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Rathenow Bürgeranhörung zum Lärmaktionsplan
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17:19 25.07.2018
Lärmaktionsplan 2018 für Rathenow: Die Berliner Straße in der City soll Tempo-30-Zone werden. Quelle: Joachim Wilisch
Rathenow

In einem Fazit waren sich am Ende der Bürgeranhörung zum Lärmaktionsplan alle einig. In der Rathenower Innenstadt ist es zu laut. Und das nicht nur wegen des Straßenverkehrs. Die Jugendlichen rund um den Märkischen Platz, die laut Musik hören und andere Geräusche tragen ebenfalls dazu bei.

Lautes Kopfsteinpflaster

Laut ist es nicht nur in der City sondern auch in den Nebenstraßen der kleineren Siedlungen. Insbesondere da, wo Kopfsteinpflaster liegt. „Da zittern die Möbel, wenn draußen ein Lastwagen vorbei fährt.

Dass zu viele Lastwagen und andere Schwerverkehrsfahrzeuge durch die Stadt fahren, stört die Rathenower auch. Das sei ebenfalls eine Lärmquelle. Richtung Süden sei der Verkehr teilweise unerträglich, seitdem die Umgehungsstraße B 188 offen ist. Gemeint ist in erster Linie die Auffahrt am Grünauer Weg. Auch hier sind Anwohner besonders stark lautem Straßenverkehr ausgesetzt.

Die dritte Planungsstufe

Der Lärmaktionsplan soll eigentlich Auswege aufzeigen, aber das Projekt stößt in Rathenow bereits an Grenzen. Es ist bereits die dritte Planungsstufe. Angeregt von der Europäischen Union durch eine Richtlinie, sollen die Menschen besser vor Lärm geschützt werden. Rathenow ist seit der zweite Planungsstufe im Rennen. Die erste war großen Städten vorbehalten.

Seit dem ersten Beschluss vor einige Jahren wurde vieles besser, aber nicht alles. Der Verkehr sei durch die Kreisverkehrsregelung flüssiger geworden, mit der Umgehungsstraße seien Verkehrsströme aus der City weggeleitet worden und wo es geht, wurden Schallschutzwände errichtet – insbesondere an der Bahnstrecke.

Die beste von allen Möglichkeiten

Für die Planungsstufe drei sehen die Projektplaner darum in erster Linie in Geschwindigkeitsbegrenzungen die Lösung. Es sei nicht der beste Weg aber von allen Möglichkeiten, die für Rathenows Innenstadt noch bleiben, die beste. Das bestätigte bei der Bürgeranhörung auch Jens Hubald, der in der Stadtverwaltung Rathenow den Lärmaktionsplan betreut.

Corrado Gursch wäre gegen eine weit ausladende Tempo-30-Zone. Quelle: Kniebeler, Markus

Dass der Tempo-30-Vorschlag auf wenig Gegenliebe stößt, hatte Hubald erwartet. Schon bei der Planungsstufe zwei war ein ähnlicher Vorschlag abgelehnt worden. Corrado Gursch, Stadtverordneter der CDU, zeigte sich „schockiert“. Er befürchtet, „dass dann erst Recht Chaos entsteht“. In der Innenstadt zwischen Hauptkreuzung und Friedrich-Ebert-Ring könne man mit dem Auto ohnehin nur rollen. Ähnlich argumentierten andere Kritiker. Man solle zunächst versuchen, den Lastwagenverkehr aus der Stadt zu ziehen.

Viele verschiedene Lärmfaktoren

Jürgen Vogeler, der für die SPD in der Stadtverordnetenversammlung sitzt, sieht es ähnlich. „Ich kenne den Verkehr an der Berliner Straße sehr genau und ich kann mir nicht vorstellen, dass es mit einer Tempo-30-Zone deutlich leiser wird.“ Wie einige andere Anwesende verwies Vogeler auch auf unvernünftige Verkehrsteilnehmer.

Jürgen Vogeler kennt die Situation. Quelle: Markus Kniebeler

„Die lassen die Motoren aufjaulen, Motorradfahrer und ziehen die Drehzahl hoch.“ Vogelers SVV-Kollege Klaus Reimann ergänzte: „U und warum muss die Feuerwehr in der Nacht mit Sirene fahren, wenn Blaulicht ausreichen würde?“

Zwar warb Jens Hubald noch einmal für die Idee, eine Tempo-30-Zone einzurichten. In Frankfurt am Main habe ein Experiment außerordentliche Erfolge gehabt. Ein ganzer Stadtteil wurde in Hessen mit Tempo 30 belegt. Nicht nur, dass sich viele Autofahrer an die Regeln hielten, die Anwohner fühlten sich schon bald wohler, als vorher.

Es gibt auch Befürworter

Schützenhilfe erhielt Hubald von Hartmut Fellenberg, Geschäftsführer der Kommunalen Wohnungsbaugesellschaft Rathenow. „Es ist hier nun einmal dokumentiert. Ich sehe auch keine anderen Wege, als die Tempo-30-Zone auszuprobieren.“

Hartmut Fellenberg: Was anderes als Tempo 30 bleibt nicht übrig. Quelle: Markus Kniebeler

Ein Versuch soll es wert sein. Nicht entlang der gesamten Achsen aber in Teilbereichen und zunächst nur in der Nacht. Das können sich die Stadtverordneten, die am Dienstag dabei waren, vorstellen. Mehr nicht. Zumal das auch kontrolliert werden muss. „Wir haben doch jetzt schon viel zu wenig Polizei in der Stadt“, hieß es bei der Anhörung.

Thema im Herbst

Trotzdem werden sich die Stadtverordneten mit den Tempo-30-Zonen befassen müssen. Denn einige Gäste bei der Bürgeranhörung machten deutlich, dass sie längst resigniert haben: „Es ist sehr laut, Fenster können wir sowieso nicht mehr aufmachen und es ändert sich ja auch nichts.“

An diese Betroffenen denken die Autoren des Rathenower Lärmaktionsplanes. Und haben ausgerechnet, dass am Ende in der City rund 750 Menschen deutlich entlastet werden könnten.

Nun sind die Stadtverordneten an der Reihe. Im Herbst sollen sie einen Lärmaktionsplan beschließen. Ob dieser Plan auch den lärmgestressten Rathenowern hilft, die in den Randsiedlungen leben – das bliebt am Dienstag im Blauen Saal des Kulturzentrums offen.

Von Joachim Wilisch

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