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Havelland Quitzow-Zeit machte die Stadt weithin berühmt
Lokales Havelland Quitzow-Zeit machte die Stadt weithin berühmt
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07:45 24.06.2016
Funde aus der Region im Heimatmuseum Friesack. Quelle: Andreas Kaatz
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Friesack

Bischof Siegfried II. hat es Friesack zu verdanken, dass die Stadt zum illustren Kreis von zehn Kommunen gehört, denen er mit einer Urkunde ihre Ersterwähnung von 800 Jahren bescherte. Damals bestätigte er den Domherren zu Brandenburg auf Pergament ihren Besitz und ihre Rechte. „Vrisac“ ist ebenso dabei wie Kremmen, Rhinow, Rathenow oder Oranienburg. Allerdings hatte man in Friesack dieses Jubiläum bisher nicht so richtig im Blick.

„Wir haben die Ersterwähnung nie gefeiert“, begründete Heimatvereinsvorsitzender Günter Kirchert. Auch diesmal wird dies nicht der Fall sein – auch wenn die Stadt noch ein wenig Zeit hätte, sich zu entscheiden. Denn als Datum der Ersterwähnung ist der 28. Dezember 1217 angegeben, wie auch Georg Ernst Bardey in seinem 1894 erschienenen Büchlein „Geschichte von Stadt und Ländchen Friesack“ erwähnte. „In der damaligen Zeitrechnung begann das neue Jahr immer am 25. Dezember, also war es schon 1217. Für uns galt deshalb auch immer dieses Jahr, obwohl es nach heutiger Zeitrechnung noch 1216 war“, erklärte Kirchert und fügte hinzu, dass in Friesack aber regelmäßig das Stadtjubiläum gefeiert wurde. „Ich denke, wir werden zur 700-Jahr-Feier 2027 wieder etwas machen“.

Denn das Städtchen hat durchaus Geschichte geschrieben, von der Raubritterdynastie der Quitzows spricht man noch heute. In einem Atemzuge muss man dabei natürlich auch den Befreier, den Kurfürsten Friedrich I., nennen. Der Urvater der märkischen Hohenzollern hatte 1414 – damals noch als Friedrich VI., Burggraf von Nürnberg – den Raubritter Dietrich von Quitzow zum Teufel gejagt. Mit Hilfe seiner Kanone „Faule Grete“ soll er die Burg Friesack eingenommen haben. Die Hohenzollern haben ihm 1894 auf dem Denkmalsberg ein Denkmal gestiftet. „Die Quitzow-Zeit hat Friesack in ganz Deutschland bekannt gemacht.“

Die Originalskulptur ist 1945 jedoch verschwunden. So ist Günter Kirchert immer noch stolz darauf, dass es mit der Neugestaltung des Hohenzollernparks geklappt hat und auf dem Denkmalssockel seit 2012 wieder eine Bronze-Figur von Friedrich I. steht. „Das wird gut angenommen von den Leuten“, sagt der Vereinschef. Er hat nicht unwesentlichen Anteil daran, dass es wieder eine solche Skulptur gibt, es stand immer wieder auf der Kippe. Letztlich wurde sie in Thailand hergestellt, musste aber zweimal gegossen werden. In Hamburg angekommen, war sie wieder zurückgeschickt worden und hatte den Seeweg nicht überstanden.

Ältestes Zeugnis im Besitz des Heimatvereins ist ein altes Siegel aus der Zeit der Ersterwähnung. Darauf steht: Vriesach. Es war zu DDR-Zeiten bei Erdarbeiten auf dem Gelände des Gaswerkes Friesack gefunden worden. Wem es einst gehörte und wozu es diente, weiß auch Günter Kirchert nicht.

Noch älter sind allerdings Funde, die auf die Ur-Friesacker hinweisen, die vor 6000 bis 11 000 Jahren in der Gegend gelebt haben. Auf einer Anhöhe am Rhin entdeckte man unter anderem alte Netze und Tierknochen, aber auch Pfeilspitzen und Arbeitsgeräte aus Stein sowie Produkte aus Holz und Baumrinde. „Das war damals schon eine richtige Sensation, eine Goldgrube für Archäologen“, sagte Kirchert. Angefangen wurde mit den Grabungen bereits während des ersten Weltkrieges. Aber vor allem ab Ende der 70er-Jahre stieg die Grabungsmenge stark an. „Mit der Melioration kam man in Regionen, die vorher unter Wasser lagen“, sagte Kirchert. So entdeckte man Dinge, die Jahrtausende im Torf konserviert waren.

Was heute kaum jemand weiß: Friesack war auch einmal für ganz kurze Zeit Luftkurort. „Das war Ende der 20er-Jahre des vorigen Jahrhunderts“, so der Vereinschef. Viele Berliner – vor allem Proletarier – hätten in Verbindung mit Urlaub auch gleich preiswert eine Kur gemacht, auch wenn es kein Sanatorium gab. „Die Luft der Kiefernwälder war gut für die Atemwege", so Kirchert. Wer noch mehr über Friesacks 800-jährige Geschichte wissen will, den lädt er ein, das Heimathaus am Markt zu besuchen.

Von Andreas Kaatz

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