf Kabelka über das Wesen eines Schmähgedichtes gesprochen hat, trug er selbst eines vor. Immer mit dem Hinweis, dass er ja nur zeigen wolle, wie denn so ein Schmähgedicht klingen könnte.

Am Ende blieb aber bei vielen nur das Schmähgedicht selbst im Ohr. Das Geschrei ist groß, Erdogan hat Böhmermann privat verklagt, und Bundeskanzlerin Merkel hat Erdogan zusätzlich ermächtigt, sich auf einen alten Paragrafen berufen zu können, der es verbietet, ausländische Staatsmänner zu beleidigen.

Fabian Lindemann aus Schildow

Fabian Lindemann aus Schildow.

Quelle: privat

„Ich möchte gar nicht über den Inhalt von Böhmermanns Gedicht reden“, sagt Fabian Lindemann (22) aus Schildow. „Denn es geht in um weit mehr. Ich hätte mir ein noch deutlicheres Statement von Merkel gewünscht, aber grundsätzlich ist es der richtige Weg, das Ganze an die Justiz abzugeben.“ Die Regierung allein sollte solche Entscheidungen nicht allein treffen, sagt Fabian. „Denn genau das ist ja das, was Erdogan tut.“ Der Schildower wünscht sich von den Gerichten eine klare und deutliche Entscheidung für Böhmermann. „So würde es Erdogan doppelt demonstriert werden: So funktioniert ein Rechtsstaat! Und: In diesem haben wir ein Recht auf freie Meinungsäußerung und Satire.“

Adrian Sarac (21) aus Mühlenbeck sieht das ein wenig anders: „Die Problematik ist, dass manche von Böhmermann gewählten muslimischen Stereotypen, die er in satirischer Form im Gedicht zusammenfasst, doch zu sehr unter die Gürtellinie gehen.“ Das sei aus politischer Sicht nicht moralisch vertretbar, so Adrian. „Da wir ja alle wissen, dass die Regierung bestrebt ist, den Ruf eines weltoffenen Deutschlands aufrecht zu erhalten, sich jedoch damit wahrscheinlich die deutsch-türkischen Beziehungen verschlechtern.“

Adrian Sarac aus Mühlenbeck

Adrian Sarac aus Mühlenbeck.

Quelle: privat

Kolja Storm (18) aus Falkensee empfindet das Gedicht von Böhmermann „unnötig beleidigend, trotzdem halte ich die Reaktion von Erdogan für übertrieben.“ Kanzlerin Merkel hätte dessen Gesuch nicht nachgeben sollen, sagt Kolja. „Gerade Menschen wie Erdogan müssen wir zeigen, dass Meinungs- und Pressefreiheit bei uns sehr hohe Güter sind.“

Martin Nguyen (20) aus Falkensee findet die zivilrechtliche Anzeige wegen Beleidigung völlig ausreichend. „Warum sollte Erdogan als Staatspräsident mehr Rechte haben als andere?“ Martin hält den entsprechenden Paragrafen für veraltet. „Er gehört noch vor einer möglichen Verhandlung Böhmermanns abgeschafft.“

Von Robert Tiesler, Juliane Weser und Markus Kollberg

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