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Rathenow verliert bis zu 6000 Einwohner

Dramatische Prognose Rathenow verliert bis zu 6000 Einwohner

Aktuellen Prognosen zufolge wird die Stadt Rathenow bis zum Jahr 2030 zwischen 4000 und 6000 Einwohner weniger haben als heute. In einem Stadtentwicklungskonzept legt die Verwaltung dar, wie man auf diese Entwicklung reagieren will. Der Zukunftsplan enthält einigen Sprengstoff – etwa zur Schulentwicklung.

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Rathenows Hauptamtsleiter Jörg Zietemann.

Quelle: Markus Kniebeler

Rathenow. In der Stadt Rathenow werden im Jahr 2030 erheblich weniger Menschen leben als derzeit. Die günstigste Prognose des Landesamtes für Bauen und Verkehr (LBV) sagt einen Bevölkerungsverlust von knapp 4000 Menschen voraus, nach Berechnung der ungünstigsten Vorhersage der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung mbH (GMA) sinkt die Bevölkerungszahl von heute 24 882 um weit über 6000 auf rund 18 600 Menschen. Ein Drittel der Rathenower wird dann über 65 Jahre alt sein.

Das hat natürlich Auswirkungen auf das Leben der Stadt. Und weil diese Prognosen schon seit längerem bekannt sind, ist es angebracht, sich heute schon Gedanken darüber zu machen, wie die Stadt Rathenow denn aussehen soll im Jahr 2030.

Dieser Prozess ist in vollem Gange. Integriertes Stadtentwicklungskonzept (Insek) lautet das Zauberwort. Mit ihm ist, um es ein wenig despektierlich auszudrücken, ein Haufen Papier gemeint, auf dem in groben Zügen dargelegt ist, wie sich die Stadt in den kommenden 13 Jahren entwickeln soll. Erstmals wurde ein Insek im Jahr 2008 erstellt. Und weil sich die Zeiten und die Zahlen seitdem geändert haben, steht eine Fortschreibung an, in welcher die aktuelle Entwicklung berücksichtigt ist. Nach Auskunft von Rathenows Hauptamtsleiter Jörg Zietemann hat die Verwaltung die Fortschreibung des Insek beendet. Die aktualisierte Version soll den Stadtverordneten in den kommenden Sitzungen zur Diskussion vorgelegt werden.

Hintergrund

Integrierte Stadtentwicklungskonzepte sind laut Definition des Infrastrukturministeriums in vielen märkischen Kommunen zentrale, die formelle Bauleitplanung ergänzende, Planwerke.

Jede Stadt erarbeitet eine eigene Entwicklungsstrategie, die auf einer Analyse der eigenen Stärken (und Schwächen) basiert.

Dem Land Brandenburg dienen Inseks als Grundlage für die Ausreichung unterschiedlicher Fördermittel.

„Man muss sich das Insek wie einen Rahmenplan vorstellen, in dem grundsätzliche Ziele dargelegt sind“, sagt Zietemann. Diese Plan umfasse alle Bereiche des städtischen Lebens – vom Bauen über die Bildung und die Verkehrsinfrastruktur bis zum Kultur- und Vereinsleben. So werde beispielsweise formuliert, auf welchen städtischen Flächen eine Bebauung vorstellbar wäre, welche Naherholungsgebiete in der Stadt entwickelt werden könnten und was für Angebote für die wachsende Zahl der Senioren zu schaffen sind.

Das Konzept soll übrigens auch eine Antwort auf die Frage geben, wie viele Schulen im Jahr 2030 gebraucht werden. Jörg Zietemann macht kein Geheimnis aus der Tatsache, dass bei sinkender Einwohnerzahl vier Grundschulstandorte in Rathenow nicht zu halten sein werden. Und man muss kein Prophet sein, um voraussagen, dass über die Frage, welche Schule denn geschlossen werden könnte, noch heftige Debatten entbrennen werden.

Aber so soll es auch sein. Beim Insek handele es sich nicht um einen Plan, der von oben verfügt werde, sagt Zietemann. Vielmehr gehe es darum, ein Zukunftskonzept in enger Abstimmung mit der Bürgerschaft zu entwickeln. „Was wir vorlegen, ist nicht in Stein gemeißelt“, sagt der Hauptamtsleiter. Es handele sich vielmehr um ein offenes Verfahren, in das jederzeit Änderungen eingearbeitet werden können.

Erstmals vorgestellt werden soll das Insek in einem der nächsten Bildungsausschüsse. Und weil nahezu alle Bereiche des öffentlichen Lebens berührt werden, wandert das Papier durch alle Fachausschüsse, bevor es in der Stadtverordnetenversammlung zur Diskussion gestellt wird.

So wichtig dieses strategische Papier ist, eines aber hat es nicht: bindende Wirkung. Das Insek soll laut Zietemann eine Art Leitfaden sein, an dem man sich orientieren kann. „Die Stadt will zeigen, dass sie die Dinge nicht einfach laufen lässt, sondern sich planvoll mit der Zukunft beschäftigt.“

Nun könnte der ein oder andere kritisch einwenden, das für ein Papier ohne bindende Wirkung der Aufwand ganz schön hoch ist. Doch ganz so bedeutungslos ist das Insek-Konzept dann doch nicht. In einer Mitteilung des brandenburgischen Infrastrukturministeriums wird Kommunen dringend empfohlen, ein Insek zu erarbeiten. Und tatsächlich werden Mittel aus dem Programm zur Städtebauförderung nur gewährt, wenn die antragstellende Kommune ein aktuelles Insek vorlegt. Am Ende also zahlt sich der Aufwand aus – in barer Münze.

Von Markus Kniebeler

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