Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Rathenow „Die Stadt Rathenow ist nicht zügig genug“
Lokales Havelland Rathenow „Die Stadt Rathenow ist nicht zügig genug“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 17.07.2018
Martin Gorholt auf dem Märkischen Platz in Rathenow. Quelle: Christin Schmidt
Anzeige
Rathenow

Ein lauer Sommerabend, Martin Gorholt, Vorsitzender der SPD-Havelland, sitzt auf einer Bank auf dem Märkischen Platz. Einen Monat nach seinem Wechsel von Berlin nach Potsdam hat sich der neue Chef der Staatskanzlei Zeit genommen für seine politische Wahlheimat und ein Interview.

Herr Gorholt, seit gut einem Monat sind sie Chef der Staatskanzlei. Hatten Sie Zeit, die Fußball-Weltmeisterschaft zu verfolgen?

Martin Gorholt: Von beiden Halbfinals habe ich zumindest ab der zweiten Halbzeit schauen können. Tolle Spiele. Am Sonntag drücke ich Kroatien die Daumen, obwohl ich eher glaube, dass Frankreich gewinnt.

Wie groß ist bei Ihnen die Enttäuschung über das frühe Aus der Deutschen?

Es war sehr schade, angesichts ihrer schlechten Leistung aber verdient und gerecht.

Der Jobwechsel hat Sie zurück nach Potsdam gebracht. Wie haben Sie sich eingelebt?

Ich bin noch gar nicht zum Einleben gekommen, weil so enorm viel zu tun war. In der ersten Woche stand die Ministerpräsidentenkonferenz in Berlin, der Landeshaushalt musste aufgestellt werden und es war Landtagswoche. Von daher kann von einleben keine Rede sein, ich war sofort mitten in der neuen Tätigkeit.

Was bleibt nach zwei Jahren als Bevollmächtigte des Landes Brandenburg in Berlin?

Es war eine tolle Tätigkeit. Berlin ist natürlich ein spannendes Pflaster. Die Interessen des Landes dort zu vertreten, war aufregend, eine erfüllende Aufgabe.

Am 30. August lädt ihr Vorgänger und Nachfolger in der Landesvertretung, Thomas Kralinski, zur „Havelländer Hofkultur“ ein. Sind Sie dabei?

Ja, darauf freue ich mich schon. Die Idee dazu entstand während der letzten Galmer Hofkultur. Ich war so überrascht, dass die Veranstaltungsreihe endet, dass ich vorschlug, die Hofkultur in die Landesvertretung zu verlegen. Das machen wir jetzt in Zusammenarbeit mit dem Landkreis.

Zu Ihren Aufgaben in Berlin gehörte auch der Bereich Internationale Beziehungen. Wie schwer fällt es, dieses sicher spannende Feld abzugeben?

Das tut mir durchaus leid. Ich konnte mich ja vor allem um Polen kümmern. Die Städte dort kennen zulernen, zu sehen, wie die Jugend sich engagiert, das war sehr spannend. Genau wie die Infrastrukturprojekte in der Grenzregion, um die ich mich kümmern durfte. Aber ich stehe ja immer gern für einen Wechsel zur Verfügung.

Dietmar Woidtke musste Sie also nicht lange überreden?

Wenn man vom Ministerpräsidenten gefragt wird, etwas zu machen, kann man das schlecht ablehnen. Das wollte ich auch gar nicht. Für mich ist eine neue Herausforderung, eine der wichtigsten Aufgaben in der Verwaltung der Landesregierung zu übernehmen. Das mache ich gern.

Was sind die größten Herausforderungen, die jetzt auf Sie zukommen?

Die Hauptaufgabe ist, gutes Regieren zu organisieren und das auch zu kommunizieren. Wichtig wird es in jedem Fall sein, die Themen, zu denen die beiden Regierungsparteien unterschiedliche Positionen haben – wie Haushaltsfragen, Innere Sicherheit, Forstreform – möglichst schnell abzuräumen, denn in etwas über einem Jahren stehen bereits die Wahlen an.

Mit Ihrer neuen Position steigen sicher die Erwartungen, dass Sie die Interessen des Havellandes in Potsdam noch stärker vertreten. Gab es bereits konkrete Anfragen?

Keine Stadt, kein Landkreis ist mit Politikern in der Landesregierung so gesegnet wie Rathenow und das Havelland. Diana Golze, Christian Görke, Ines Jesse und ich stehen für diese Region. Im Grunde genommen werden wir gerade von der Stadt Rathenow gar nicht so oft in Anspruch genommen. Bei manchen Projekten ist die Stadt einfach nicht zügig und entscheidungsstark genug.

Gilt das auch in Sachen Offizierskasino?

Das ist ein schönes Beispiel. Seit 2009 bin ich hier engagiert, in dieser Zeit gab es mindestens drei Möglichkeiten mit dem Casino etwas zu machen, was die Stadt nicht tat, weil ihr das Risiko zu groß war oder sie andere Prioritäten gesetzt hat.

Inwiefern ist das Objekt aus Ihrer Sicht noch zu retten?

Aus meiner Sicht gibt es eigentlich keine Chance mehr, das Kasino als Ganzes zu erhalten, aber es gibt die Chance, aus dem, was noch übrig ist, ein vernünftiges Projekt zu machen. Diese letzte Chance muss man ergreifen. Christian Görke und ich kümmern uns intensiv darum, und ich hoffe, die Stadtverordneten fassen dazu im September einen guten Beschluss.

Könnte die Landesregierung auch helfen, die Erschließung des ehemaligen ROW-Geländes voranzutreiben?

Sicher könnte man auch hier die Landesregierung bitten, mit der Firmenleitung von Fielmann zu sprechen. Man weiß doch, dass ich mehrfach mit Fielmann Gespräche zum Studiengang geführt habe. Ich wäre durchaus bereit, mich auf den Weg nach Hamburg zu machen.

Wie steht es aus Ihrer Sicht um das Engagement der Stadt Rathenow in Bezug auf die Bahnanbindung nach Berlin?

Ich bin der Meinung, dass die Stadt sich intensiver an die Landesregierung wenden sollte, aber sie muss es glaubwürdig tun. Wo ist denn das große Engagement Rathenows für die Lehrter Stammbahn bisher gewesen? Wo hat sich Rathenow intensiv dafür eingesetzt, dass im Großtrappengebiet bei Nennhausen ein weiteres Gleis gelegt wird?

Sie waren stets ein Freund der hiesigen Kulturszene, inwiefern bleibt dafür Zeit?

Ich kümmere mich weiterhin um Kultur im Havelland. Wir haben gerade erst mit Kunstschaffenden darüber gesprochen, wie es mit der Kultur hier weitergeht. Auch die Zukunft des Schlosses Ribbeck ist ein Thema – wird es mehr ein Veranstaltungs- und Ausstellungsort? Wie ist es mit dem Restaurantbetrieb? In Rathenow geht es um die Frage Kooperation Optikpark und Kulturhaus.

Welche Lösung favorisieren Sie?

Wir waren schon immer für eine enge Kooperation. Ich glaube, dass man beide Angebote – der Park im Sommer, das Kulturhaus in der kalten Jahreszeit – sehr gut miteinander in Einklang bringen und enger zusammenarbeiten kann. Das bringt mit Sicherheit Synergieeffekte und Entlastung.

Was bedeutet der neue Job für ihr Engagement in der Region?

Ich versuche so oft wie möglich hier zu sein, aber ich muss zugeben, dass es in letzter Zeit weniger geworden ist. Als SPD-Vorsitzender fürs Havelland muss ich mich um den ganzen Landkreis kümmern und die Haupttätigkeit geht natürlich vor, darunter hat mein Rathenow-Engagement sicher etwas gelitten.

Welche Termine stehen demnächst in der Region an?

Ich werde die Sommerpause nutzen, um die eine oder andere Bereisung zu machen. In Rhinow wollen wir über den Landesentwicklungsplan sprechen, in Premnitz möchte ich einige Unternehmen im Industriepark besuchen. Am 19. Juli um 17 Uhr ist meine nächste Bürgersprechstunde in Rathenow.

Sie sitzen gerade auf dem Märkischen Platz. Auf der anderen Straßenseite hören Jugendliche laute Musik. Mehrfach gab es hier gewalttätige Auseinandersetzungen und Vandalismus. Ist mehr Polizei die Lösung?

Es ist ein öffentlicher Platz, der genutzt werden soll. Ich will die Jugend nicht vertreiben. Natürlich muss Kriminalität wie das Drogen dealen bekämpft werden, zugleich muss man vorbildlich zeigen, was auf dem Platz an gutem sozialem Miteinander passieren kann. Dabei sollte man den Jugendlichen klar machen: Ihr könnt hier sein, aber ihr müsst euch an Regeln halten. Das sollte die Stadt stärker zeigen und nicht ständig sofort nach der Polizei rufen. Es gibt viele engagierte Menschen in Rathenow, die sicher helfen.

Wo erholt sich der Chef der Staatskanzlei im Urlaub?

Wir machen im September eine Kreuzfahrt in der Ostsee, besuchen unter anderem Riga und St. Petersburg. Darauf freue ich mich.

Von Christin Schmidt

Rathenow Hallo Nachbar - Hallo Nachbar!

Heute: Matthias Seils. Büro-Koordinator für das Bündnis für Familie Westhavelland.

14.07.2018

Für unsere Autorin gibt es bereits vor dem großen WM-Finale am Sonntag in Moskau einen klaren Gewinner dieser Weltmeisterschaft – und der heißt nicht Frankreich oder Kroatien.

14.07.2018

Brandenburgs erster Golfplatz feiert in diesem Jahr seinen 25. Geburtstag. Er hat seine Existenz dem Fall der Mauer zu verdanken und ist damit Pionier für den Golfsport im Land.

13.07.2018
Anzeige