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Rathenow Rentner nach Sturz hilflos: Notruf-Telefon außer Reichweite
Lokales Havelland Rathenow Rentner nach Sturz hilflos: Notruf-Telefon außer Reichweite
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21:25 29.10.2018
Klaus Barche mit seinem Notruftelefon. Quelle: Markus Kniebeler
Rathenow

Ein Notruftelefon ist eine feine Sache. Senioren haben so die Gewissheit, zu jeder Tages- und Nachtzeit Hilfe rufen zu können, wenn es ihnen schlecht geht. Was aber tun, wenn man es nicht mehr bis zum Telefon schafft? Diese Frage hat sich Klaus Barche in den vergangenen Tagen immer wieder gestellt. Eine befriedigende Antwort hat er bislang nicht gefunden.

Grund für die Grübelei des rüstigen 80-Jährigen war ein Vorfall vor knapp zwei Wochen. Barche, der mir seiner Lebensgefährtin in einer Wohnanlage für Senioren (Betreutes Wohnen) in der Berliner Straße in Rathenow lebt, hatte sich am Morgen gewundert, dass bei einem Nachbarn die Jalousien noch nicht hochgezogen waren. Und das, wo besagter Nachbar als ausgewiesener Frühaufsteher bekannt war.

Weil Klaus Barche ahnte, dass etwas nicht stimmt, klopfte er an der Tür des älteren Herren. Und vernahm nach einiger Zeit eine schwache Stimme. Er sei gestürzt und könne nicht aufstehen, vernahm Barche. Sofort eilte er in seine Wohnung und drückte den Notrufknopf auf seinem Telefon.

24-Stunden-Bereitschaft

Wie alle Mieter im Betreuten Wohnen hat auch Klaus Barche einen Betreuungsvertrag abgeschlossen, der auch ein telefonisches Notrufsystem beinhaltet. Für 60 Euro im Monat (Ehepaare zahlen 90 Euro) wird den Bewohnern ein Telefon zur Verfügung gestellt, über das 24 Stunden am Tag Hilfe herbeigerufen werden kann. „Beim Drücken einer roten Taste geht beim Pflegedienst der Wohn- und Pflegezentrum Havelland GmbH (WPZ) eine Information ein“, erklärt Silke Monte, Pressesprecherin der Havelland Kliniken GmbH. Umgehend werde eine Pflegekraft zu der Wohnung geschickt, aus der der Notruf abgesetzt worden sei.

Über den roten Notrufknopf links oben können die Mieter mit dem Wohn- und Pflegezentrum in Kontakt treten. Quelle: Markus Kniebeler

Barche drücke am besagten Tag den roten Knopf zwei Mal. Allerdings meldete sich niemand. Weil der Senior sicher gehen wollte, suchte er eine andere Nummer des Dienstes heraus und holte so Hilfe herbei. Was er nicht wusste: Auch wenn niemand den Notruf beantwortet, wird der registriert. So auch am besagten Tag. Gerade als sich eine Pflegerin auf den Weg machte, ging das normale Telefon auf der Station und Barche schilderte den Vorfall. „Da war die Hilfskraft bereits unterwegs“, sagt Monte. Rund 15 Minuten habe es gedauert, bis die Pflegerin da war, erinnert sich Barche. Und er fragt sich, ob nicht schneller hätte reagiert werden müssen.

„Dieses System einer schnellen Hilfe ist nicht mit einer Vor-Ort Präsenz einer Pflegefachkraft gleichzusetzen, wie sie bei Bewohnern einer stationären Pflegeeinrichtung gegeben ist, sondern es dauert einen Moment bis zum Eintreffen“, erklärt Silke Monte. Sofern jemand eine lebensbedrohliche Situation vermutet, bestehe selbstverständlich immer auch die Möglichkeit, direkt die 112 anzurufen, um einen Notarzt zu holen.

Zweifel am System

Aber was, wenn, wie im geschilderten Fall, der Hilfsbedürftige das Telefon nicht mehr erreicht? „Das Telefon steht meist irgendwo im Flur“, sagt Barche. Wer in der Wohnung stürze und sich verletzte, komme dort nicht mehr hin. „Dann bringt das ganze System nichts“, sagt er. Und man könne ja nicht dauernd mit dem Telefon in der Hand herumlaufen.

Ein Arm- oder Halsband mit einem Notrufknopf hält Barche für sinnvoller. Das könne man immer am Körper tragen und auch bedienen, wenn man es nicht mehr zum Telefon schaffe.

Silke Monte versteht die Sorge des Rentners. Die Geschäftsführung der WPZ prüfe bereits Alternativen zum jetzigen Notrufsystem, sagt sie auf MAZ-Nachfrage. Sofern die Mieter einer entsprechenden Änderung ihrer bestehenden Betreuungsverträge zustimmten, könne deren Anschaffung erfolgen.

Übrigens: Dem Nachbarn, der gestürzt war, geht es den Umständen entsprechend wieder gut.

Von Markus Kniebeler

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