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Rathenow Ehrenamtlicher „Hausmeister“ für Eulen
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15:45 12.07.2018
Christoph Prochotta oben in einem Trafo-Turm mit einem Nistkasten für Schleiereulen. Quelle: foto: Bernd Geske
Rathenow

 Der Naturschutzbund (Nabu) übernahm nach 1992 im Westhavelland und darüber hinaus vom Energieversorger 76 Trafo-Türme, als diese nicht mehr für die Stromübertragung gebraucht wurden. Das hatte landschaftspflegerische Gründe und diente dem Artenschutz. Trafo-Türme können als Unterkünfte für Turmfalken, Schleiereulen, Schwalben, Bachstelzen, Hausrotschwänze, Fledermäuse und weitere Arten dienen.

Christoph Prochotta hat bislang zwölf alte Trafo-Türme in Ordnung gebracht, die als Unterkünfte für diverse Tierarten dienen.

So weit, so gut. Jeder, der für eine oder mehrere Immobilien verantwortliche ist, weiß aber auch, dass diese regelmäßig gepflegt, gesäubert und gegebenenfalls repariert werden müssen. Selbst für die überzeugtesten Naturschützer ist es aber nicht gerade ein Traum, aus einem Trafo-Turm den Eulendreck von mehreren Jahren heraus zu fegen. Es könnte dringendere Artenschutzarbeiten geben...

Christoph Prochotta in einem Turm. Quelle: Bernd Geske

Hier kommt der Rathenower Christoph Prochotta ins Spiel. Für die Natur hat er sich schon immer interessiert und seit diversen Jahren fotografiert er sehr gern. Bevorzugt Motive aus der Natur. Da wurde er gern gesehen, als er 2015 erstmals zu einem Fachgruppenabend der Ornithologen des Nabu Westhavelland kam. Ein paar Monate später ging es bei einer Zusammenkunft um Trafo-Türme und Christoph Prochotta fand Gefallen an ihnen. Als er sich die Dokumentationen der Bauwerke ansah, fiel seinem strengen Fotografenauge auf, dass diese nicht immer vorteilhaft und lotrecht ins Bild gesetzt waren. „Ich fahre die Türme mal an und fotografiere sie vernünftig“, teilte er mit und machte es auch. Nun waren die 76 Türme aber nicht immer leicht zu finden. Manche stehen komplett im Nirgendwo im Wald. Christoph Prochotta suchte emsig, fragte sich durch, fand sie alle und lichtete sie kunstgerecht ab.

Diese feine, zeitraubende und blitzsaubere ehrenamtliche Arbeit weckte in ihm aber den Drang, für die Trafo-Türme und die darin wohnenden Tiere mehr zu tun. Er begann, die Türme zu säubern, sie zu reparieren, Nist- und Sitzmöglichkeiten innen einzubauen. Teils installierte er ganze Zwischenebenen, auf denen junge Schleiereulen sitzen konnten ohne die Gefahr, vom Nest nach unten auf den Turmboden zu fallen. Manchmal war auch ein Dach zu reparieren, oft musste die Tür gestrichen werden. Christoph Prochotta besorgte sich Baumaterial, Farbe, eine ausziehbare Leiter und baute und baute.

Als Krönung ein Nabu-Schild

Zuerst hat er mit einem Partner zusammen die drei Türme bei Kotzen, Rhinsmühlen und Kriele in Ordnung gebracht. Allein ist er dann bislang weiteren neun Trafo-Türmen zu Leibe gerückt. Er hat für jeden Turm ein „Turmbuch“ eingeführt, wo einzutragen ist, wer wann dort war und was getan oder festgestellt hat. Als Krönung des Ganzen hat er an die Tür eines jeden Turmes für Vorbeikommende ein offizielles Nabu-Schild geschraubt, auf dem zu lesen steht, dass das Gebäude dem Artenschutz dient. Telefonnummer als Kontaktmöglichkeit inclusive.

Christoph Prochotta macht nicht viele Worte um seine ehrenamtliche Tätigkeit. Wenn man ihn fragt, dann schätzt er ab, dass er im Durchschnitt pro Trafo-Turm wohl acht Stunden gebraucht hat. Um alles in die Reihe zu bringen, sei er jeden drei- bis viermal, manchmal auch öfter, angefahren. Das alles tat er, ohne beim Nabu-Regionalverband um Kostenerstattung zu ersuchen, und die nächsten acht Türme hat er schon auf dem Plan.

Artenschutz per Trafo-Turm

Der Naturschutzbund hat im Laufe der Jahre 76 Trafo-Türme vom Energieversorger übernommen, um sie für den Artenschutz zu erhalten.

Sie befinden im Wesentlichen im Bereich des Naturparks Westhavelland und sind verteilt auf einer Fläche von rund 1500 Quadratkilometern.

42 Türme befinden sich im Zuständigkeitsbereich des Naturschutzbundes (Nabu) Westhavelland.

Den ersten Trafo-Turm hatte der Nabu Westhavelland 1992 von der damaligen MEVAG bei Hohennauen übernommen.

Als Unterkünfte und Brutgelegenheit werden Trafo-Türme von Turmfalken, Schleiereulen, Schwalben, Bachstelzen und anderen Arten genutzt.

Vor Kurzem war dieses beachtliche Engagement für René Riep, den Geschäftsführer des Nabu-Verbandes Westhavelland, „zu viel“. Er bat Christoph Prochotta zu einem Termin, überreichte ihm ein aktuelles Informationsbuch über die Trafo-Türme im Großraum Westhavelland und ließ außerdem noch einen Tankgutschein zum ehrenamtlichen „Eulenhausmeister“ hinüberwachsen.

„Wir sind sehr froh, dass wir so unverhofft hier Unterstützung bekommen haben“, sagt René Riep. Besonders schön sei, dass Christoph Prochotta offenkundig Freude an dieser ehrenamtlichen Tätigkeit gefunden habe. Der so Gelobte selbst sagt: „So kann ich der Natur etwas zurück geben, was die Menschen ihr genommen haben.“ Schließlich hätten sie den Lebensraum der Tiere immer weiter eingeengt. Einen wichtigen Grund wollte er aber nicht verschweigen: Wenn er an den Türmen baut, findet er gute Gelegenheiten, Tiere zu fotografieren.

Von Bernd Geske

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