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Rathenow: Besondere Brillen als Leihgabe

Scharnbeck GmbH Rathenow: Besondere Brillen als Leihgabe

Das Optik-Industrie-Museum in Rathenow weist Besucher immer wieder gern auf einige Brillenfassungen hin, die es als Leihgaben der Scharnbeck Optik GmbH bekam. Dieses vor nunmehr 120 Jahren gegründete Unternehmen ist die älteste Firma der Optik- und Feinmechanik-Branche in der Stadt, die heute noch produziert.

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Einige Leihgaben der Firma Scharnbeck im Rathenower Optik-Industrie-Museum.

Quelle: Bernd Geske

Rathenow. In Rathenow, der „Stadt der Optik“, will das was heißen: Die Scharnbeck GmbH, die vor 120 Jahren gegründet wurde, ist das älteste noch immer produzierende Unternehmen der Optik- und Feinmechanikbranche in der Stadt. Deshalb ist es für das Optik-Industrie-Museum im Dachgeschoss des Kulturzentrums von besonderer Bedeutung, unter den gezeigten Exponaten auch einige Leihgaben der Scharnbeck Optik GmbH zu haben. „Wir haben sieben Brillenfassungen von dieser Firma hier“, berichtet Museumsleiterin Bettina Götze, „und freuen uns, damit einige besonders interessante Stücke zeigen zu können.“

Sie nennt zuerst eine Golddoublé-Brillenfassung aus den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts, der einst das Prädikat „flexibler als Titanflex“ zuerkannt worden ist. Gemeint ist damit, dass der Brücke der Fassung (Bügel über der Nase) eine solche Elastizität zugeschrieben wird, dass man sie äußerst weit biegen kann, sie sich aber danach trotzdem von alleine wieder höchst elastisch in ihre Ausgangsposition zurück bewegt – ohne Spuren der Extremauslenkung aufzuweisen.

Flexibler als Titanflex

Selbstverständlich verzichten die Museumsverantwortlichen heute auf Versuche, um dieses alte Qualitätsmerkmal zu überprüfen. Alle Exponate werden sorgsam behandelt.

Hannelore Scharnbeck an der Traditionstafel der Firma, die zu deren 100-jährigem Bestehen  angefertigt wurde

Hannelore Scharnbeck an der Traditionstafel der Firma, die zu deren 100-jährigem Bestehen angefertigt wurde.

Quelle: Bernd Geske

Eine weitere interessante Leihgabe der Scharnbeck Optik GmbH ist eine sogenannte „Wendebrille“. Sie hat zwei Stege über der Nase und ihre Bügel lassen sich nach diesseits und jenseits der Gläser klappen. Man konnte einst also von hier und da durch die Brille schauen. Wozu so etwas geschaffen wurde, konnte gegenwärtig noch niemand so richtig erklären. Heute baut das keiner mehr. Nicht zuletzt zeigt das Optik-Industrie-Museum noch drei Brillenfassungen, die in den siebziger Jahren von der Firma Scharnbeck für die Interflug und die Deutsche Reichsbahn der DDR gefertigt wurden.

Nach einer Zwangsverstaatlichung musste sie in dieser Zeit den Namen „VEB Metallbrillen“ tragen. „Wenn Besucher in unser Museum kommen“, berichtet Bettina Götze, „fragen sie oft nach den besonderen Dingen.“ In Rathenow seien ja sehr viele verschiedene Brillenfassungen hergestellt worden, sagt sie. Die Leihgaben von der Scharnbeck GmbH würden sich immer als etwas Außergewöhnliches zeigen lassen.

Der heutige Geschäftsführer Stefan Scharnbeck (stehend)

Der heutige Geschäftsführer Stefan Scharnbeck (stehend).

Quelle: Bernd Geske

„Mit Goldbrillen hat einst alles angefangen“, erzählt Hannelore Scharnbeck, die letztes Jahr 81 geworden ist. Ihr Sohn Stefan führt jetzt das Unternehmen. Georg Scharnbeck sei damals Goldschmied und Brillenmacher gewesen. Eine Brille sei da noch ein Gegenstand gewesen, den sich nur wenige Leute leisten konnten.

Später dann, bis zum Ersten Weltkrieg etwa, wurden die Brillen nicht mehr komplett aus Gold gebaut, sondern aus Doublé. Das ist ein Grundmetall mit einer Goldbeschichtung. Nach dem Krieg sei „Neusilber“ (Nickel) als Material verwendet worden. Gold habe sich niemand mehr leisten können. In den Jahren nach der Weltwirtschaftskrise sei die Fassungsproduktion dann stark gewachsen.

Nicht mehr aus Gold, sondern aus Doublé

Einen Einbruch erlebte die Firma Scharnbeck natürlich während des Zweiten Weltkrieges. Nach dessen Ende sei die Produktion zwar noch 1945 schnell wieder aufgenommen worden, berichtet Hannelore Scharnbeck. Doch habe sich bald heraus gestellt, dass die sozialistischen Produktionsverhältnisse zu Hemmnissen wurden. Es gibt einen Brief als „Warnruf“ einer Rathenower Fabrikanten-Gruppe vom Oktober 1945 an die Landesverwaltung, dass die „volle und freie Entfaltung der Unternehmerinitiative“ nicht behindert werden dürfe.

Auch Karl Scharnbeck hat mit unterzeichnet. 1972 ist die Firma zwangsverstaatlicht worden. 1991 gründete dann Hans Scharnbeck, der vor einigen Jahren verstorbene Ehemann von Hannelore Scharnbeck, mit seinem Sohn Stefan die Firma Scharnbeck wieder neu. Sie hat gegenwärtig 15 Beschäftigte.

Von Bernd Geske

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