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Rathenow Optikstadt hilft Augenklinik in Gambia
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18:17 06.03.2019
Jürgen Kraus, André Schwolow, Elke Dartsch, Monika Kraus und Fritz-Jürgen Böhm (v.l.) helfen gemeinsam einer Augenklinik in Brikahma Quelle: Christin Schmidt
Rathenow

Sie hat es mal wieder geschafft. Die Göttlinerin Elke Dartsch führt gerade ihr nächstes Hilfsprojekt erfolgreich zum Ziel. Mit viel Engagement, guten Worten, Überzeugungsarbeit und unzähligen Gesprächen hat sie einmal mehr zahlreiche Rathenower aktiviert, die den Menschen in Gambia helfen wollen.

Dieses Mal kommt die Hilfe nicht einem Gemeinschaftsgarten zu Gute, sondern der Augenklinik im Gesundheitszentrum in Brikama. Das Team der Klinik in der zweitgrößten Stadt des Landes fährt regelmäßig in die Dörfer, um Menschen vor Ort zu behandeln.

„Allerdings können sie an den Tagen, an denen sie auf dem Land unterwegs sind, keine Patienten in der Klinik behandeln, weil alle medizinischen Geräte nur in einfacher Ausführung vorhanden sind“, weiß Elke Dartsch.

Hilfe aus der Stadt der Optik

Wer könnte hier besser helfen, als ihre Heimatstadt, die Stadt der der Optik, dachte sich die pfiffige Havelländerin und ließ sich bei ihrem Besuch im letzten Jahr eine Liste geben mit allem, was die Ärzte brauchen, um gleichzeitig stationär und mobil zu behandeln.

Lehrlinge vom Fach übersetzten die Liste ins Deutsche und führten die studierte Erzieherin in die Grundlagen der Optik ein. Begriffe wie Scheitelbrechwertmesser oder Refraktionsglas sind für sie nun keine Böhmischen Dörfer mehr.

„Ich hatte bis dato noch nie davon gehört und war natürlich auf die Hilfe von Optik-Experten angewiesen“, gesteht die eifrige Ehrenamtlerin. Diese Hilfe hat sie bekommen.

Rathenower Optiker besuchte König der Kohisan

Neben rund 200 ausrangierten Brillen, die Havelländer für Gambia spendeten, kann sie unter anderem zwei Scheitelbrechwertmesser zur Bestimmung der optische Leistung von Brillengläsern, zwei Koffer mit Refraktionsgläsern sowie zwei Refraktionsbrillen nach Gambia schicken.

„Die Koffer sind standardisiert und beinhalten die verschiedenen Gläser, die man für eine Untersuchung braucht“, erklärt André Schwolow, Geschäftsführer des Optik Service Rathenow, der einen der beiden Koffer sowie ein Scheitelbrechwertmesser gespendet hat.

Er hat vor zwei Jahren selbst eine Brillen-Spendenaktion in Südafrika organisiert. „Wir waren beim König der Kohisan und haben für seinen engsten Beraterstab eine Bedarfsanalyse gemacht und vor Ort passende Brillen ausgesucht und eingestellt. Eine tolle Aktion“, schwärmt André Schwolow.

Viele Verbindungen zwischen Rathenow und Afrika

Tatkräftige Unterstützung bekam Elke Dartsch zudem vom früheren Lehrausbilder der Rathenower Optischen Werke (ROW) Jürgen Krause. Er spendete ebenfalls einen Scheitelbrechwertmesser. Die Geräte sind zwar nicht neu, aber sie wurden generalüberholt und erfüllen ihren Zweck.

Die guten Verbindungen zu den Optikern hat Elke Dartsch dem Rathenower Fritz-Jürgen Böhm zu verdanken. Der 76-Jährige war früher selbst in der Branche tätig. Nun stellte er die Kontakte her und begleitete die Aktion mit viel Engagement und fachlichem Rat. Obendrein spendierte er noch eine Refraktionsbrille.

„Es sind Menschen wie sie, die diese Hilfe möglich machen und von denen die Projekte leben “, betont Elke Dartsch. „Und davon lebt auch Rathenow“, fügt Fritz-Jürgen Böhm hinzu. Er ist begeistert von der direkten Hilfe für Gambia, die Elke Dartsch in enger Zusammenarbeit mit dem Verein „Hand in Hand“ organisiert.

Die Göttlinerin Elke Dartsch (2.v.l.) besuchte 2018 mit Mitgliedern des Vereins „Hand in Hand“ die Augenklinik in Brikama, die nun von der Stadt der Optik unterstützt wird. Quelle: Christin Schmidt

Der 76-Jährige Rathenower hat selbst Erfahrungen in Afrika gesammelt. 1981 fuhr er im Auftrag von Carl Zeiss Jena nach Algerien, um dort den Verkauf von Augenoptik-Geschäften zu begleiten.

„Zwölf Geschäfte haben wir dort verkauft und einen mobilen Laden, der heute als Modell im Optik Industrie Museum steht“, weiß Böhm. Vier Jahre blieb er in Afrika. Er kann nur bestätigen, was Elke Dartsch immer wieder betont: „Es ist eine andere Welt.“

Und in diese Welt muss man sich einfühlen, um die Menschen zu verstehen und ihnen zu helfen. Unermüdlich erklärt Elke Dartsch deshalb allen Spendern, wie wichtig Hilfe zur Selbsthilfe ist.

Erst müssen die Menschen satt werden

„Wir können nicht den dritten Schritt vor dem ersten machen. Ich dachte anfangs auch, wir müssen die Schulen mehr fördern. Aber was bringen uns, gut ausgestattete Schulen, wenn die Familien weiterhin Not leiden, nichts zu essen haben und die Kinder nicht zur Schule gehen können, weil auch sie zum Lebensunterhalt beitragen müssen“, gibt Elke Dartsch zu bedenken.

Deshalb seien die Gemeinschaftsgärten, die mit Unterstützung des Vereins „Hand in Hand“ und den Spenden aus dem Havelland angelegt wurden, so wichtig. Sie tragen dazu bei, dass die Menschen satt werden und sich mit dem Verkauf von Obst und Gemüse etwas dazu verdienen können, um ihre Kinder zur Schule zu schicken.

Elke Dartsch ist immer wieder aufs Neue begeistert, wie viele Menschen aus ihrer Heimat sich einbringen und sie ist erstaunt über die vielen Verbindungen zwischen Rathenow und Afrika. Vor allem aber ist sie dankbar. „Diese Geräte für die Augenklinik zu beschaffen, war mir besonders wichtig, denn sie bringen die Ärzte voran und das hilft sehr vielen Menschen vor Ort.“

Von Christin Schmidt

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