Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Rathenow Frühstück für die Weinbergschüler
Lokales Havelland Rathenow Frühstück für die Weinbergschüler
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:27 11.09.2018
Anke Sievert (hinten) und Marlis Jung (re.) kümmern sich um die Frühstücksversorgung an der Weinbergschule. Quelle: Markus Kniebeler
Rathenow

Der Einsatz hat sich gelohnt. Weil Lehrer und Unterstützer der Rathenower Grundschule am Weinberg beim Kampf um ein kostenloses Frühstücksangebot für ihre Schüler nicht locker gelassen haben, wurde aus der Idee Wirklichkeit. Seit diesem Schuljahr ist die Schule Mitglied der Spirelli-Bande. Unter diesem Slogan hatte die Awo-Potsdam vor elf Jahren in der Landeshauptstadt erstmals in einer Schule ein kostenloses Frühstücksangebot eingeführt.

Schul-Frühstück erst einmal für ein Jahr

Das Projekt Spirelli-Bande in der Weinbergschule ist erst einmal auf ein Jahr angelegt. So lange ist die Finanzierung gesichert.

Rund 25 000 Euro kostet das. Es fallen neben den Sachkosten vor allem die Personalkosten für die beiden Betreuerinnen ins Gewicht.

Das Sozialministerium unterstützt das Rathenower Projekt finanziell. Auch die Stadt hat sich beteiligt. Der Rest wird mit Eigenmitteln der Awo bestritten sowie Spenden von Unternehmen und Privatpersonen.

Um das Vorhaben dauerhaft zu etablieren, ist die Schule auch zukünftig auf Spenden angewiesen.

Die Awo Potsdam ist auch Träger des Rathenower Projektes. Mithilfe von zwei geringfügig Beschäftigten wird in der Lehrküche der Schule jeden Morgen ein Frühstücksbüffet aufgebaut. Anke Sievert und Marlis Jung heißen die beiden Damen, die sich um die Organisation kümmern. Sie kaufen ein, was zu einem gesunden Frühstück gehört. Um 6 Uhr beginnen sie dann mit der Vorbereitung des Büffets. Obst und Gemüse werden geschnippelt, Brötchen geschmiert, Kaffee und Tee müssen zubereitet werden – und appetitlich präsentiert werden soll das Ganze ja auch.

„In den ersten Tagen war die Reaktion reserviert“, berichtet Schulleiterin Kerstin Pollak. Aber mittlerweile hätten die Schüler ihre Scheu abgelegt.

30 Schüler nutzen das Angebot

Rund 30 Kinder nutzen das Angebot jeden Tag. Kerstin Pollak rechnet damit, dass es noch mehr werden. „Es muss sich erst einmal herumsprechen“, sagt sie. Und das dauere erfahrungsgemäß eine gewisse Zeit.

Jeder, der Lust und Appetit hat, kann sich am Büffet bedienen. „Niemand muss nachweisen, dass er bedürftig ist“, erklärt Franziska Löffler von der Awo Potsdam, die das Rathenower Projekt mit aus der Taufe gehoben hat. Es gehe darum Kindern zu einem gesunden Start in den Tag zu verhelfen – unabhängig von Herkunft und sozialem Status.

Gefrühstückt wird tagtäglich vor Schulbeginn in der Zeit von 6.30 bis 7.15 Uhr. „Die Kinder sollen genug Zeit haben, den Schultag in ruhiger und entspannter Atmosphäre zu beginnen“, sagt Franziska Löffler. Bei dem Frühstück gehe es nämlich nicht ausschließlich um gesunde Ernährung. Die soziale Komponente sei ebenso wichtig.

Vize-Bürgermeister Hans-Jürgen Lemle beim offiziellen Start der „Spirelli-Bande“ am Dienstag. Quelle: Markus Kniebeler

Denn beim Futtern darf erzählt werden. Wer sein Herz ausschütten will, der findet bei den beiden Betreuerinnen ein offenes Ohr. Und auch der Schulsozialarbeiter ist zugegen, der bei dem ein oder anderen schulischen und außerschulischen Problem hilfreiche Ratschläge geben kann.

Unterstützung durch die Stadt

Rathenows Vize-Bürgermeister Hans-Jürgen Lemle sagte bei der Vorstellung der Spirelli-Bande, er betrachte das Vorhaben mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Schön sei es, dass Kinder, denen es nicht vergönnt sei, mit einem ordentlichen Frühstück in den Tag zu starten, diesen Mangel in der Schule kompensieren können. Traurig stimme ihn, dass es diese Defizite überhaupt gebe. Dafür zu sorgen, dass Kinder nicht hungrig zur Schule gehen, sei ureigene Aufgabe des Elternhauses.

„Wenn Eltern selber nicht gelernt haben, wie wichtig ein ordentliches Frühstück ist, dann können sie das ihren Kindern nicht vermitteln“, hält Franziska Löffler dem entgegen.

Das Geld für die Frühstücksversorgung stammt von Land, Stadt und privaten Sponsoren. Die Rathenower Bäckerei Thonke etwa stellt Brot und Brötchen kostenlos zur Verfügung. „Schön wäre es, wenn die Kommune sich irgendwann der Sache ganz annehmen würde“, sagt Franziska Löffler. „Und dann am besten in allen Schulen.“

Hört sich an wie ein unerfüllbarer Wunschtraum. Ist es aber vielleicht nicht. In Potsdam hat die Stadt – nachdem die Awo die Sache zehn Jahre lang gestemmt hat – die Frühstücksversorgung in zwölf Schulen übernommen.

Von Markus Kniebeler

Zum Abschluss der Interkulturellen Woche laden 230 Akteure am 29. September in den Optikpark ein und zeigen, wie kulturell vielfältig das Havelland ist. Immerhin leben hier 136 Nationen.

11.09.2018

Das Aktionsbündnis „Unser Rathenow“ hat auf den offenen Brief von Stefan Behrens reagiert und unterstützt den Vorschlag zu gemeinsamen Aktionen. Der Premnitzer Bürgermeister macht einen anderen Vorschlag.

10.09.2018

Am Mittwoch um 11 Uhr beginnt im Kulturzentrum der Kartenvorverkauf für die Weihnachtsmärchen. Gezeigt werden „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, „Däumelinchen“ und „Der Kleine Muck“.

10.09.2018