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Rathenow Hochbetrieb auf Truppenübungsplatz
Lokales Havelland Rathenow Hochbetrieb auf Truppenübungsplatz
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16:49 05.11.2018
Seit Montag üben Schützenpanzer des Typs Marder auf dem Klietzer Truppenübungsplatz den scharfen Schuss. Quelle: Kay Harzmann
Klietz

In letzter Zeit ging es auf dem Truppenübungsplatz Klietz relativ ruhig zu – im wahrsten Sinne des Wortes. Vor allem der Betrieb auf der Panzerschießbahn 13, der regelmäßig lärmgeplagte Anwohner auf den Plan ruft, war sehr reduziert.

Das wird sich bald ändern: Nach Auskunft von Hauptmann Patrick Becker, auf dem Übungsplatz für die Pressearbeit zuständig, ist am Montag eine Truppe des Gefechtsübungszentrums Altmark angerückt, um mit dem Schützenpanzer Marder den scharfen Schuss zu üben. Nun mag sich der ein oder andere fragen, warum die Soldaten das nicht auf ihrem heimischen Gelände tun? Schließlich ist das Areal in der Letzlinger Heide um einiges größer als der Klietzer Platz.

Es wird scharf geschossen

Die Antwort ist einfach: auf dem Gelände in Sachsen-Anhalt darf nur mit Übungsmunition geschossen werden. Aber die Soldaten müssen in regelmäßigen Abständen mit richtiger Munition trainieren. Und das tun sie auf der dafür angelegten Schießbahn 13.

Zwölf Panzer werden nach Klietz überführt, rund 120 Soldaten beziehen in den kommenden beiden Wochen die Unterkünfte auf dem Klietzer Gelände. In der übernächsten Woche kommt noch eine rund 100 Mann starke Ausbildungskompanie dazu. Auch die wird das Schießen mit Marderpanzern trainieren.

„So schlimm wird das aber nicht mit dem Lärm“, sagt Becker. Die 20-Millimeter-Kanonen der Marder-Schützenpanzer seien, was die Lautstärke der Detonation angeht, nicht vergleichbar mit den 120-Millimeter-Geschossen, mit denen der Leopard 2 operiere.

Die Schießbahn 13 gehört zu den größten Deutschland. Quelle: Kay Harzmann

Dass die Schießbahn 13 so beliebt ist, hat gute Gründe: Es ist eine der größten ihrer Art in Deutschland. Auf fast zwölf Kilometern Länge haben Panzerbesatzungen die seltene Möglichkeit, den scharfen Schuss zu üben. Das nutzen nicht nur Einheiten aus Deutschland, sondern auch aus den Nachbarländern.

Die Anrainer des Platzes sind von dem Lärm, der vor allem beim Schießen mit großkalibrigen Waffen entsteht, naturgemäß nicht begeistert. Dirk Hoffmann, Kommandeur des Platzes, weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es gesetzlich festgesetzte Grenzwerte gebe, auf deren Einhaltung die Bundeswehr peinlich genau achte. Vor jedem Schießen – aber auch bei Sprengungen – werden Computermodelle erstellt, in welchen die Lärmbelastung genau errechnet wird. Wenn die Computerprognose eine Überschreitung des Grenzwertes ergebe, könne vor dem Schießen reagiert werden, so Hoffmann.

Computer berechnen Lärmbelastung

Damit die Computerprogramme eine realistische Berechnung zustande bringen, müssen sie mit aktuellen Daten gefüttert werden. Zu diesem Zweck fand im Sommer auf dem Truppenübungsplatz ein sogenanntes Lärmimmissionsschießen statt. Eine Woche lang wurde mit verschiedenen Kalibern geschossen. Mess-Ingenieure dokumentieren die Lärmimmissionen und speisten sie in das Berechnungssystem ein.

Platz mit vielfältigen Übungsmöglichkeiten

Der Truppenübungsplatz Klietz ist 9110 Hektar groß. 80 Prozent des Platzes gehören zum Land Sachsen-Anhalt, 20 Prozent zum Land Brandenburg.

Drei Gewässer unterschiedlichen Charakters berührt der Klietzer Truppenübungsplatz: den Klietzer See (stehendes Gewässer), die Havel (langsam fließendes Gewässer) und die Elbe (schnell fließendes Gewässer). Diese Vielfalt bietet vor allem Pionieren die Möglichkeit, die unterschiedlichsten Szenarien des Gewässerübergangs zu trainieren.

Die Schießbahn 13 ist der ideale Übungsraum für Panzereinheiten. Auf der 12 Kilometer langen Bahn trainieren unter anderem Panzer des Typs Leopard 2 den scharfen Schuss.

Wenn Mitte November die Marder den Platz verlassen, heißt das nicht, dass Winterruhe einkehrt. Am 19. November rückt das Spezialpionierregiment 164 aus Husum an. Rund 500 Soldaten mit 120 Radfahrzeugen (keine Panzer) werden zwei Wochen lang aktiv sein. Nach Auskunft Patrick Beckers steht ein Ausbildungs-und Handwaffenschießen auf dem Übungsplan. Außerdem seien Übungseinheiten auf dem Sprengplatz geplant. Und auch das Fahren im Konvoi soll trainiert werden.

All dies geht innerhalb der Platzgrenzen vonstatten. Lediglich bei der An- und Abreise könne es passieren, dass Militärfahrzeuge auf öffentlichen Straßen unterwegs sind, sagt Becker. Sperrungen sind aber nicht geplant.

Ruhe ab Mitte Dezember

Mitte Dezember kehrt dann allerdings tatsächlich Ruhe ein auf dem rund 9000 Hektar großen Gelände. Die übungsfreie Zeit wird für Instandhaltungs- und Pflegearbeiten genutzt. Außerdem findet auf den Schießbahnen eine Munitionsnachsuche statt. Und über den Jahreswechsel wird es dann – wie vielerorts – ganz ruhig in der Kaserne „Im Walde“.

Lange währen wird diese Ruhe allerdings nicht. Mitte Februar findet eine Übung der European Battle Group statt – einer EU-Eingreiftruppe für Krisen und Konflikte. Rund 600 Soldaten aus den Niederlanden werden dann trainieren, wie in einem europäischen Krisenfall Kräfte schnell und effektiv zum Einsatz gebracht werden können.

Im September reist die European Battle Group übrigens noch mal für zwei Wochen an. Der Klietzer Platz scheint sehr beliebt zu sein.

Von Markus Kniebeler

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