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Rathenow feiert interkulturelles Fest

Keine Angst vor dem Kopftuch Rathenow feiert interkulturelles Fest

Wie leben die Menschen aus Syrien und Afghanistan hier in Deutschland? Einen Einblick in ihre Lebenswelten vermittelte ein interkulturelles Fest in Rathenow, das im Rahmen der Interkulturellen Woche im Havelland stattfand.

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Marwa Kabbani schlicngt für Ilona Sommerfeld ein Kopftuch.

Quelle: Ralf Stork

Rathenow. Mit Symbolen ist das so eine Sache. Nicht selten werden sie so sehr mit Bedeutung aufgeladen, bis sie ganz starr sind und das Wesentliche von ihnen erdrückt wird. Sucht man nach einem Symbol für die aktuelle Zuwanderung von Flüchtlingen, kommt man am Kopftuch nicht vorbei. Die Mehrheit der Flüchtlinge sind Muslime, viele der Frauen tragen Kopftücher, die damit auch auf der Straße sichtbarer werden.

Immer das Kopftuch

Das Kopftuch muss immer wieder aber auch für die vermeintliche Überfremdung oder gar Islamisierung Deutschlands herhalten. Es soll ein Symbol für die Unterdrückung der Frau sein, dieses Argument wird gerne auch von Männern vorgebracht, die ansonsten kaum als Verfechter von Frauenrechten in Erscheinung treten. Ganz schön viel Stoff also für ein einfaches Tuch, dass die Haare bedecken soll. Insofern war es eine gute Idee der Awo in Rathenow, das Thema im Rahmen der Interkulturellen Woche offensiv anzugehen: Im Interkulturellen Familiencafé in der Heinrich-von-Rosenberg-Straße gab es neben Vorträgen zum Asylrecht und zur Landeskunde Afghanistans und Syriens auch einen Vortrag über Frauenkleidung in der islamischen Welt – genauer gesagt – über das Kopftuch.

Das Essen sah nicht nur lecker aus – es schmeckte auch

Das Essen sah nicht nur lecker aus – es schmeckte auch.

Quelle: Ralf Stork

Es wurden die verschiedenen Formen der Kopfbedeckungen vorgestellt, vom locker über die Haare geworfenen Tuch (Shayla) über den Hidschab, bei dem keine Haare zu sehen sind, bis hin zu Tschador, Niquab und Burka. Die Zeit war zu kurz, um tief in die politische Debatte einzutauchen, um auch darüber zu reden, dass Kopftuch oder andere Formen der Verhüllung nicht immer nur aus freier Selbstbestimmung getragen werden, sondern auch auf Grund gesellschaftlichen oder staatlichen Drucks.

Aus freien Stücken

Aber das war am Ende egal. Im Publikum saßen viele Frauen aus Syrien und Afghanistan mit Kopftuch, und auch Marwa Kabbani, eine der Referentinnen trägt in der Öffentlichkeit Hidschab. Die 18-Jährige Syrerin aus Aleppo besucht das Jahn-Gymnasium, möchte später gerne selbst Lehrerin werden (wofür sie ihr Kopftuch wohl ablegen müsste) und erzählte von ihrem Verhältnis zum Kopftuch: Sie hat sich mit 13 aus freien Stücken dazu entschieden, unter anderem weil all ihre Freundinnen auch eins trugen. Ihre jüngere Schwester dagegen, die ebenfalls dem Vortrag lauschte, trägt ihr langes Haar lieber offen. Auf Nagellack oder Körper betonte Kleidung verzichten beide nicht.

Jeder ist, wie er ist

Marwa Kabbani erzählte frei und unbekümmert von sich. Nach den Vorträgen wurde das Buffet mit syrischen und afghanischen Spezialitäten geplündert. Die Stimmung in den Räumen war so herzlich, offen und ausgelassen, dass man nicht eine Sekunde lang auf die Idee kam, die Tücher auf dem Kopf könnten irgendwie, irgendwas mit Unterdrückung und Unfreiheit zu tun haben. Jeder ist wie er ist und alle feiern gemeinsam ein Fest. So war das. Alles in allem also eine sehr gelungene Veranstaltung der Interkulturellen Woche.

Von Ralf Stork

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