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Rathenow Mut-Tour mit drei Faltbooten auf der Havel
Lokales Havelland Rathenow Mut-Tour mit drei Faltbooten auf der Havel
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18:40 26.07.2018
Mit der Mut-Tour begeben sich Menschen, die an Depressionen leiden, auf Tandemtour oder Kanutour oder Wandertour. Unter Gleichgesinnten schöpfen sie Mut, offen mit ihrer Krankheit umzugehen. In Rathenow hat jetzt eine Kanu-Gruppe Station gemacht. Quelle: Joachim Wilisch
Rathenow

„Das geht immer schneller.“ Alex Pae kommt gerade aus den Waschräumen am Wassersportgelände des Rathenower WSV Kanu und blickt auf den Platz, wo eben noch Zelte und diverse Gegenstände lagen. Ruckzuck war der Kram in drei Faltbooten verstaut.

Pausen und Kühlung

Alex Pae ist zusammen mit fünf anderen Gleichgesinnten auf einer Faltboottour auf der Havel unterwegs. Am Donnerstag paddelte die Gruppe von Rathenow nach Strodehne. Rund 25 Kilometer. Bei den Tagestemperaturen eine Herausforderung und auch nur mit Pausen und Abkühlung im Wasser zu bewältigen.

Die eigentliche Herausforderung ist aber eine andere. Alex Pae und ihre Begleiter sind auf Mut-Tour. Die gibt es seit dem Jahr 2012 und führt Menschen mit Depressionen zusammen. „Das Ziel ist, den Leuten zu zeigen, dass es gut ist, offen mit der Krankheit umzugehen“, sagt Gert Treuter. Das gehe am besten mit anderen, die in ähnlichen Situationen sind. Die Mut-Tour ist Deutschlands erstes Aktionsprogramm, bei dem sich die Teilnehmer auf Tandems, in Kajaks und beim Wandern durch ganz Deutschland bewegen. Dabei leisten sie einen Beitrag, das Thema Depression in die Mitte der Gesellschaft zu bringen.

Eine Kanu-Etappe der Mut-Tour führte durch die Stadt Brandenburg. Quelle: Christine Lummert

Alex Pae, Gert Treuter und die Begleiter sind Team 4. Das Faltboot-Team. Die Gruppe hat gut zueinandergefunden. „Jeder weiß, wann man auf den anderen mal Rücksicht nehmen muss“, sagt Gert Treuter. Jeder Teilnehmer habe die Gelegenheit, sich mal zurückzuziehen und jeder könne in der Gemeinschaft über alle Themen reden. „Wir haben alle ähnliche Erfahrungen gemacht und deshalb hat auch keiner Angst, etwas auszusprechen“, fügt Alex Pae hinzu.

Das Hintergrundthema ist ernst. „Aber wir wollen hier auch unsere Freude und unseren Spaß haben“, sagt Alex Pae. Die Gruppe kocht gemeinsam, geht gemeinsam einkaufen und wenn es sich ergibt – wie zum Beispiel am Wassersportgelände in Rathenow – wird gegrillt.

Elbe und Weser

Das Naturerlebnis ist ein Schwerpunkt bei der Faltboot-Tour. „Wir haben hier in der Havel gebadet, das war toll“, sagt Gert Treuter. In den vergangenen Jahren gab es bereits eine Faltboot-Tour auf der Elbe und eine auf der Weser.

Nachhaltige Erlebnisse gab es auch – so fanden es die Teilnehmer überaus komfortabel, als sie in Brandenburg an der Havel mit dem Boot zum Einkauf paddeln konnte. „Das hat man nicht überall“, sagt Gert Treuter. Manchmal seien die Wege auch relativ weit. Der letzte Versorgungsstopp war das Zentrum in Premnitz, der Einkaufsmarkt ist ebenfalls schnell vom Wasser aus zu erreichen.

Die Mut-Tour im Jahr 2016 beim Fahrrad-Stopp in Wittenberge Quelle: Jens Wegner

Völlig unvorbereitet sollte man sich weder zu Fuß, noch mit dem Fahrrad oder mit dem Kajak auf den Weg machen. „Es gibt Vorbereitungstreffen“, sagt Alex Pae. Man müsse auch schauen, wer fährt mit, wie passen die Personen zusammen, wie sind die Teams in den Booten aufeinander abgestimmt.

Wer bei der Mut-Tour dabei war, der kommt wieder. „Oft verabredet man sich auch dazu“, sagt Treuter und betont, dass für die meisten, die einmal mitfahren, der Aufwand lohnt. „In der Regel fasst man neuen Mut und traut sich insgesamt mehr zu.“

Klare Forderungen

Für Gert Treuter, der ebenso wie Alex Pae an der Krankheit leidet, ist eine Botschaft wichtig: „Man kann es behandeln, man kann lernen, damit zu leben und man muss möglicherweise ein paar Dinge im eigenen Leben neu ordnen.“ Das geht nicht ohne ärztlichen Rat. Und es kommt nicht von ungefähr, dass die Kajak-Gruppe eine Forderung in großen Buchstaben auf Plakaten dabei hat: Wir brauchen mehr Psychologen.

Das Fachpersonal fehlt also hier, wie an vielen anderen Stellen. Gegen 10 Uhr ließen die Teilnehmer von Team 4 die Boote zu Wasser. Ein heißer sonniger Tag auf der Havel stand bevor. Und ein weiterer schöner Sommerabend mit Gesprächen und Tiefgang in Strodehne.

Grundidee, Sponsoren und schnelle Hilfe

Die Grundidee der Mut-Tour: Mit Betroffenen und Nicht-Betroffenen gemeinsam Sport, Struktur und Natur erleben und täglich Öffentlichkeitsarbeit leisten. Das ist das Motto seit dem Jahr 2012

Bei der Mut-Tour bekommen Menschen mit Depressionserfahrung, die Lust auf Öffentlichkeitsarbeit haben, die Gelegenheit Interessierten von sich und ihrem Weg aus oder mit der Depression zu berichten.

Die Öffentlichkeit nimmt die Mut-Tour-Teilnehmer wahr. Dadurch erreichen sie viele Menschen und klären über psychische Erkrankungen auf und rütteln an Vorurteilen über den Lebensalltag von Menschen mit psychischen Krisen.

Unterstützt wird die Mut-Tour von der Deutschen Depressions Liga, der Deutschen Depressions Hilfe, der Barmer Ersatzkasse, der Aktion Mensch, der Kämpgen-Stiftung, der Deutschen Rentenversicherung Bund und vom Gesundheitszentrum Bad Laer. Dazu kommen Partner, zum Beispiel der ADFC

Wer Interesse hat und an der Mut-Tour 2019 teilnehmen will: www.mut-tour.de

Für Betroffene, die im Krankheitsfall wissen wollen, wo man Hilfe bekommt: Havelland Kliniken 03321 421940 (stationäre Versorgung) oder Sozialpsychiatrischer Dienst des Kreises Havelland: 03385 / 551 7126. Hilfe im Notfall bietet auch die Telefon-Seelsorge: 0800/111 0 111.

Die Tour endet an der Elbe. Alex Pae ist zum ersten Mal dabei. „Aber ich mache das bestimmt wieder.“ Schließlich geht das Zusammenpacken ja jetzt schon ganz fix.

Von Joachim Wilisch

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