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Rathenow: Schliepenlanke fließt wieder

Altarm der Havel angebunden Rathenow: Schliepenlanke fließt wieder

Mit einer Feierstunde hat der Naturschutzbund (Nabu) Deutschland am Freitag den Altarmanschluss der Rathenower Schliepenlanke an die Havel gewürdigt. Weil das Wasser in der ehemaligen Lanke nun wieder fließen kann, ist dessen Qualität schon viel besser geworden. Insgesamt wurden 2 500 Kubikmeter Sand und 1 320 Tonnen Schlick abgebaggert.

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Die Freigabe der Schliepenlanke, von links Hans-Jürgen Lemle, Britta Kornmesser, Leif Miller und Rocco Buchta. Rechts die neue Insel, hinten das Seglergelände.

Quelle: Bernd Geske

Rathenow. Das Wasser ist klar, in der Schliepenlanke kann endlich wieder ohne Ekelfaktor gebadet werden. Mehr als 100 Jahre lang war dieser Altarm der Havel bei Rathenow vom Hauptstrom abgetrennt. Deshalb litt die Schliepenlanke zuletzt unter Verlandungseffekten und Schlickmengen ohne Ende. Seit wenigen Tagen nun ist der Altarm wieder komplett an die Havel angebunden und wird durchströmt. Deshalb ist die Freude bei Projekt-Verantwortlichen, Anliegern und Wassersportlern ist groß. Der Wiederanschluss war eine Maßnahme des Naturschutzbundes (Nabu) Deutschland, wegen der einzigartigen Bedeutung kam zur Einweihungsfeier am Freitag sogar Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller nach Rathenow.

Ein Projekt mit Modellcharakter weit über die Region hinaus

Das Projekt habe Modellcharakter weit über die Region hinaus, sagte Leif Miller in der Feierstunde. „Wir brauchen lebendige Flüsse mit Auen und natürlichen Überflutungsflächen“, betonte er, „sie bieten nicht nur Unterschlupf für viele Arten, sondern auch einen natürlichen Hochwasserschutz.“ Bundesweit bestehe nach wie vor großer Handlungsbedarf an den Flüssen, von denen nur etwa ein Prozent gegenwärtig in gutem ökologischem Zustand seien. Leif Miller wies darauf hin, dass das gesamte Projekt Schliepenlanke mit Spenden finanziert worden ist. Die Spender hätten wie der Nabu den Wunsch, dass an der Unteren Havel wieder ein Naturparadies entstehe.

Rocco Buchta, Leiter des Nabu-Instituts für Fluss- und Auenökologie, übernahm es dann, noch einmal Rückschau auf die Geschichte des Projektes zu halten, das vor einigen Jahren schon so gut wie aufgegeben war. Im Rahmen des Gewässerrandstreifenprojektes, auch bekannt als Renaturierung der Unteren Havel, erinnerte er, sei der Anschluss der Schliepenlanke als Einzelmaßnahme mit vorgesehen gewesen. Doch wegen Eigentumsproblemen habe es zurück gestellt werden müssen. Der Besitzer einer Teilfläche, die der Nabu ankaufen musste, hatte zu viel Geld haben wollen. So konnte die Schliepenlanke nicht in die Havelrenaturierung mit aufgenommen werden. Einige Jahre später hat der genannte Flächeneigentümer dann – warum auch immer – seine Preisvorstellungen nach unten korrigiert.

2 500 Kubikmeter Sand abgebaggert

2 500 Kubikmeter Sand sind abgebaggert worden, um die Schliepenlanke wieder zur Havel zu öffnen.

1 320 Tonnen Schlick mussten ebenfalls abgebaggert werden.

Der neue Durchlass zur ehemaligen Lanke ist auf dem Grund 30 Meter breit und oben sogar 65 Meter.

Entstanden ist dadurch eine zwei Hektar große Insel im Fluss, die sich vollständig im Besitz des Nabu befindet.

Der fertige Schliepen-Plan lag nun einer Nabu-Schublade und wartete auf seine Erweckung. Der große Moment kam, als der VW-Konzern (damals noch vor dem Diesel-Skandal) unter dem Eindruck des Hochwassers von 2013 beim Nabu anfragte, ob es dort nicht Finanzbedarf zur Realisierung einen sinnvollen Maßnahme gebe. Nun: Da war die Schliepenlanke bei Rathenow. VW reichte dafür 300 000 Euro herüber und der Nabu gab weitere 250 000 Euro aus Spenden dazu, so dass die erforderliche Summe zusammen kam. Rocco Buchta dankte auf der Feier einer Vielzahl von Beteiligten und hob die große Menge der Spender besonders hervor.

Der stellvertrende Bürgermeister Hans-Jürgen Lemle wies darauf hin, dass in zurückliegenden Jahren der Motorjachtverein und der Segelsportverein als Anlieger immer wieder Druck bei der Stadt gemacht hatten, das Problem der verlandenden Schliepenlanke endlich zu lösen. Durch die Umsetzung des Projektes hätten sich die ökologischen Verhältnisse dort jetzt maßgeblich verbessert, stellte er fest, und der Hochwasserschutz werde ebenfalls gefördert. Britta Kornmesser vom Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Brandenburg lobte, der Nabu habe hier viel geleistet. Unter anderem sei der Nachweis erbracht worden, dass die Schifffahrt auf der Haupthavel durch den Altarmanschluss nicht beeinträchtigt wird und dass für die Vereine keine neuen Aufladungen zu befürchten sind.

Die Schliepenlanke entstand nach dem Bau der Neuen Schleuse 1902

Wie entstand die Schliepenlanke? Als 1902 in Rathenow die Neue Schleuse fertig gestellt wurde, war noch Geld übrig geblieben. So entschieden die Verantwortlichen, noch eine scharfe Krümmung kurz unterhalb der Schleuse vom Fluss abzutrennen und die Schiffe über ein gerades neues Stück zu führen, das extra ausgebaggert wurde. Aus der an einer Seite abgetrennten Krümmung wurde die Schliepenlanke. Deren Verlanden und Verschlicken verstärkte sich nach der Wende erheblich, nachdem die Berufsschifffahrt auf dem Flussabschnitt eingestellt wurde und die ausbleibende Sogwirkung der großen Pötte die Lanke zu einem stehenden Gewässer machte.

Von Bernd Geske

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