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Radfahrer haben keine Knautschzone

Tag des Radfahrens Radfahrer haben keine Knautschzone

Früher ist er professionell Rad gefahren, und auch heute lässt der Falkenseer Heiko Latocha das Rad keinen Tag stehen. Es ist für ihn die beste Art sich fortzubewegen. MAZ sprach mit ihm aus Anlass des Tages des Radfahren über die Schönheit und die Gefahren des Radelns.

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Heiko Latocha ist ein Naturmensch. Er ist sich sicher: Radfahren tut allen gut.

Quelle: Foto: Marlies Schnaibel

Falkensee. Er radelt und radelt. Heiko Latocha wohnt in Falkensee. Aufgewachsen ist er in Stahnsdorf, er war einer der erfolgreichsten deutschen Amateurradfahrer. Er ist in seiner aktiven Zeit rund 500 000 Kilometer mit dem Rad gefahren. Karate, Laufen, Turnen gehören heute zu seinem sportlichen Alltag. Das Radfahren hat ihn aber nicht losgelassen.

MAZ: Heute schon Radgefahren?

Heiko Latocha: Ja. Ich fahre jeden Tag. Fast ohne Ausnahme. Morgens begleite ich meine Kinder mit dem Rad auf dem Weg zur Schule.

Sie wohnen ein Stück außerhalb von Falkensee, fast Alt-Brieselang, dann müssen die Kinder also die viel befahrene Landestraße L 201 entlang. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Latocha: Naja, unterschiedliche. Es gibt rücksichtsvolle Fahrer, gerade, wenn sie Kinder sehen. Aber die Straße ist hier eng und kurvig, da gibt es eben auch Autofahrer, die mehr als die erlaubten 80 kmh fahren, die leichtsinnig überholen und plötzlich bei Gegenverkehr den Radfahrer bedrängen.

Trotz der Gefahr fahren Sie und Ihre Kinder aber Rad?

Latocha: Es sprechen mehr Argumente dafür als dagegen.

Was spricht aus Ihrer Sicht dafür?

Latocha: Ich bin gern in der Natur, und der kommt man als Radfahrer näher, als wenn man in einem Auto sitzt. Man sieht mit dem Rad mehr, nimmt die Umwelt anders wahr, hat einen anderen Blickwinkeln. Und es ist da der ökologische Aspekt. Nicht jede Tour muss mit dem Auto zurückgelegt werden. Und dann ist da natürlich der sportliche Grund, Radfahren ist gut für die Ausdauer, ist gut, den Kreislauf zu trainieren, für die Figur. Und es ist gelenkschonend. Jeder kann sich seinen Beweggrund heraussuchen.

Kann man überall radeln?

Latocha: Im Prinzip schon. Aber natürlich unterschiedlich gut.

Wo fahren Sie am liebsten Rad?

Latocha: Im Wald und auf Straßen, wo wenig Autos unterwegs sind. Das passt nicht immer. Ich bin Vielfahrer, da kenne ich gute wie schlechte Radbedingungen, auch in den Städten sind die Bedingungen für Radfahrer sehr unterschiedlich.

Wie schätzen Sie die Bedingungen in Falkensee ein?

Latocha: Als ich vor 17 Jahren hierherzog, dachte ich: Grüne Stadt, Radfahrerstadt, da entwickelt sich was. Ich habe mich auch in der Lokalen Agenda eingebracht, bin aber enttäuscht, dass so wenig passiert. Falkensee ist eine flächenmäßig große Stadt, da bietet sich das Radfahren an, aber auf vielen Straßen ist es kreuzgefährlich. In Potsdam dagegen habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht. Ich plädiere zum Beispiel dafür, auf den Straßen einen Bedarfsstreifen für Radfahrer aufzutragen. In Potsdam und anderen Städten funktioniert das sehr gut. Man sollte sich nicht nur auf den prestigeträchtigen Radweg der Sympathie konzentrieren.

Sind Sie unfallfrei durch Ihr Leben gekommen?

Latocha: Nein, als Profi stürzt man schon des Öfteren. Und auch jetzt, wo ich täglich fahre, kann es zu Unfällen kommen. Ich muss als Radfahrer für die anderen mitdenken – für die Autofahrer, die Fußgänger, die Hunde. Es geht ja um meine Sicherheit und mein Leben. Radfahrer haben keine Knautschzone.

Fahren Sie mit Helm?

Latocha: Schon wegen der Kinder, wegen der Vorbildwirkung.

Ist der Autofahrer der natürliche Feind des Radfahrers?

Latocha: Ich glaube nicht. Jeder Autofahrer sollte sich freuen, wenn er einen Radfahrer sieht. Sonst würde der nämlich auch noch im Auto sitzen und die Straßen verstopfen. Na und fast jeder Autofahrer hat bestimmt auch ein Fahrrad zuhause. Er sollte es einfach mal wieder herausholen und selbst einige Radelerfahrungen sammeln. Dann weiß er, wie gefährlich Radfahren sein kann, aber auch wie schön.

Was ist Radfahren für Sie?

Latocha: Es ist ein toller Sport. Ich bin immer noch begeistert und werde radfahren, so lange es geht.

Heiko Latocha als Rentner auf dem E-Bike? Ist das vorstellbar?

Latocha: Neulich hat mich ein älterer Herr mit so einem Rad überholt. Da hab ich doch geguckt. Aber wirklich, ich halte E-Bikes für eine gute Sache. Etwa wenn Leute mit unterschiedlichem Leistungsvermögen gemeinsam unterwegs sein wollen, oder wenn man im Alter noch radeln will, aber manche Steigung alleine nicht mehr schafft. Und wer weiß, irgendwann steht dann auch bei Latochas so ein Rad neben den anderen Rädern. Aber bis dahin werde ich noch eine ganze Weile mit einem Tourenrad, Mountainbike oder Rennrad unterwegs sein.

Der Tag des Radfahrens

Der Europäische Tag des Fahrrades findet seit 1998 statt. Anlass waren immer mehr Probleme durch motorisierte Fahrzeuge. Er wurde von der ATTAC (Vereinigung für eine Besteuerung von Finanztransaktionen zum Nutzen der Bürger) ins Leben gerufen.

Das Fahrrad gilt als umweltfreundliches, gesundes, sozial verträgliches Fortbewegungsmittel. Das soll im Umfeld des Rad-Tages propagiert werden.


Von Marlies Schnaibel

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