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Rathenow Mehr als drei Promille hinterm Steuer – diese Strafe bekam ein Mann
Lokales Havelland Rathenow Mehr als drei Promille hinterm Steuer – diese Strafe bekam ein Mann
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17:51 17.05.2018
Symbolbild Quelle: dpa
Rathenow

Es gibt Verhandlungen, in denen Angeklagte das sprichwörtliche Blaue vom Himmel lügen. Vor diesem Problem stand Richter Axel Teckemeyer am Donnerstag nicht.

Kurt S. räumte im Amtsgericht sofort ein, sich am 25. August und 27. Oktober 2017 ohne Führerschein und mit mehr als 3,0 Promille im Blut hinters Steuer gesetzt zu haben. S. versuchte auch nicht, das Ganze zu beschönigen oder klein zu reden.

Dennoch stand das Gericht vor einer schwierigen Aufgabe. Es musste sich mit Frage auseinandersetzen, wie ein Mann zu verurteilen ist, der seit vielen Jahren ein massives Alkoholproblem hat und wegen diverser Verkehrsdelikte in Deutschland und sogar in der Schweiz mehrfach verurteilt wurde.

Mann ist auf den Führerschein angewiesen

Kurt S. ist selbstständiger Bauunternehmer und als solcher eigentlich auf den Führerschein angewiesen. Dennoch setzt er sich immer wieder betrunken hinter das Steuer und gefährdet damit sich und andere Menschen.

Zuletzt wurde er 2013 wegen Fahren ohne Fahrerlaubnis unter dem Einfluss vom Alkohol in der Schweiz verurteilt. Als er sich letztes Jahr wieder ohne Fahrerlaubnis betrunken ans Steuer seines Firmanwagens setzte, war ihm bewusst, dass er sich strafbar macht.

Erwischt mit 3,03 und 3,13 Promille

„Ich habe bereits eine Vertragsstrafe von 5000 Euro zu zahlen, weil mir ein Mitarbeiter ausfiel und ich einen Auftrag nicht zu Ende bringen konnte. Ich wollte dieses Mal den Auftrag unbedingt erfüllen, hatte aber keinen, der fahren konnte. Deshalb nahm ich das Risiko in Kauf und habe das Fahrzeug selbst geführt“, erklärte S. dem Gericht.

Auf die Frage des Richters, ob er ein massives Alkoholproblem habe, erklärte S. sogleich: „Ja, das gebe ich zu.“ Dafür spricht auch die Blutalkoholkonzentration, die jeweils nach den Fahrten gemessen wurde.

Angeklagter zeigt sich offen für Therapie

Als Polzisten Kurt S. am 25. August stoppten, ergab die Blutalkoholkontrolle einen Wert von 3,01 Promille. Am 27. Oktober hatte Kurt S. sogar 3,13 Promille im Blut. Erstaunlich dass er laut Akte dennoch nur einen leicht alkoholisierten Eindruck machte.

Viele Fragen hatten Staatsanwalt und Richter an den Angeklagten nicht, die Fakten lagen auf dem Tisch. Der Staatsanwalt wollte noch wissen, ob Kurt S. bereit wäre, sich der Hilfsgruppe der Anonymen Alkoholikern anzuschließen. „Ja, das würde ich tun. Mir macht das doch auch keine Freude“, betonte der Bauunternehmer.

Der Rathenower saß eine Strafe in einem Schweizer Gefängnis ab

Bevor Axel Teckemeyer die insgesamt zwölf Einträge aus dem Bundeszentralregister verlas, gab er S. noch einen Rat mit auf den Weg. „Sie sind in einer Sackgasse und sollten da schleunigst wieder herauskommen.“

Immerhin musste Kurt S. aufgrund seiner Sucht bereits Geldbeträge im fünfstelligen Bereich zahlen. Zuletzt verurteilte ihn ein Gericht in der Schweiz zu einer Geldstrafe von 14 400 Schweizer Franken. S. saß die Strafe im Gefängnis ab.

„Die aktuellen Taten können aufgrund der erheblichen Vorstrafen nur mit einer Freiheitsstrafe geahndet werden, stellte der Staatsanwalt fest. Er plädierte zu einem Jahr Freiheitsstrafe, zu drei Jahren auf Bewährung unter Auflagen ausgesetzt.

Unter anderem solle Kurt S. nachweisen, dass er sich den Anonymen Alkoholikern anschließt, schlug der Staatsanwalt vor. Zudem sprach er sich für eine Geldstrafe in Höhe von 4000 Euro aus.

3000 Euro und drei Jahre auf Bewährung

Dem folgte Axel Teckemeyer weitgehend. Zwar sei es aufgrund der erheblichen und einschlägigen Vorstrafen schwierig, eine positive Sozialprognose abzugeben.

Aufgrund der authentischen Äußerungen des Angeklagten und der Einsicht, die dieser vor Gericht zeigte, könne die Strafe aber noch einmal zur Bewährung ausgesetzt werden, so der Richter.

Er veranlasst nun, dass Kurt S. einen Bewährungshelfer bekommt. „Ich hoffe, dass er sie mit sinnvollen Ratschlägen wieder auf den rechten Weg bringt“, betonte Teckemeyer.

Angeklagter zeigt sich erleichtert über Bewährungsstrafe

Zudem muss Kurt S. 3000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen. „Die Anonymen Alkoholiker sollten sie allerdings aus eigenem Antrieb aufsuchen“, gab der Richter dem alkoholkranken Angeklagten mit auf den Weg.

„Ich bin bereit, diese Auflagen zu erfüllen, bloß nicht hinter Gittern“, erklärte Kurt S. sichtlich erleichtert. Frühestens in einem Jahr kann er seinen Führerschein wiederbekommen. Sollte er gegen die Auflagen verstoßen, muss er mit einer Gefängnisstrafe rechnen.

Von Christin Schmidt

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