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Havelland RWG reißt Block im Bruno-Baum-Ring ab
Lokales Havelland RWG reißt Block im Bruno-Baum-Ring ab
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02:15 15.10.2017
Der Abriss des Blocks im Bruno-Baum-Ring 87-95 hat begonnen. Quelle: Markus Kniebeler
Rathenow

Es ist das Ende einer Geschichte – einer Geschichte, die vom Wandel eines Stadtteils erzählt. In Rathenow-Ost haben die Abrissarbeiten an dem Wohnblock der Rathenower Wohnungsbaugenossenschaft (RWG) im Bruno-Baum-Ring 87-95 begonnen. Es ist das letzte große Abrissvorhaben im östlichsten Teil der Stadt. Bis zum Jahresende soll der 1972 errichtete Riegel, in dem sich 90 Wohnungen befinden, dem Erdboden gleichgemacht sein. „Das ist definitiv der letzte Block, den wir in Rathenow-Ost abreißen lassen“, sagt Uwe Hummel, Vorstandsvorsitzender der RWG.

Wer lange nicht in Rathenow war, der wird das Stadtgebiet östlich des Friedrich-Ebert-Rings nicht wiedererkennen. Der Zeitpunkt, von dem an sich alles änderte, war das Jahr 2002. Da legte der Bund das Förderprogramm Stadtumbau Ost auf mit dem Ziel, den kommunalen Wohnungsunternehmen beim Abriss leer stehender Wohnungen unter die Arme zu greifen.

RWG-Chef Uwe Hummel. Quelle: Kniebeler, Markus

Vor allem in Rathenow-Ost wurde diese Hilfe dringend benötigt. Die Stadt war nach der Wende um rund 6000 Einwohner geschrumpft. Vor allem aus Rathenow-Ost, jenem Stadtteil, der Anfang der 70er-Jahre errichtet worden war und über die Region hinaus als Vorzeige-Neubaugebiet bewundert wurde, zogen die Menschen weg.

Die Leerstandsquote der beiden größten Wohnungsunternehmen der Stadt – KWR und RWG – nahm wirtschaftlich bedrohliche Formen an. „Ohne den geförderten Rückbau von Wohnungen wäre es kaum möglich gewesen, diesen Einbruch zu verkraften“, sagt Hummel.

Ohne große Pausen waren die Abrissbagger seit 2005 in Rathenow-Ost im Einsatz. 4,4 Millionen Euro aus dem Stadtumbauprogramm wurden von KWR und RWG, den beiden größten Vermietern der Stadt, abgerufen, um rund 1500 Wohnungen vom Markt zu nehmen. Nicht nur die Wohnblocks verschwanden, sondern auch die Straßen, an denen sie standen. Die Klara-Zimmermann-Straße etwa, erst Ende der 70er-Jahre angelegt, um den Mietern den Weg zu 310 heiß begehrten Neubauwohnungen zu bahnen, gibt es seit dem Sommer 2007 nicht mehr. Heute befindet sich dort die größte Photovoltaik-Anlage Rathenows.

Bis zum Jahresende soll der Block verschwunden sein Quelle: Kniebeler, Markus

Wer von Abriss redet, der darf über Aufwertung nicht schweigen. Rathenow-Ost wurde längst nicht komplett geschleift. Die rund 900 Wohnungen, die noch da sind, wurden fast alle modernisiert. Allein die RWG hat in den vergangenen 15 Jahren 40 Aufzüge installieren lassen, um ihren Mietern den Weg in die Wohnungen zu erleichtern. Neue zeitgemäße Grundrisse, barrierefreie Wohnungen, energetische Sanierung – die Wohnungen von RWG und KWR sind wieder heiß begehrt. Von einem Leerstandsproblem kann in Rathenow-Ost keine Rede mehr sein.

Und dass Abriss eben nicht alles ist, kann mit Zahlen belegt werden. Den 7,5 Millionen Euro aus dem Programm Stadtumbau Ost, die zwischen 2002 und 2016 für Abrissvorhaben nach Rathenow flossen, stehen 12,5 Millionen Euro aus demselben Programm gegenüber, die Rathenow für die Aufwertung städtischer Lebensräume erhielt. Die Neugestaltung des Märkischen Platzes und der Berliner Straße etwa oder der Bau des Georg-Penning-Platzes konnten mithilfe des Stadtumbauprogramms realisiert werden.

Ende 2016 lief das Programm Stadtumbau Ost aus. Aber es gibt eine Neuauflage. Städte, die Geld aus dem Fördertopf erhalten wollen, müssen sich bewerben. „Grundvoraussetzung für die Aufnahme in das Förderprogramm ist der Nachweis eines integrierten Stadtentwicklungskonzepts“, sagt Rathenows Bauamtsleiter Matthias Remus. Außerdem müsse eine Stadtumbaustrategie vorgelegt werden. All das wird im Rathaus derzeit vorbereitet.

Weil es in Rathenow kein echtes Leerstandsproblem mehr gibt, wird Abriss in der neuen Förderperiode nicht mehr das vorherrschende Thema sein. Vielmehr wird es um die Aufwertung städtischer Wohnquartiere gehen. Dass in dieser Hinsicht in Rathenow noch einiges verbessert werden kann, wird niemand bezweifeln.

Abriss bis zum Jahresende

Der Wohnblock der RWG im Bruno-Baum-Ring 87-95 wurde im Jahr 1972 errichtet. Damals waren die 90 Wohnungen, die an das Fernwärmenetz der Stadt angeschlossen waren, heiß begehrt.

Die Entkernung des Blocks hat im August begonnen. Aus dem Gebäude wurde nahezu alles entfernt, was nicht aus Stein oder Beton ist.

27 900 Kubikmeter umbauter Raum, die 5000 Quadratmeter Wohnfläche umschließen, werden bis Ende des Jahres weggebaggert und entsorgt.

Rasen wird auf der frei werdenden Fläche angepflanzt. Bebaut werden darf das Grundstück vorerst nicht mehr. Die Straße bleibt erhalten, weil sie zu der dahinter liegenden Photovoltaik-Anlage führt.

Von Markus Kniebeler

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