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Essilor schließt zum 31. Dezember

Standort Rathenow wird aufgeben Essilor schließt zum 31. Dezember

Der Brillenproduzent Essilor wird seinen Standort in Rathenow aufgeben. Zum 31. Dezember werden die letzten Brillengläser hergestellt, danach sind 90 Mitarbeiter ohne Arbeit. 

Rathenow. Ronald Seeger sprach von einem „schwarzen Tag für den Optikstandort Rathenow“. Soeben hatte er erfahren, dass Essilor seinen Standort in Rathenow aufgibt. Zum 31. Dezember werden die letzten Brillengläser hergestellt, danach werden 90 Mitarbeiter in der Rathenower Produktion nicht mehr gebraucht. „Das ist eine sehr schwierige Situation für Essilor“ sagte gestern Mathias Schmidt, Geschäftsführer von Essilor Deutschland.

Am Vormittag hatte Schmidt zunächst den Rathenower Betriebsleiter Rüdiger Salomon informiert. Anschließend waren die Abteilungsleiter dran, es folgten Gespräche mit dem Konzernbetriebsrat und am Nachmittag schließlich erfuhren die Mitarbeiter, was ihnen im Dezember widerfahren wird.“ Das ist heute nicht der Tag, an dem wir auf jede Frage eine Antwort haben“, sagte Schmidt.

Der Grund für die Entscheidung, die man im Konzern in den vergangenen Monaten lange besprochen habe, seien die Absatzeinbrüche auf dem Markt für mineralische Brillengläser, also Brillengläser aus Glas. Essilor hat in Rathenow ausschließlich Mineralgläser hergestellt. Schmidt: „Seit 15 bis 20 Jahren geht der Anteil an Mineralgläsern stetig zurück, in den vergangenen Jahren jeweils um 15 bis 20 Prozent. Wir sind in einer Situation, in der das Unternehmen das nicht mehr wirtschaftlich darstellen kann.“
Das klang vor gut einem Jahr noch anders. Bei einer Pressekonferenz hatte Mathias Schmidt gesagt, Essilor in Rathenow sei ein kleiner aber wichtiger Bestandteil des Konzerns. Er hatte erklärt, dass es durchaus Interessenten für Mineralgläser gebe, weil sich Kunststoffgläser nicht für jeden Brillenträger eignen. Und er hatte dafür geworben, eine Ausbildung bei Essilor Rathenow zu beginnen.

Schmidt bestätigt, dass auch in Zukunft Mineralgläser benötigt werden. „Diese Produktion werden wir aber auf andere Standorte verteilen, auch ins Ausland.“ Andererseits sei es nicht möglich in Rathenow eine Kunststoffglasproduktion für Essilor aufzubauen. „Das wäre eine sehr aufwändige Investition.“
Die Konzernleitung habe sich entschlossen, frühzeitig über die Werksschließung zu informieren. „So hat jeder Mitarbeiter Vorlauf, um sich nach einem anderen Arbeitsplatz umzusehen“, sagte Schmidt. Zudem beginnen nun die Verhandlungen für einen Sozialplan und die Überleitung der Mitarbeiter in eine Transfergesellschaft. Die Herstellung von Kunststoffgläsern verbleibt am Standort in Braunschweig, ein weiteres Werk gibt es in Hanau.

Die Hauptverwaltung von Essilor Deutschland sitzt in Freiburg. In Rathenow verbleiben einige Servicemitarbeiter und eine Vertriebsmannschaft. Ob diese weiter in den Gebäuden am Hasenweg verbleibt oder eine andere Immobilie bezieht, lässt Schmidt derzeit offen. „Darüber werden wir 2014 nachdenken müssen.“ In der Rathenower Stadtverwaltung gab es immer gute Kontakte zu Essilor, sagte Bürgermeister Ronald Seeger. „Deshalb trifft uns das wie ein Blitz, weil davon auch nie etwas angedeutet wurde.“

Das Unternehmen hatte sich in den vergangenen Jahren auch an der „Langen Nacht der Optik“ beteiligt. Ronald Seeger sprach von einem „schlechten Signal“. Gerade erst sei bei einem Optik-Forum im Kulturzentrum Rathenow erklärt worden, wie zukunftsgewandt dieser Optikstandort sei. „Da passt eine Werksschließung eines Optikbetriebes gar nicht ins Bild.“ Der Bürgermeister hofft, dass die Arbeitnehmer schnellstmöglich wieder eine adäquate Beschäftigung finden. Er bot dem Unternehmen gestern umgehend Gespräche an: „Wenn wir irgendwie helfen können, werden wir das tun.“  (Von Joachim Wilisch )

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