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Rathenow: Hasen-Therapie für Demenzkranke

Ostern Rathenow: Hasen-Therapie für Demenzkranke

Im Seniorenhilfezentrum der Volkssolidarität Rathenow sind seit einem Jahr zwei Hasen als Therapie-Tiere für die demenzkranken Bewohner eingesetzt. In der Osterzeit wird ihnen viel Aufmerksamkeit zuteil. Sehr kuschelig ist die Häsin, genannt die „Diva“. Der Hasenmann „Herr Schröder“ mag engen Körperkontakt eher nicht.

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Streicheln, kuscheln, entspannen und erinnern. So sieht es aus, wenn Häsin „Diva“ bei der Arbeit ist. Rechts Betreuungskraft Britta Knappe.

Quelle: Bernd Geske

Rathenow. Geht es um Therapeuten auf vier Pfoten, denken alle Leute meist an Hunde. Im Seniorenhilfezentrum der Volkssolidarität an der Lassallestraße in Rathenow ist aber seit nunmehr einem Jahr ein Hasenpaar im Therapiedienst für die Demenzkranken tätig. Jetzt in der Osterzeit wird ihnen viel Aufmerksamkeit zuteil.

Eine aktive Rolle spielen die Hasen trotzdem eher selten. Sie lassen sich lieber still auf den Schoß nehmen und streicheln oder gern auch mal beim Hoppeln betrachten. In der ersten Zeit hatten sie wiederholt auch für Aufregung gesorgt, wenn sie mit 80 Sachen die Flucht ergriffen und die Belegschaft zur Hasenjagd ausrücken musste.

Mittlerweile haben die Wogen sich geglättet. Es hat sich heraus gestellt, dass beide Hasen sehr unterschiedliche Temperamente haben. Nun werden sie nach ihren Fähigkeiten und Neigungen eingesetzt – und die Therapie ist gesichert.

Klar Nummer 1 ist die Häsin, allgemein als die „Diva“ bekannt

Die beiden Hasen sind ein echtes Paar. Mann und Frau, wenn man so will. Klar Nummer 1 ist die Dame, allgemein als die „Diva“ bekannt. Diese wenig schmeichelhafte Bezeichnung geht zurück auf die Anfangszeit, als sie sich häufig zickig zeigte und kaum anfassen ließ. Gegenwärtig lobt Pflegedienstleiterin Doreen Ibe sie aber nur noch in höchsten Tönen.

„Bei unseren Bewohnern mit einer hohen Pflegestufe, die nicht mehr aufstehen können“, erzählt sie, „können wir sie sogar aufs Bett setzen.“ Und dann? Dann komme die Häsin kuscheln, rücke langsam vor bis zum Hals der älteren Damen oder Herren, rücke nahe dran und bleibe liegen. „Wir machen das natürlich nur bei den Bewohnern, zu denen es passt“, erklärt Doreen Ibe. „Wir probieren es langsam aus.“ Eine gute halbe Stunde im Einzelfall sei durchaus möglich.

Der Hasenmann ist fürs Kuscheln leider nicht zu haben. So wird ihm in der Regel die Aufgabe übertragen, nett über den Rasen zu hopsen, damit die Bewohner ihm zuschauen können. Offenbar hat es sich dabei eingebürgert, ihn keinesfalls zu stören, wenn er im Grünen anfängt zu graben. Das wiederum bereitet nämlich anschließend den Hausmeistern viel „Freude“ und erheitert dann Bewohner und nicht einbezogenes Personal, wenn die Gartenarbeiter wenig amüsiert wieder alles in Ordnung bringen müssen.

Der Hase hat den Namen „Herr Schröder“ bekommen. Es heißt im Seniorenzentrum dazu nur allgemein, dafür habe ein Politiker Pate gestanden. Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) soll es gewesen sein. Dass es möglicherweise doch der hiesige Landrat Burkhard Schröder (SPD) war, ist bislang immer bestritten worden. Am 31. März geht er in den Ruhestand.

Erinnerungen wecken oder mobilisieren durch Berührungen

So wie andere Therapie-Tiere andernorts auch, sollen die Hasen der Volkssolidarität bei den Demenzkranken alte Erinnerungen wecken oder sie mobilisieren durch Geräusche, Bewegungen und Berührungen. „Manchmal sind einzelne Bewohner in sehr schlechter Stimmung und wir können ihnen nicht helfen“, berichtet Doreen Ibe, „dann können wir sie durch die Begegnung mit so einem niedlichen Hasen für den Rest des Tages fröhlich machen.“ Dann seien sie meist wieder zu leiten und zu lenken.

Immer wieder mal äußern Bewohner auch die Vorstellung, dass so ein Therapie-Hase sicher gut zu essen sei. Das ist natürlich für das Personal keine Option. Grundsätzlich wird dem Hasen-Paar von allen 47 Bewohnern des Seniorenhilfezentrums viel Wohlwollen entgegen gebracht. Das hat vor einem Monat dazu geführt, dass die „Diva“ und „Herr Schröder“ von ihrem Stall an der Lassallestraße umquartiert wurden zur Betreuungskraft Britta Knappe nach Hause. Das Füttern hatte überhand genommen und die Tiere sollten ausreichend Ruhe bekommen.

Da die beiden Hasen bekanntlich Männchen und Weibchen sind, ließe sich da nicht auf ganz natürlichem Wege die Menge der Therapie-Muckis nach Bedarf vergrößern? Nein, zwei Hasen sollen reichen – und außerdem ist „Herr Schröder“ kastriert worden.

Von Bernd Geske

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