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Havelland Rastplätze von Austrocknung bedroht
Lokales Havelland Rastplätze von Austrocknung bedroht
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00:25 13.11.2015
Ganz ohne Nebel – auf den kleineren Rastplätzen im Osthavelland kommen in der Saison rund 1000 bis 3500 Kraniche zusammen. Quelle: Konrad Radon
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Brädikow

Dichte Nebelschwaden wabern über die Luchsiedlung in Brädikow. Eine gespenstische Stille liegt über dem Kranichrastplatz Jahnberge. Nur vereinzelt ist der typische Ruf oder ein entferntes Flattern zu hören. Plötzlich tauchen zwei Scheinwerfer aus dem Nebel auf und kommen direkt auf mich zu. Mit einem warmen Lächeln steigt Anke Goersz aus ihrem Wagen und begrüßt mich in dieser unwirklichen Umgebung. „Na da haben wir uns ja einen guten Tag ausgesucht“, lacht die Kranichexpertin. Wir lassen uns nicht entmutigen und gehen trotzdem auf Beobachtungstour.

„Manchmal lassen sie sich relativ nah an der Straße blicken, denn mit Autos an sich haben sie eigentlich kein Problem. Nur wenn sie geblendet werden oder es zu laut ist, werden sie aufgescheucht.“ Seit 15 Jahren arbeitet Anke Goersz ehrenamtlich als Kranichschützerin im Gebiet Rhin-Havelluch, das die Wiesen, Felder und Seen zwischen Nauen Flatow, Linum und Fehrbellin einschließt und das größte Rastplatzgebiet in Europa ist. Auf sechs Schlafplätzen verbringen bis zu 100 000 Kraniche gleichzeitig die Nacht. „Das Rhin-Havelluch liegt auf der westlichen Zugroute von Skandinavien, über die Boddenküste, nach Frankreich und Spanien. Bis zu 10 000 Vögel überwintern sogar hier.“ Die vielen Mais- und Getreidefelder, auf denen die Kraniche nach der Mahd ihre Nahrung finden, sowie die vielen Feuchtwiesen und die Niedermoorlandschaft des Rhinluchs ziehen die Vögel an.

Hauptaufgabe von Anke Goersz ist auch die Aufklärung der vielen Kranichtouristen. Quelle: Laura Sander

„Das erste Mal habe ich in den 1990er Jahren Kraniche bewusst wahrgenommen. Sie haben mich sofort fasziniert.“ Ihre Grundkenntnisse in Sachen Kranichschutz erlernte die 75-Jährige zum einen in Linum, dem größten Rastplatz in der Region, und zum anderen von Horst Schreiber, der den Schlafplatz in Nauen betreut. Einmal in der Woche zählt Anke Goersz die Vögel. „Dafür stelle ich mich auf die Bahnbrücke hier in Brädikow und zähle sie beim Anflug auf den Schlafplatz. Heute können wir das allerdings vergessen“, lacht das engagierte Mitglied der Kranichschutzgruppe Osthavelland. Nur die Umrisse einiger verschlafener Kühe lassen sich von der Bahnbrücke erahnen.

Mit Aufklärungsarbeit verbringt die 75-Jährige die meiste Zeit. Viele Kranichtouristen kommen während der Saison ins Havelland, um die sogenannten Vögel des Glücks zu beobachten. Sie wollen den Kranichen nahe sein, sie aus nächster Nähe fotografieren und begehen so einen fatalen Fehler. „Die Tiere werden aufgescheucht und geraten in Panik. Dabei können sie sich verletzten und kommen im schlimmsten Fall nicht mehr zurück.“ Um die Menschen genau davon abzuhalten, hat Goersz drei Infotafeln initiiert, die im September rund um den Schlafplatz Jahnberge aufgestellt wurden. Denn die Sicherung der Schlaf- und Vorsammelplätze ist wohl die wichtigste Aufgabe der Kranichschutzgruppe, in der derzeit 16 Mitglieder aktiv sind. „Erst vor zwei Jahren wurde das Rhin-Havelluch zum Naturschutzgebiet ausgerufen. Und das nach langem Hin und Her“, so Goersz. Trotzdem gibt es immer weniger kleine Schlaf- und Landeplätze in der Region. „Die kleineren Plätze sind für die Vögel viel artgerechter, als die Konzentration auf wenige große. Sie sind weniger belastend für Tier und Anwohner.“ Die Trockenheit auf vielen Flächen ist dabei das größte Problem. „Kraniche brauchen sumpfige Wiesen, da ihnen das Wasser ein Gefühl von Sicherheit gibt. Die Vernässung einiger geschützter Flächen würde schon reichen – die Investitionsbereitschaft liegt jedoch bei null.“

Die Vögel des Glücks

Kraniche erreichen eine Höhe von etwa 110 bis 130 Zentimetern und wiegen fünf bis sieben Kilogramm. Ihr Flügelspannweite beträgt etwa 220 bis 245 Zentimeter.

Die Schreitvögel sind ausdauernde Flieger und können bis zu 2000 Meter nonstop zurücklegen. Tagesetappen von zehn bis 100 Kilometer sind jedoch die Regel.

In Deutschland gibt es etwa 100 regelmäßig besuchte Schlafplätze, 28 davon in Brandenburg und sechs im Rhin-Havelluch mit maximal 100 000 Kranichen.

Um seine Energiereserven wieder aufzufüllen, benötigt der Kranich etwa 300 Gramm Nahrung. Im Herbst sind Ernterückstände und Neusaaten sowie Insekten der Hauptbestandteil seiner Ernährung.

Die Tiere sind lebenslang monogam, bis auf einige Ausnahmen. In Brandenburg gibt es etwa 2500 Brutpaare, davon 150 im Havelland.

Am 3. November zählte Anke Goersz 5180 Kraniche am Schlafplatz Jahnberge. Offizielle Zahlen der wöchentlichen Zählungen gibt es unter www.grus-grus.com

Und auch die Nahrungssicherung wird für die Tiere immer problematischer, da viele Mais- und Getreidefelder direkt nach der Ernte umgebrochen und mit Gülle belegt werden. „Würden die Landwirte ihre Felder nach der Mahd noch drei Wochen stehen lassen, würde das den Tieren vollkommen ausreichen und die Landwirte könnten sich davor schützen, dass sich die Kraniche an der frischen Saat bedienen.“ Und auch Gebiete mit Windkrafträdern gehen als Äsungsflächen verloren, weil sie von den Tieren gemieden werden. „Besonders gefährlich sind jedoch Photovoltaikanlagen in Schlafplatznähe. Die Vögel werden geblendet oder halten die Anlagen für Wasser - die Kollisionsgefahr ist sehr hoch“, so die 75-Jährige, die plötzlich innehält und zielsicher in den Nebel zeigt. Ich kneife die Augen zusammen und tatsächlich – ganz nah an der Straße staksen rund 20 Kraniche über die Wiese. Nach wenigen Augenblicken verschwinden sie wieder in der weißen Wand – es ist Schlafenszeit.

Von Laura Sander

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