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Gelegenheit macht Diebe

Holzklau im Wald Gelegenheit macht Diebe

Holzdiebstahl im Wald sei eine latente Gefahr, sagt Förster Frank Wilke. Zu selten werden die Diebe aber auf frischer Tat ertappt und können zur Rechenschaft gezogen werden. Dabei handelt es sich ganz klar um eine Straftat, die mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren geahndet werden kann.

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Holz ist ein begehrtes Gut – wer es aber im Wald einfach mitnimmt, macht sich strafbar.

Quelle: Peter Geisler

Rathenow. Es komme leider oft vor, dass sich Holzdiebe im Wald zu schaffen machen, sagt Thomas Querfurth, Stadtförster in Rathenow. „Viele Leute meinen, dass man sich das Holz einfach klein schneiden und mitnehmen kann, aber das ist falsch, man macht sich damit strafbar.“ Ihm seien immer wieder zwei Arten von Dieben aufgefallen, sagt der Förster. „Die einen klauen ganze Lkw-Ladungen Holz, die anderen sind Privatmänner, die sich damit ihren heimischen Kamin befeuern.“

Problematisch sei, dass die Diebe oft nicht erwischt werden. „Wenn doch mal Spaziergänger vorbeikommen und die Täter sehen, gehen sie davon aus, dass derjenige das Holz mitnehmen darf“, sagt Querfurth. Ihm sei aber auch schon ein dreister Dieb untergekommen, der das Holz direkt hinter seinem Garten abgeladen hat. Die Waldarbeiter, die das Holz zuvor geschnitten hatten, erkannten „ihr Holz“ und warteten, bis der Dieb mit der nächsten Fuhre um die Ecke kam.

Holzdiebe werden nur selten auf frischer Tat ertappt

„Gelegenheit macht Diebe“, sagt auch Frank Wilke, Revierförster in Nennhausen. Es sei „ein latentes Problem“, dass Räuber im Wald ihr Unwesen treiben und sich den Pkw oder auch mal größere Anhänger mit Holz voll laden. Und auch er weiß: „Aufgrund der großen Waldflächen ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Diebe auf frischer Tat ertappt werden, sehr gering.“

„Holzdiebstahl macht einen verschwindend geringen Teil unserer Kriminalstatistik aus“, sagt auch Jana Birnbaum, Sprecherin der Polizeidirektion West. Es sei nicht bekannt, dass es mal einen Diebstahl in größerem Umfang gegeben habe.

Wer erwischt wird, dem drohen Geld- oder Gefängnisstrafe

Wie das Brandenburger Polizeipräsidium auf Nachfrage mitteilt, wurden 2014 in ganz Brandenburg 188 Fälle von Holzdiebstahl erfasst, 62 davon aufgeklärt. Das entspricht einer Aufklärungsquote von 33 Prozent. Die Schadenssumme all dieser Fälle beläuft sich auf 211 469 Euro. 2013 waren es noch 225 Fälle und ein Schaden von 395 140 Euro. Im ersten Halbjahr 2015 seien aber weniger Fälle erfasst worden als im Vergleichszeitraum 2014, sagt Präsidiumssprecher Mario Heinemann.

Wer beim Holzklau erwischt und angezeigt wird, muss mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren rechnen – so wie der Holzdieb aus Stechow vom vergangenen Mittwoch. Der 28-Jährige hatte mit seinem Pkw an der Verbindungsstraße von Stechow nach Ferchesar gestoppt und Holz eingeladen, das am Fahrbahnrand gelagert wurde. Eine Genehmigung konnte er nicht vorweisen. Im Beisein der Beamten musste der Havelländer das Holz daher wieder ausladen. Gegen ihn ermittelt nun die Kripo. „Ein Zufallstreffer, weil es an der Straße passiert ist“, sagt Wilke.

Über’s Forstamt kommt man auf legalem Weg an Holz

Dabei muss es so weit gar nicht kommen: Wer Holz braucht, kann sich beim zuständigen Förster melden und es so auf legalem Weg beziehen. „Brennholz wird dann entweder schon fertig geschnitten bereit gestellt, oder man wird vom Forstamt angewiesen, wo man sich Holz schlagen darf“, erklärt Rathenows Förster Thomas Querfurth. In dem Fall müsse man einen Motorsägenschein vorweisen und bekomme zusätzlich eine Genehmigung vom Forstamt, die man bei sich tragen müsse.

Wie viel eine Ladung Holz wert sei, hänge von Qualität und Menge ab, sagt Frank Wilke. So seien Stücke, die auch als Sägeholz verwendet werden könnten mehr wert als beispielsweise trockenes Brennholz – die Spanne reiche von 20 Euro für den Meter Brennholz bis 100 Euro oder mehr für den Meter Sägeholz. Auch sei Laubholz teurer als Nadelholz.

Brandenburg ist mit rund 1,1 Millionen Hektar eines der waldreichsten Bundesländer Deutschlands. Mit mehr als 270 000 Hektar ist der Landesbetrieb Forst für etwa ein Viertel der Fläche zuständig. Die restliche Fläche gehört den Angaben zufolge Privatleuten und Kommunen.

Brandenburg ist Kiefernland

Brandenburg hat 2012 erstmalig eine landesweite Waldinventur durchgeführt. Von März 2012 bis November 2013 waren zwölf Inventurtrupps des Landesbetriebes Forst in Brandenburger Wäldern unterwegs und haben die Daten von rund 300 000 Bäumen erfasst.

Mit 37,5 Prozent gehört Brandenburg zu den fünf Bundesländern mit dem größten Waldanteil an der Landesfläche. Dieser ist im Süden Brandenburgs mit 43 Prozent am größten und in der Mitte und im Norden mit 34 bzw. 38 Prozent etwas geringer.

4 500
Quadratmeter Waldfläche entfallen auf jeden Brandenburger.

Brandenburg ist Kiefernland: Mit 70 Prozent nehmen Kiefern die mit Abstand größte Fläche ein. Sieben Prozent sind Eichen und drei Prozent Buchen. Die restlichen 20 Prozent verteilen sich auf andere Laub- und Nadelbaumarten.

Wie viel Holz im Wald wächst, ist in erster Linie von natürlichen Gegebenheiten wie Boden und Niederschlag abhängig.

Von Josephine Mühln

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