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Rathenow: Gereizte Stimmung bei Asyl-Demos

Massives Polizeiaufgebot Rathenow: Gereizte Stimmung bei Asyl-Demos

Gleich zwei Demonstrationen zogen am Samstag unter massivem Polizeiaufgebot durch Rathenow. Rund 400 Menschen folgten dem Aufruf des asylkritischen, so genannten, Bürgerbündnisses und kamen zu einer Kundgebung auf dem Märkischen Platz. Derweil formierte sich ein breiter Protestzug gegen die Rechten. Konnte er sich Gehör verschaffen?

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Für ein buntes Rathenow demonstrieren Protestler gegen das Bürgerbündnis.

Quelle: C. Schmidt

Rathenow. Er wollte den Protest auf die Straße holen, ihn auf eine nationale Ebene heben, um die Stimmen aller Patrioten zu vereinen. Rathenow sollte der Ausgangspunkt für eine deutschlandweite Bewegung werden. So hatte es sich Nico Tews, der Havelländer, der das Bürgerbündnis Deutschland ins Leben rief, gewünscht. Seit Samstag ist klar: Dieses Land hat entweder nur sehr wenige Patrioten oder Tews hat die Menschen, die er erreichen wollte, nicht mobilisieren können. Nur etwas mehr als 400 Menschen skandierten am Samstagnachmittag einhellig „Merkel muss weg“, „Lügenpresse“ und ähnliche bekannte Parolen.

Liveticker zum Nachlesen: Demotag in Rathenow>>

Unter den Demonstranten waren viele von auswärts Angereiste, die sich mit Bannern zu ihren Heimatbewegungen bekannten: „Asylhütte Potsdam? Kannste knicke!“, Asylhütte Ketzin? Kannste knicke!“, Burg gegen Asylmissbrauch, Nationaler Widerstand Genthin, „Einsiedel sagt Nein“ und „Niederdorf sagt nein zum Heim“. Vor allem Sachsen und Sachsen-Anhalt waren auf der Bühne und im Publikum stark vertreten. Ein Reisebus mit Dresdener Nummernschild spuckte gleich ein ganzes Pulk von Menschen mit Bannern und Flaggen aus.

Demonstration auf dem Märkischen Platz

Demonstration auf dem Märkischen Platz.

Quelle: C. Schmidt

Nur wenige Meter von den Asylgegnern entfernt, hatte sich das Aktionsbündnis Rathenow auf dem August-Bebel-Platz positioniert. Auch hier standen rund 400 Menschen. Zum einen Rathenower Bürger, zum anderen Unterstützer aus Potsdam, Nauen, Brandenburg an der Havel und Sachsen-Anhalt sowie Teilnehmer eines Demonstrationszuges, der gegen 13 Uhr vom Bahnhof in die Innenstadt zog, um sich dann der Kundgebung auf dem August-Bebel-Platz anzuschließen. Auf den ersten Blick waren beide Seiten ähnlich ausgestattet: Bühne, Livemusik, Fahnen, Bratwürste und zahlreiche Redner – und dennoch hätten die Botschaft nicht unterschiedlicher sein können: „Rathenow ist bunt“ und „Hass ist keine Alternative für Deutschland“ hieß es auf dem August-Bebel-Platz. „Wir wollen keine Asylantenheime“ auf dem Märkischen Platz.

Asylgegner  ziehen mit Parolen durch Rathenow

Asylgegner ziehen mit Parolen durch Rathenow.

Quelle: C. Schmidt

Während beim Aktionsbündnisses dieses Mal auch Rathenower Unternehmer Gesicht zeigten, wurde auf der Seite der Asylgegner der neonazistische Einfluss noch deutlicher. Hier liefen Westhavelländer neben dem wegen Körperverletzung vorbestraften NPD-Mann Dave Trick aus Neuruppin, dem mehrfach vorbestraften Rathenower Stadtverordneten Michel Müller (NPD) und weiteren einschlägig Bekannten aus der rechtsextremen Szene.

Die Stimmung war gereizt, vor allem als die Asylgegner mit ihrem „Spaziergang“ am August-Bebel-Platz vorbeizogen. Beschimpfungen auf beiden Seiten, aggressive Gesichter und Polizisten unter Anspannung. Auf der Seite des Aktionsbündnisses kam es zu einem kurzen Zwischenfall. Ein Demonstrant schmiss eine Flasche und wurde daraufhin sofort von Einsatzkräften gestellt. Ansonsten verliefen die Kundgebungen nicht zuletzt auch wegen des massiven Polizeiaufgebots friedlich.

Spätestens seit Samstag sei klar, das Bürgerbündnis Deutschland trage seinen Namen zu Unrecht, denn eine Gruppe von rund 400 Menschen könne unmöglich ein Land mit rund 80 Millionen Einwohnern repräsentieren, erklärten Beobachter der Proteste. „Ein großartiger Tag. Ein Riesenerfolg für uns und eine herbe Enttäuschung für das Bürgerbündnis Deutschland, das nicht viel mehr Menschen auf den Platz bekommen hat als wir“, resümierte Robert Güse vom Aktionsbündnis.

Von Christin Schmidt

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