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Rathenow Herbstführung über den Weinbergfriedhof
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15:33 07.10.2018
Steinmetzmeisterin Christa Eißer führt seit 2006 Menschen über den historischen Friedhof. Quelle: Uwe Hoffmann
Rathenow

Der Weinbergfriedhof ist alles in einem: Würdevolle Grabstätte, Naturoase und ein Ort voller Geschichten und Geschichte.

Ab 1732 wurde der evangelische, heute konfessionsoffene, historische Friedhof außerhalb der Zollmauer der Stadt als dritter Friedhof der Stadt am Weinberg angelegt. Am Samstag führte die Rathenowerin Christa Eißer über 30 Interessierte über die heute 18 Hektar große Anlage, die mit ihren erhaltenen historischen Grabstellen einen Einblick in die vielfältige Geschichte der Stadt gibt.

Im Herbst entwickelt der historische Weinbergfriedhof in Rathenow eine besondere Anziehungskraft. Bei einer Führung über das 18 Hektar große Areal erfuhren die 30 Teilnehmer viel über die Geschichte der Anlage.

Die ältesten erhaltenen Grabstätten findet man direkt neben dem Torhaus: Ab 1764 wurden hier die Mitglieder der Apotheker-Familie Schönermarck bestattet. Unter den späteren Nachkommen mit dem Familiennamen Meuß waren Pfarrer und der Apotheker und Ziegeleibesitzer Johann Friedrich Meuß (1818 bis 1878), der bereits knapp ein Jahr vor seinem Tod zum Ehrenbürger der Stadt ernannt wurde. Die heute in ganz Deutschland verstreuten Nachfahren ließen die Grabstellen in den 1990er Jahren sanieren.

Die Gräber der Optiker-Familien der Stadt stehen unter Denkmalschutz. Im „Offiziersbogen” findet man einige Gräber von Offizieren und Militärärzten der seit 1867 rund 70 Jahre in Rathenow stationierten Zietenhusaren.

Erhalt durch Patenschaften

Um andere historische Grabstellen bedeutender Bürger der Stadt zu erhalten, übernehmen Rathenower eine Patenschaft durch Nutzung für heutige Bestattungen ihrer Familienmitglieder. Dabei wird der vorhandene Grabstein der Ruhestätte erhalten. Ein Beispiel ist die Grabstelle des Stabstrompeters und Kapellmeisters der Zietenhusaren, Wilhelm F. Kostmann (1847 bis 1930), wo 2012/2013 Ilse und Paul Ziethe beerdigt wurden.

Auch die Grabsteine einiger Künstler, wie des impressionistischen Malers Ernst Kolbe und Naturforscher, wie Ernst Dreblow, Mitarbeiter des Feuerlanderkunders Günter Plüschow, kann man auf dem Rathenower Friedhof entdecken.

Bereits 1932 erhielt der Rathenower Friedhof den 2. Platz bei einer jährlichen deutschlandweiten Friedhofsprämierung. Noch heute findet man beeindruckende Grabstätten. So die der Familie Gebauer mit der lebensgroßen Hohl-Bronze-Figur „Der müde Wanderer” – sicher eines der schönsten Grabmäler auf dem Friedhof.

Die Hohl-Bronze-Figur „Der müde Wanderer” – eines der schönsten Grabmäler auf dem Friedhof. Quelle: Uwe Hoffmann

Auch der Besuch der 1917, mitten im Ersten Weltkrieg, damals als moderne Friedhofskappelle mit Sezierraum errichteten Auferstehungskirche war für die Teilnehmer der Führung interessant und beeindruckend. Den Abschluss der zweistündigen Führung bildeten die modernen Urnen-Gemeinschaftsgrabstellen und die für Erdbestattungen mit einheitlicher Rasenfläche nach dem Vorbild „Amerikanische Wiese”. „Man ist schon oft über den Friedhof gegangen. Aber bei so einer Führung sieht man immer wieder Neues und erfährt Interessantes”, so eine Rathenowerin beim Kaffeetrinken nach der Führung im Torhaus.

Besucher schwärmen von der Anlage

„Der Rathenower Friedhof ist etwas ganz Besonderes, vergleichbar nur mit wenigen historischen Friedhöfen”, schwärmte Margarete von Fintel. „Allein das tolle Bild jetzt mit der bunten Herbstfärbung der alten Laubbäume ist einen Spaziergang wert.”

Im Zuge der Vorbereitungen zur Landesgartenschau in Rathenow 2006 wurde das 1759 als Leichenhalle errichtete Torhaus grundlegend saniert. In diesem Zusammenhang wurde der evangelische Friedhof auf dem Weinberg auch überregionalen Fachleuten stärker bekannt und 2006 als erster der Region in die Liste der Stiftung historischer Kirch- und Friedhöfe Berlin-Brandenburg aufgenommen. Seitdem führt die Steinmetzmeisterin im Ruhestand, Christa Eißer, mehrmals im Jahr regelmäßig interessierte Rathenower und Gäste ehrenamtlich über den Friedhof. Eine letzte Führung wird es in diesem Jahr wohl im November geben.

Von Uwe Hoffmann

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