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Fischwilderei ist kein Kavaliersdelikt

Schwarzangler im Havelland Fischwilderei ist kein Kavaliersdelikt

Wer ohne Angelkarte erwischt wird, macht sich strafbar – sobald die Angelschnur im Wasser ist. Wer zudem keine Fischereiberechtigung vorweisen kann, wenn er Raubfische wie Hecht und Zander angelt, muss im schlimmsten Fall mit einer Gefängnisstrafe rechnen. Viel zu oft werden Verfahren wegen Fischwilderei aber einfach eingestellt.

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Wer legal angelt, der kommt nicht mit dem Gesetz in Konflikt.

Quelle: Peter Geisler

Rathenow. Schwarzangler sind an der Unteren Havel auf dem Vormarsch – „gefühlt und dem Vernehmen nach“, sagt Rocco Buchta, Leiter am Institut für Fluss- und Auenökologie des Naturschutzbundes (Nabu) in Rathenow. Gleichzeitig sei aber die Präsenz der Wasserschutzpolizei in den vergangen Jahren reduziert worden. Buchta spricht in diesem Zusammenhang von rechtsfreien Räumen.

Er treffe dort zunehmend auf Fehlverhalten. Darunter auch Camper, die ihre Zelte im Naturschutzgebiet aufschlagen oder PKW die außerhalb genehmigter Wege unterwegs sind. Buchta wünscht sich eine höhere Präsenz der Wasserschutzpolizei, er habe die Problematik bereits an mehreren Stellen erläutert.

„Zu viele denken, Angeln funktioniere wie Pilze sammeln“

Ein Sprecher der Polizeidirektion West sagte auf Nachfrage, dass die Wasserschutzpolizei vorwiegend für die Einhaltung von See- und Binnenschifffahrtsvorschriften zuständig und daher auch hauptsächlich auf größeren und stark frequentierten Wasserstraßen unterwegs sei. Schwarzangeln sei zudem kein Delikt, der häufig angezeigt werde und bilde somit keinen Schwerpunkt aus polizeilicher Sicht.

Ähnliche Beobachtungen wie Institutsleiter Buchta macht auch Angler André Neidt aus Rathenow immer wieder. „Viele sind der Ansicht, dass Angeln wie Pilze sammeln funktioniert – da kann man ja auch einfach in den Wald gehen und sich mitnehmen, was man will.“ Er bemängelt zudem die seltenen Kontrollen durch Fischereiaufseher. Schwarzangler hätten so ein leichtes Spiel.

Angelkarte und Fischereiabgabemarke sind ein Muss

Neidt räumt zwar ein, dass sich die Situation in den letzten Jahren gebessert habe, trotzdem bekomme er immer wieder mit, dass es schwarze Schafe gebe, die illegal die Angel auswerfen und sich außerdem nicht an Fangbegrenzungen halten – von Hecht und Zander dürfen beispielsweise pro Tag nur zwei Fische mitgenommen werden.

Welche Vorschriften Angler zu beachten haben, ist im Brandenburger Fischereigesetz sowie im Strafgesetzbuch geregelt. Demnach gilt als Ordnungswidrigkeit, wenn man ohne Genehmigung – den Fischereischein – Raubfische wie Hecht und Zander angelt oder auf Verlangen keine Angelkarte vorzeigen kann. Außerdem muss die jeweilige Fischereiabgabe – variiert je nach Bundesland – gezahlt worden sein, als Nachweis bekommt man eine Fischereiabgabemarke: In Brandenburg werden für Acht- bis 18-Jährige 2,50 Euro pro Jahr fällig, ab 18 Jahren kostet die Fischereiabgabe 12 Euro pro Jahr.

„Verfahren wegen Fischwilderei werden zu oft eingestellt“

Wer gegen diese Auflagen verstößt, muss laut Fischereigesetz mit Geldstrafen von bis zu 50 000 Euro rechnen. Wer wegen Fischwilderei nach dem Strafgesetzbuch verurteilt wird, läuft zudem Gefahr, für bis zu zwei Jahre ins Gefängnis zu gehen.

Nach Aussage von Ralf Weller, Sprecher des Amtsgerichts in Rathenow, sind Fälle von Schwarzanglern vor Gericht allerdings „Exoten, die vielleicht ein Mal in zwei Jahren vorkommen“. Weller schätzt aber, dass die Dunkelziffer weitaus höher ist.

Marcel Weichenhan vom Landesanglerverband sieht in diesem Zusammenhang noch ein anderes Problem: „Wenn jemand wegen Fischwilderei festgenommen und angeklagt wird, werden die Verfahren oft einfach eingestellt und die Wilderei als Kavaliersdelikt abgetan.“ Ähnlich endete auch eine Gerichtsverhandlung vergangene Woche in Potsdam: Ein 24- und ein 26-Jähriger mussten sich wegen Fischwilderei vor dem Amtsgericht verantworten, kamen am Ende aber mit einer geringen Geldstrafe davon.

 

Von Josephine Mühln

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