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Rathenow Bomben über Rathenow und dem Westhavelland
Lokales Havelland Rathenow Bomben über Rathenow und dem Westhavelland
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16:05 17.04.2019
Die Gebäude am Adolf-Hitler-Ring, jetzt Friedrich-Ebert-Ring, vor dem Bombenangriff. Quelle: Repro MAZ/Copyright Archiv Thonke
Rathenow

Der 18. April 1944 wird den Rathenowern, die diesen Tag miterlebt haben, fest ins Gedächtnis gebrannt bleiben. Es war der Tag, an dem Bomben auf Rathenow fielen. Das Jahr 1944 steht für die endgültige Wende im Zweiten Weltkrieg. Mit dem Zusammenbruch des Heeres im Osten und der Landung der Alliierten in der Normandie war die Niederlage für das Deutsche Reich besiegelt.

Der 18. April 1944 war der Tag, an dem Rathenow von Bomberstaffeln der US-Luftwaffe angegriffen wurde. Zwar hatte es schon vorher in und um Rathenow vereinzelt Bombenabwürfe gegeben, doch dieses Datum bleibt allen, die es miterlebt haben, fest in die Erinnerung gebrannt.

Die Fronten waren – noch – weit weg. Allerdings flogen Engländer und US-Amerikaner bereits massive Luftangriffe. Für den 18. April 1944 waren drei Missionen vorgesehen. Die Mission 306 hatte die Stadt Rathenow zum Ziel.

Fast schon Routine

In Rathenow hatten die Menschen die zunehmenden Luftangriffe auf Berlin und Umgebung immer wieder miterlebt. Die Stadt lag in der Einflugschneise. Der Luftalarm, der bereits 15 Minuten vor Eintreffen der Bomberflotten erschall, war fast zur Routine geworden.

Zerstörtes Haus am Busch-Platz. Quelle: Repro MAZ/Copyright Archiv Thonke

Mehrfach hatte die Rathenower Feuerwehr bereits Löscheinsätze nach Berlin fahren müssen. Und auch einzelne Attacken von Fliegern auf die Bahnbrücke hatte es gegeben. Dass die Bomberverbände auch Rathenow treffen könnten, hatten bereits Einzeltreffer im Rathenower Norden gezeigt.

Arado und Optikbetriebe

Im Jahr 1943 fielen Bomben bei Albertsheim und am 22. März 1944 traf es ein Haus in der Ferdinand-Freiligrath-Straße. Hier starben sieben Personen, darunter zwei Kinder. In Rathenow hatten die alliierten Luftstreitkräfte die Flugzeugwerke von Arado, aber auch optische Betriebe im Zielkatalog.

Auch am 18. April 1944 überquerten die Flugstaffeln das westliche Havelland. Wieder ertönten die Warnsirenen. Doch an diesem Tag kehrten einzelne Fliegerverbände mit dem Ziel Rathenow zurück. Mit den Arado-Werken im Heidefeld und dem Tetraethylblei-Werk in Gapel bei Döberitz, gab es zwei unmittelbare Ziele im Umkreis der Stadt.

14 tote Zwangsarbeiter

In Gapel wurden einzelne Bereiche getroffen. Im Sterberegister von Premnitz wurde der Todesfall eines russischen Zwangsarbeiters registriert. Im Heidefeld war neben dem Kesselhaus vor allem das Zwangsarbeiterlager getroffen worden. 14 Menschen aus Frankreich, Kroatien, Polen, Russland und Spanien verloren ihr Leben.

Die Bomben fielen weit gestreut. Ab der Mögeliner Baumschule, über das Heidefeld und die Havel bis östlich des Wilhelminenhofs schlugen die Sprengkörper ein. In der Baumschule und in Mögelin starben zwei Personen. Im Wald östlich von Böhne wurde der elfjährige Schüler Rudolf Walsleben durch Splitter schwer verletzt. Er starb noch am selben Tag.

Gebäude am Adolf-Hitler-Ring, jetzt Friedrich-Ebert-Ring. Quelle: Repro MAZ/Copyright Archiv Thonke

Noch während die Bomben auf das Heidefeld fielen, steuerten weitere Bomber auf Rathenow zu. Diesmal wurden Teile der nördlichen Innenstadt bis zum Semliner Feld getroffen. Von den Haesler-Bauten an Friedrich-Ebert-Ring und Feierabendallee im Osten bis zur Potsdamer-Straße zog sich die Schneise. Ein Flügel der Jahnschule war getroffen worden, ebenso die Lutherkirche – die durch beherztes Eingreifen des Kirchendieners Röding gerettet wurde.

Noch mehr Treffer

Dazu kleine Betriebe, wie die Tischlerei Blöbaum und die optische Fabrik „Müller & Söhne“. Allein dort starben 18 Menschen. Zudem wurden viele Wohngebäude zerstört oder beschädigt. Eine Bombe hatte in der Jahn-Schule nur knapp den Schutzraum verfehlt.

Auch in der Innenstadt wurden einzelne Gebäude getroffen. Die Lösch- und Bergungsarbeiten dauerten mehrere Tage. Später erklärte die US-Luftwaffe, die Bombenabwürfe über der Stadt seien Fehlabwürfe gewesen.

Propaganda befohlen

Tage danach wurden die Särge mit den Opfern vor dem Kreishaus aufgebahrt. Die Trauerfeier wurde propagandistisch ausgenutzt, die Särge waren mit Hakenkreuzfahnen bedeckt. Der Trauermarsch führte anschließend durch die Stadt zum Friedhof.

Propaganda befohlen: der Trauerzug für die Toten des Bombenangriffs.. Quelle: Repro MAZ/Copyright Archiv Thonke

Deutsche Jagdflieger verfolgten die Verbände der US-Luftwaffe. Am 18. April wurde bekannt, dass 44 US-Flugzeuge, darunter 40 Bomber, von einem Jagdverband abgeschossen wurden.

Barnewitz auch betroffen

Dieser Kampf fand im Luftraum des Havellands statt. Die betroffenen Bomberstaffeln versuchten den deutschen Jagdflugzeugen zu entkommen. Sie entluden ihre Bomben über Barnewitz. Der Dorfkern um die Kirche wurde dabei zerstört. Dabei fanden 26 Menschen den Tod.

Im vergangenen Jahr hatte die Reformationskirchengemeinde Westhavelland an den Bombenangriff auf Barnewitz erinnert. Quelle: Norbert Stein

Ein Jahr später war der Krieg auch in den Straßen Rathenows angekommen. Die Zerstörungen und Opfer im April und Mai 1945 übertrafen bei weitem die Ereignisse des Luftangriffs.

Hintergründe und Berichte

Eine lesenswerte Zusammenfassung samt einem Zeitzeugenbericht zu dem Bombenangriff sind in dem Buch „Nacht über Rathenow“ von Eugen Gliege und Günter Thonke nachzulesen. Mit vielen Fotos von den zerstörten Gebäuden und weiteren Hintergrundinformationen.

Lesen Sie dazu auch unseren Kommentar: Immerwährende Mahnung

Von Hans-Jürgen Wodtke

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