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Havelland Pumpentaschen aus Wernitz
Lokales Havelland Pumpentaschen aus Wernitz
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11:45 20.05.2015
Andrea Nitter mit Sohn Oliver in der "Nähstube" für die Pumpentaschen. Quelle: Jens Wegener
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Wernitz

Genäht hat Andrea Nitter schon immer gern in ihrer Freizeit: Kissen und Decken für den Hausgebrauch. „Mehr als ein Hobby sollte das nie werden“, sagt die 35-Jährige. Aber es kam alles anders, was mit ihrem kleinen Sohn Oliver zu tun hat.

Etwa fünf Jahre ist es her, als die damals noch in Berlin wohnende Familie ein schwerer Schicksalsschlag traf. 2010 erkrankte der knapp zweijährige Sohn Oliver an Diabetes Typ 1. „Wir wussten erstmals gar nicht, was das ist“, blickt Mutter Andrea Nitter zurück. Schnell stellte sich heraus, dass Oliver 24 Stunden am Tag mit Insulin versorgt werden muss.

Weil ihr Sohn noch so klein war, entschied sich die Familie gegen Spritzen. Statt dessen bekam Oliver eine Insulinpumpe, die etwas größer und dicker als eine Scheckkarte ist. Über einen kleinen Schlauch, an dessen Ende eine Nadel steckt, wird das Insulin je nach Bedarf ins Bein des Jungen transportiert. „Die Pumpe muss er rund um die Uhr tragen, darf sie maximal für zwei Stunden täglich zum Duschen oder Baden abnehmen“, schildert die Mutter, die als Krankenschwester in einer Klinik in Berlin arbeitet.

So unangenehm das für Oliver zu Anfang gewesen sein mag – mittlerweile kommt der Sechsjährige damit recht gut klar: „Ich kann auch Fußball spielen und klettern. Ich muss nur aufpassen, dass die Nadel drinbleibt“, sagt der Kleine. Auch den Umzug der Familie vor einem Jahr von Berlin nach Wernitz hat Oliver verkraftet, neue Freunde gewonnen. Er freue sich schon auf die Schule, die für ihn im Sommer am Campus in Nauen beginnt.

Dass ihn die Insulinpumpe kaum behindert, hat er auch seiner Mutter zu verdanken. Die hat für ihn Pumpentaschen und Bauchbänder genäht, in denen die Diabetes-Utensilien wunderbar zu verstauen sind. „Es gab kaum Angebote für bequeme und ansprechende Accessoires. Deshalb habe ich gedacht, die mache ich selber“, erinnert sich Andrea Nitter. Als die erste bunte Pumpentasche aus Stoff fertig war, folgte eine Zubehörtasche, ganz nach den Wünschen ihres Sohnes.

Irgendwann dachte sich die kreative Hobby-Näherin, dass sie mal spaßhalber diese Diabetiker-Accessoires in ihrem Online-Shop anbieten könnte. So tauchten Pumpentaschen und Bauchbänder neben normalen Handtaschen, Trinkflaschenbehältern und Geburtskissen auf. Außerdem sorgte die Mund-zu-Mund-Propaganda und ein Facebook-Auftritt dafür, dass Andrea Nitter nach wenigen Tagen erste Anfragen per Mail bekam. „Die Leute wollten wissen, ob man sich Farben und Stoffe aussuchen konnte. Ich habe ja gesagt.“ Offenbar hat die Neu-Wernitzerin eine Marktlücke getroffen. Mittlerweile ist das Nähen der Diabetes-Produkte für Andrea Nitter viel mehr als ein Hobby. Unter ihrem Label: Handmade by Sweete beliefert sie Kunden in Österreich, der Schweiz, Italien, Frankreich, Schweden, Holland, Bolivien und den USA mit individuellen Pumpentaschen, weichen Bauchbändern und bunten Diabetes-Accessoires, die alle ganz nach den jeweiligen persönlichen Wünschen hergestellt werden.

Ihr Wohnzimmer ist zur Hälfte eine Nähwerkstatt. In zwei Regalen sind die verschiedenen Stoffe untergebracht. In der Mitte steht ein großer Tisch, auf dem die Nähmaschine platziert ist. Dort sitzt Andrea Nitter viele Stunden in der Woche und sorgt dafür, dass auch für die Kinder ihrer Kunden die Krankheit etwas erträglicher wird.

Gleichzeitig sieht sich die selbstbewusste Mutter als Sprachrohr für andere Betroffene, die nicht nur mit der Krankheit ihrer Kinder konfrontiert sind, sondern oft genug auch mit Behörden und Krankenkassen zu kämpfen haben. So eine Insulinpumpe kostet schließlich mehr als 3000 Euro.

Von Jens Wegener

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