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Havelland Kriege, Seuchen und andere Katastrophen
Lokales Havelland Kriege, Seuchen und andere Katastrophen
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19:25 12.05.2016
Professor Frank Göse vor seinem Vortrag im Blauen Saal. Quelle: Markus Kniebeler
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Rathenow

Die Angst vor Terror, Gewalt und Naturkatastrophen hat sich auch in unseren Breiten in den vergangenen Jahren verstärkt. Allerdings ist das kein neues Phänomen. Wenn man den Blick in die Vergangenheit richtet, erkennt man, dass es dieses Bedrohungsgefühl immer wieder gegeben hat – und oft war die Angst damals begründeter als sie es heutzutage ist.

Darauf wies der Potsdamer Historiker Frank Göse am Dienstagabend im Blauen Saal des Kulturzentrums hin. Als vierter Referent der Vortragsreihe „8 für 800“ befasste er sich mit dem märkischen Städtewesen in der Frühen Neuzeit. Und am Beispiel Rathenows machte er deutlich, dass die Menschen in der Epoche zwischen Luther und Napoleon allen Grund zu Besorgnis hatten. Denn an Bedrohungen vielfältigster Art herrschte kein Mangel. Grassierende Epidemien, verheerende Brände und katastrophale Überschwemmungen wurden für die Menschen zur existenzbedrohendem Gefahr.

Und mit dem Ausbruch des 30-jährigen Krieges im Jahr 1618 kam ein menschengemachtes Risiko dazu. Mehrfach tobten auch in Rathenow kriegerische Auseinandersetzungen. Und wenn man sich vor Augen hält, dass es in Rathenow über 70 Jahre dauerte, bis die Bevölkerungszahl wieder den Vorkriegsstand erreicht hatte, dann bekommt man eine Ahnung davon, wie gravierend die Auswirkungen des Krieges damals waren.

Ein Panoptikum krimineller Verhaltensweisen

Doch laut Göse waren es nicht allein die direkten kriegerischen Handlungen, die das Leben der Menschen prägten. Auch auf die Mentalität und das Lebensgefühl habe der Krieg einen prägenden Einfluss gehabt. Die ständige Konfrontation mit der Gewalt und ihren Folgen habe einerseits zu einer permanenten Verunsicherung der Menschen geführt. Andererseits sei durch den Gewöhnungseffekt die Hemmschwelle der Menschen gesunken, Konflikte ihrerseits mit Gewalt zu lösen. Wer Gerichtsakten der damaligen Zeit studiere, vor dem entfalte sich das gesamte Panoptikum krimineller Verhaltensweisen: Schlägereien, Diebstahl, Vergewaltigung, Inzucht, Raub – der Rathenower in der frühen Neuzeit war kein Kind von Traurigkeit, um es flapsig auszudrücken.

Frank Göse (Mitte), umringt von seinen Gastgebern: Bürgermeister Ronald Seeger, Schulleiterin Anke Koch, Kulturzentrumschefin Bettina Götze und Geschichtslehrer Udo Geiseler. (v.li.) Quelle: Markus Kniebeler

Frank Göse machte aber auch deutlich, dass die Stadtoberen Rathenows nicht bereit waren, diese Verrohung der Sitten widerstandslos hinzunehmen. Aus den Beschlüssen und Erlässen des Stadtrates spreche das Bemühen, den Frieden innerhalb der Stadt zu bewahren. Das Ideal der Eintracht, lateinisch Concordia, sei Leitfaden des politischen Handelns gewesen.

Vom Beginn des 16. Jahrhunderts bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts habe sich das Bemühen der Stadtführung, die Geschicke eigenverantwortlich zu regeln, übrigens kontinuierlich verstärkt. Rathenow sei, wie andere märkische Städte, mit zunehmender wirtschaftlicher Kraft selbstbewusster geworden und habe sich sogar getraut, Vorgaben des Königs zu widersprechen. Der Geist der revolutionären Bewegungen des 19. Jahrhunderts mit seinem Infragestellung der Obrigkeit habe sich eben nicht aus dem Nichts entwickelt.

Die Zuhörer im nahezu voll besetzten Blauen Saal folgten den Ausführungen des Historikers mit großem Interesse. Der war von diesem Interesse angenehm überrascht. „Wir haben draußen 26 Grad, und Sie sind trotzdem gekommen. Das freut mich und das ehrt mich“, sagte er, ans Publikum gewandt. Und fügte, um die Wucht des Kompliments zu erhöhen, hinzu: „In Potsdam wären zu einem solchen Vortrag vielleicht 30 Leute erschienen.“

Halbzeit bei „8 für 800“

Frank Göses Vortrag war der vierte der Veranstaltungsreihe „8 für 800“, die am 9. Februar mit dem Referat Lutz Partenheimers über die Ersterwähnung Rathenows begann und am 8. November mit einem Vortrag von Wolfgang Bleis zur Entwicklung Rathenows von einer mittelalterlichen Burg zur modernen Kreisstadt endet.

Udo Geiseler, Geschichtslehrer am Jahn-Gymnasium, ist der nächste Vortragende in der Reihe. Am 14. Juni wird er im Blauen Saal auftreten. Thema seines Vortrags: „Nähe und Ferne – Rathenow, das Havelland und die Residenzlandschaft Berlin-Potsdam in der Frühen Neuzeit.“

Wie alle Veranstaltungen der Reihe findet der Vortrag im Blauen Saal des Kulturzentrums statt und beginnt um 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Von Markus Kniebeler

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