Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Rathenow Sie ist seit 25 Jahren für Obdachlose da
Lokales Havelland Rathenow Sie ist seit 25 Jahren für Obdachlose da
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:29 11.10.2018
Seit 25 Jahren arbeitet Angelika Höpfel im Obdachlosenhaus Rathenow, seit 20 Jahren leitet sie die Einrichtung. Quelle: Christin Schmidt
Rathenow

„Jeder muss im Leben das finden, was ihm Spaß macht und wozu er taugt“, davon ist Angelika Höpfel überzeugt. Sie selbst hat ihre Bestimmung bereits vor 25 Jahren gefunden.

Im September 1993 trat sie ihren Dienst im Rathenower Obdachlosenhaus an. Seit etwa 20 Jahren leitet die heute 59-Jährige die Einrichtung. „Ich liebe meinen Job, die Arbeit macht mir einfach Spaß“, sagt Angelika Höpfel und ihr Lächeln verrät, dass das keine Floskel ist.

Ursprünglich hatte sie sich zur Kita-Erzieherin ausbilden lassen. Bis 1992 leitete sie eine Einrichtung in Milow, verlor dann aber mit der politischen Wende wie viele andere auch ihre Arbeit.

Neue berufliche Zukunft im Obdachlosenheim

„Ich hatte damals ein ganz schlimmes Jahr und war mit Ängsten konfrontiert, die viele unserer Bewohner kennen“, erinnert sich Höpfel. 1993 nahm sie eine Weiterbildung auf und absolvierte ein Praktikum im Obdachlosenheim.

„Ich wurde damals sehr gut im Team aufgenommen und habe mich sofort mit den Bewohnern verstanden. Mit Tränen und vielen Geschenken im Arm verließ ich das Haus nach dem Praktikum“, erinnert sich Angelika Höpfel.

Der Abschied sollte nur von kurzer Dauer sein. Eine Stelle in der Einrichtung wurde frei, Höpfel bewarb sich und kehrte vier Monate später zurück in das Haus in der Maxim-Gorki-Straße. Kein einziges Mal hat sie diese Entscheidung bereut.

Das Haus in Rathenow bietet Platz für 25 Menschen

Die Einrichtung, die 1992 eröffnet wurde, bietet Platz für bis zu 25 Menschen. Zurzeit nutzen 17 Männer das Angebot. „Es ist ein ständiges Kommen und Gehen bei uns. Letzte Woche hatten wir drei neue Anfragen, bisher ist aber niemand gekommen“, so die Chefin des Hauses.

Einige kommen am Ende doch bei Freunden unter, andere wollen sich nicht anpassen, denn wie überall im Leben, gibt es auch hier gewisse Regeln.

„Leider glauben viele, dass wir ihnen das Bettchen machen und den Popo pudern. Dem ist nicht nicht so. Die Bewohner müssen selbst tätig werden und ihr Leben gestalten. Wir animieren sie, alles, was sie selbst können, auch selbst zu tun“, klärt Höpfel auf.

Dieser Hase bedeutet einem Bewohner sehr viel. Angelika Höpfel legt großen Wert darauf, dass die Bewohner Erinnerungsstücke behalten können. Quelle: Christin Schmidt

Wer im Haus lebt, muss sich um sein Essen und den Einkauf kümmern. Zudem übernimmt jeder Bewohner regelmäßig Aufgaben – Reinigungsdienste, Gartenarbeit und Ähnliches. Diese Tätigkeiten geben den Betroffenen das Gefühl gebraucht zu werden. Ein wichtiges Aspekt, denn die meisten haben viel Ablehnung erfahren und nur ein geringes Selbstwertgefühl.

Mit drei Kolleginnen teilt sich Angelika Höpfel die Arbeit. Alle vier arbeiten im Schichtsystem, um das Haus an sieben Tagen in der Woche offen zu halten. Die Frühschicht beginnt in der der Woche um 6.30 Uhr. Um diese Zeit sind die Bewohner am aufnahmefähigsten. Dann können Dinge besprochen und Zukunftspläne geschmiedet werden.

„Wir überlegen gemeinsam, was der nächste Schritt ist und welche Maßnahmen wir in Angriff nehmen. Es ist unsere Aufgabe zu schauen, welche Angebote für welchen Bewohner passen und ihn weiterbringen. Denn Ziel ist es immer, sie aus dieser schwierigen Lebenssituation herauszuholen“, erklärt die Leiterin des Hauses.

Das Haus in der Maxim-Gorki-Straße

Seit 1992 gibt es das Obachlosenhaus in Rathenow, das Platz für bis zu 25 Menschen bietet.

Für die Bewohner stehen Zwei-, Drei- und Vierbettzimmer zur Verfügung und dazu ein Auffangzimmer mit sechs Betten.

Gekocht und gegessen wird in der Gemeinschaftsküche.

Es sind vor allem Männer, die dieses Angebot in Anspruch nehmen.

Fast alle Bewohner haben ein Alkoholproblem.

Zugenommen hat in den letzten Jahren die Zahl junger Menschen, die andere Drogen konsumieren und hier Obdach suchen.

Einige sind gerade mal 18 Jahre wenn sie in die Einrichtung kommen.

Anschließend macht sie einen Rundgang, schaut sich in den Zimmern um. Wie steht es um Ordnung und Sauberkeit? Wo gab es vielleicht in der Nacht eine Feier. Angelika Höpfel macht kein Geheimnis daraus, dass viele Bewohner ein Alkoholproblem haben.

Zu ihrer Arbeit gehört unter anderem auch die finanzielle Betreuung, das heißt sie zahlt auch die vereinbarten Gelder an die Bewohner aus. In den Abendstunden nehmen sich die Mitarbeiterinnen, wenn alles erledigt ist, zudem Zeit, mit den Bewohnern in lockerer Atmosphäre zu plaudern.

Jeder einzelne Bewohner hat unterschiedlichste Schicksalsschläge erlebt. Die Geschichten dazu kennen die Mitarbeiter des Hauses.

Den Bewohnern mit Respekt begegnen

„Ich habe in den letzten 25 Jahren vieles erlebt und gehört. Es gibt die unterschiedlichsten Ursachen, warum Menschen zu uns kommen. Viele schämen sich, zum Arbeitsamt oder zum Jobcenter zu gehen. Einige sind mutlos, sehen keine Perspektive, auch Depressionen spielen eine Rolle. Wer selbst nicht in einer solchen Lage war, unterschätzt das schnell“, so Höpfel.

Trotz der Mühe, die sie und ihre Kolleginnen sich machen, gelingt nicht allen die Rückkehr ins normale Leben. Einige schaffen es für kurze Zeit und klopfen nach Monaten, manchmal nach Jahren wieder im Haus an.

Es gibt aber auch Erfolgserlebnisse, betont Angelika Höpfel, die selbst nie die Hoffnung aufgibt. Diese positive Grundeinstellung sei für ihren Job unerlässlich. Genau wie die Achtung und der Respekt vor den Bewohnern. „Wer diesen nicht mitbringt, ist hier falsch.“

Von Christin Schmidt

Das Fahrgastschiff MS Havelland hatte 2018 möglicherweise seine letzte Saison in Rathenow. Reeder Bernd Bolz denkt ans Aufhören. Jetzt sucht er einen Nachfolger – bisher ohne Erfolg.

11.10.2018

In der Kindertagesstätte Semlin wird es eng. Einerseits wächst der Ort und er würde gerne noch mehr neue Einwohner aufnehmen. Andererseits fehlen Kita-Plätze für die Kinder aus jungen Familien.

11.10.2018

Der Landkreis Havelland hat am Mittwochabend im Schloss Ribbeck zum 21. Mal die Wirtschaftsförderpreise in fünf Kategorien an Firmen vergeben. Zudem erhielt die Duncker-Oberschule in Rathenow den Jugendförderpreis.

10.10.2018