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Wie Luthers Lehre nach Rathenow kam

Vortrag zur Reformation Wie Luthers Lehre nach Rathenow kam

Die Veranstaltungsreihe „8 für 800“, in deren Rahmen Historiker ausgewählte Epochen der Rathenower Stadtgeschichte beleuchten, erfreut sich großer Beliebtheit. Im dritten Vortrag referierte Felix Engel, Historiker der Uni Potsdam, über die Reformation in Rathenow, die hier friedlicher verlief als anderswo in Deutschland.

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Glückwünsche nach einem gelungenen Vortrag: Felix Engel (li.) mit Vize-Bürgermeister Hans-Jürgen Lemle und der Leiterin des Jahngymnasiums, Anke Koch.

Quelle: Markus Kniebeler

Rathenow. Bildersturm, Pfaffenhass, Gewaltausbrüche – wer sich über das Zeitalter der Reformation informiert, der stößt immer wieder auf diese Begriffe, mit denen die unangenehmen Begleiterscheinungen des religiösen Umbruchs Anfang des 16. Jahrhunderts beschrieben werden. Dass der religiöse Eifer aber längst nicht überall zu solchen Auswüchsen führte, dass etwa Rathenow und die umliegenden Dörfer und Städte ein Musterbeispiel waren für einen relativ harmonischen Übergang vom Katholizismus zur neuen lutherischen Lehre, das arbeitete Felix Engel, Historiker der Uni Potsdam, am Dienstagabend heraus.

Einen Referent, der besser im Stoff steckt als Engel, hätte sich für dieses Thema kaum finden lassen. Trotz seiner Jugend hat der 26-Jährige sich bei der Erforschung der Reformation schon Verdienste erworben. Sowohl in seiner Bachelor- als auch in seiner Masterarbeit hat er die Lehre Luthers und deren Ausbreitung untersucht. Diverse Aufsätze zum Thema zieren seinen Lebenslauf. Und momentan arbeitet er an seiner Promotion mit dem Titel: „Stadt und Reformation in der Mark Brandenburg.“

80 interessierte Zuhörer im Blauen Saal

Engel stellte im Blauen Saal vor gut 80 interessierten Zuhörern sehr anschaulich dar, dass es sich bei der Ausbreitung der neuen Lehre um einen langen, sich über Jahrzehnte hinziehenden Prozess gehandelt habe. Die Vorstellung, mit dem Anschlag der Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche im Jahr 1517 habe sich auf einen Schlag die Weltgeschichte gewandelt, mag in verkürzten geschichtlichen Abrissen ihre Berechtigung haben. Mit der Realität hat dies wenig zu tun.

Rathenow ist dafür das beste Beispiel. „Bis zum Ende der 1530er Jahre war die reformatorische Lehre in Rathenow ohne jede Chance“, so Engel. Kurfürst Joachim I. sei ein erklärte Feind Luthers gewesen und habe jeden Versuch, die neue Lehre in seinem Herrschaftsgebiet zu verbreiten, unterbunden. Erst sein Sohn Joachim II, der 1539 zum Luthertum konvertierte, habe dem Luthertum in der Mark Brandenburg den Weg geebnet. In Rathenow sei die Reformation im Jahr 1540, nach dem Besuch der mit der Einführung des Luthertums beauftragten Visitatoren, eingeführt worden.

Umbruch ging nicht konfliktfrei vonstatten

Und auch danach habe in der Mark die Rigorosität gefehlt, mit der andernorts die Vertreter der alten Lehre verdrängt und bekämpft wurden. Viele der katholischen Prediger hätten ihre Rechte und Besitztümer behalten dürfen, die üppige Ausstattung der katholischen Kirchen sei in der Regel unangetastet geblieben, im Gottesdienst hätten viele Elemente der altkirchlichen Zeremonie überlebt. Dass dieser auf Ausgleich und Deeskalation bedachte märkische Sonderweg ihm sympathisch sei, gab Felix Engel offen zu. Und das Publikum, das dieses Bekenntnis des Wissenschaftlers mit Applaus quittierte, dachte wohl ähnlich.

Ganz konfliktfrei ging der Umbruch aber auch in Rathenow nicht vonstatten. Im Jahr 1558 widersetzten sich zwei Rathenower Geistliche den Visitatoren, die einmal mehr in die Stadt gekommen waren, um auf Einhaltung der gemäßigten Form der Reformation zu drängen. Die beiden Rathenower Pfarrer indes konnten der alten Zeremonie nicht mehr viel abgewinnen. Sie traten für die reine Lehre Luthers ohne das altkirchliche Brimborium ein. Anderswo wäre eine solche Renitenz den Mächtigen gegenüber wahrscheinlich rigide bestraft worden. Die Rathenower Pfarrer wurden in eine Nachbargemeinde versetzt und konnten dort ihr Amt weiter ausüben. So sah er aus, der märkische Sonderweg.

„8 für 800“

Die Vortragsreihe „8 für 800“ wurde aus Anlass der Ersterwähnung Rathenows vor 800 Jahren aufgelegt. Gemeinsam organisiert wird die Reihe von der Stadt Rathenow, dem Jahngymnasium, dem Kulturzentrum und der Brandenburgischen Historischen Kommission.

In acht Vorträgen beleuchten Landes- und Lokalhistoriker ausgewählte Aspekte der Rathenower Stadtgeschichte.

Die Vorträge finden immer dienstags um 18 Uhr im Blauen Saal des Rathenower Kulturzentrums statt. Der Eintritt ist frei, jeder darf kommen.

Professor Frank Göse von der Uni Potsdam ist der nächste Referent. Er wird am Dienstag, den 10. Mai, reden zum Thema: „Märkisches Städtewesen in der Frühen Neuzeit – das Beispiel Rathenow“.

Von Markus Kniebeler

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