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Rathenow Hausärzte weisen Neu-Patienten ab
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14:24 29.10.2018
In Rathenow ist die Suche nach einem Hausarzt ein schwieriges Unterfangen. Quelle: Oliver Berg/dpa
Rathenow

Zuerst war es nur eine Erkältung, dann eine Dauerinfektion. Mit einem Überweisungsschein zum Hals-, Nasen-, Ohrenarzt machte sich eine Rathenowerin, der es gar nicht gut ging, auf den Weg zu einem Facharzt. Weil sie einen HNO-Arzt bis dahin nicht in Anspruch genommen hatte, war der Weg zu dem Mediziner eine Premiere.

Am Ende privat abgerechnet

Es wurde eine Premiere mit Hindernissen. Die Rathenowerin sprach bei allen HNO-Fachärzten in und um Rathenow vor. „Wir sind voll“, bekam sie an der Anmeldung lapidar zur Antwort. Und: „Versuchen Sie es woanders.“ Es gab Arztpraxen, so berichtete die Rathenowerin jetzt, da habe man ihr wenigstens noch Tipps gegeben, an wen sie sich wenden könne. Letztendlich aber musste die Frau zu einer HNO-Ärztin in Rathenow gehen, die ausschließlich privat abrechnet.

Inzwischen ist es kein Einzelfall, dass Patienten abgewiesen werden. Und das ist nicht nur bei Spezialisten so, sondern auch bei den niedergelassenen Hausärzten. Eine ältere Dame, die soeben neu nach Rathenow hinzugezogen war, hatte die Suche nach einem Mediziner schon fast aufgegeben. Sie war nicht akut krank, aber es waren bestimmte Medikamente zu verschreiben.

Manchmal sind nur einfache Untersuchungen notwendig, aber Neupatienten kommen nur im Notfall zum Zuge. Quelle: MAZ

Die Frau tingelte von Arztpraxis zu Arztpraxis in der Stadt Rathenow. „Es gibt ja eine ganze Menge Hausärzte hier“, sagte eine Angehörige der Frau. Allerdings wurde die Dame nicht zum Arzt vorgelassen. „Wir nehmen keine Patienten mehr auf, wir sind voll“, lautete die Antwort.

Allerdings nicht so voll, dass auch Privatpatienten abgewiesen werden. Der Hinweis „Ich bin aber Privatpatient“ ebnet zumeist den Weg ins Ordinationszimmer. Im Selbstversuch unter anderem Namen hat der Autor dies getestet. In vier von sechs Arztpraxen war der Hinweis auf die private Krankenversicherung die erfolgreiche Taktik. „Kommen Sie in unsere Sprechstunde“, hieß es dann.

Das Beschwerdetelefon

Da die Neu-Rathenowerin aber keine Privatpatientin war, blieb eine Beschwerde bei der Kassenärztlichen Vereinigung. „Schreiben Sie uns mal eine E-Mail“, lautete die Antwort. Man werde die Beschwerde dann bearbeiten. Wie ein Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung bestätigte, sei das ein Weg, Probleme zu melden. „Wir haben aber auch ein Patiententelefon.“

Auf den Fall angesprochen, bedeutete der KAV-Sprecher nur: „Das kann gar nicht sein.“ Und tatsächlich. Der Neupatientin war innerhalb kurzer Zeit ein Hausarzttermin vermittelt. Was die Angehörigen der Frau zu der Frage verleitete: „Was machen die, die nicht den Mut haben zur KAV zu gehen?“

Verweigerung nicht möglich

Denen bleibt oft nur der Weg zur Rettungsstelle der Kliniken. Ist man akut krank, steht der Weg offen. Dazu sind die Rettungsstellen allerdings nicht da. Die Folge sind überfüllte Warteräume in den Krankenhäusern in Nauen und Rathenow.

Grundsätzlich, so heißt es dazu bei Sprechern von AOK und DAK dürfe ein Hausarzt die Behandlung nicht verweigern. Auch bei den Krankenkassen gibt es Beratungsmöglichkeiten, wenn es mit dem Arzttermin Schwierigkeiten gibt. Einen Facharzttermin kann man sich auch über die Kassenärztliche Vereinigung vermitteln lassen, machte der KAV-Sprecher klar.

Ein Arzt untersucht in einer Arztpraxis die Ohren einer Patientin. Quelle: Christin Klose/dpa

Die Situation für Patienten wird indes nicht besser. Demnächst hört eine Allgemeinärztin in Nennhausen auf. Eine Nachfolge ist nicht in Sicht. „Wo sollen die Leute denn dann hin?“ So fragt die Angehörige der Frau, die inzwischen eine Hausarztpraxis gefunden hat.

Die Kreisverwaltung versucht, mit Geld zu locken. Für Ärzte, die sich hier in der Provinz niederlassen, gibt es Prämien. Im Jahr 2017 gab es Geld von Landrat Roger Lewandowski für eine Hausärztin, die in Rathenow eine Ordination übernommen hat. Einer, der sich im Metier auskennt, warnt: „Es kommt die Zeit, da müssen Patienten, die auf dem Land leben, lange Wege zum nächsten Hausarzt auf sich nehmen.“

Von Joachim Wilisch

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